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Jan Böhmermann wirft Fynn Kliemann Betrug mit Masken vor

Jan Böhmermann wirft Fynn Kliemann Betrug mit Masken vor
Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

In seiner Sendung „ZDF Magazin Royale“ hat Satiriker und Journalist Jan Böhmermann schwere Vorwürfe gegen den Youtuber, Musiker und Unternehmer Fynn Kliemann erhoben. Unter anderem soll Kliemann einen großen Teil seiner als „fair“ vermarkteten Masken nicht in Portugal, sondern in Vietnam und Bangladesch produziert haben. Damit hätten er und sein Geschäftspartner Fans und Großkunden bewusst getäuscht.


Schwere Vorwürfe gegen Fynn Kliemann: Satiriker Jan Böhmermann wirft dem Unternehmer und Influencer Betrug vor. Die neue Folge von Böhmermanns Sendung „ZDF Magazin Royale“, die dem Thema gewidmet ist, erscheint am Freitag, 6. Mai, im ZDF. Seit Mitternacht ist sie bereits auf Youtube zu sehen. In dem rund 28-minütigen Beitrag erklärt Böhmermann, wie Kliemann die Öffentlichkeit bewusst getauscht habe, zudem veröffentlichte er auf einer eigenen Website einen dazugehörigen Artikel. Demnach soll Fynn Kliemann Schutzmasken aus Bangladesch und Vietnam als „fair“ und „in Europa produzierte“ Masken verkauft haben.

Fynn Kliemann: „Fair produzierte Mundbedeckungen aus Europa“

Der Influencer und Unternehmer verkündete im Frühjahr 2020 auf Instagram, mit seinem Geschäftspartner Tom Illbruck die eigene faire Textilproduktion Global Tactics in Europa auf Maskenproduktion umzustellen. „Wir haben unsere Produktion umgestellt und stellen nun fair produzierte, wiederverwendbare Mundbedeckungen aus Europa, aus 100% Polypropylen, zur Reduzierung des Infektionsrisikos her“, schrieb Kliemann am 31. März 2020 auf Instagram. In einer Stellungnahme auf Instagram am 1. Mai 2022 bestätigte er noch einmal diese Aussage. Für sein Engagement wurde Kliemann im Dezember 2020 mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet.

Screenshot: Instagram/@fimbim

2,3 Millionen Masken stammen aus Asien

Dem „ZDF Magazin Royale“ liegen allerdings Informationen vor, nach denen ein Großteil der Masken nicht in Portugal, sondern in Vietnam und Bangladesch produziert wurde – und das nicht unter fairen Bedingungen. Laut den Recherchen stammen 2,3 Millionen Masken aus Asien. Laut Illbruck wurden 3,3 Millionen Masken verkauft und damit 2020 ein Umsatz von 2,8 Millionen Euro erwirtschaftet. Kliemann hatte im Netz immer den Eindruck erweckt, alle Masken würden fair in Europa produziert. Außerdem zeigen E-Mails und iMessages, dass Global Tactics den wahren Produktionsstandort vor seinem Großkunden About You vertuschen wollte. About You schrieb auf der Website, dass die Masken in Portugal produziert worden seien. Wie Jan Böhmermann durch E-Mails belegt, war Fynn Kliemann über die Verschleierungspläne von „Global Tactics” und entscheidende Details informiert.

Illbruck räumt ein, in Bangladesch produziert zu haben

Auf Anfrage des „ZDF Magazin Royale“ räumte Kliemanns Geschäftspartner Illbruck ein, weniger als 500.000 Masken „über einen deutschen Handelspartner“ auch in Bangladesch produziert zu haben. Dabei erklärt er in Hinblick auf die Produktionsbedingungen in Bangladesch: „Der deutsche Lieferant hat uns eine BSCI- und Oekotex-Zertifizierung seiner Fertigungsstätten dargelegt.” Noch im Februar 2021 hatte er kritisch geäußert, dass Siegel für faire Produktionsbedingungen in Bangladesch kaum ernst zu nehmen seien. Illbruck bestreitet auch, die Produktion von Masken in Vietnam in Auftrag gegeben zu haben – die Recherchen des Teams rund um Jan Böhmermann sollen dazu aber Belege haben.

Sich an Masken bereichert?

Zudem haben die beiden Unternehmer einiges mit den Masken verdient – obwohl Fynn Kliemann öffentlich immer wieder betont hatte, nichts daran verdienen zu wollen. So sagte er in einem Interview mit „Focus Online“: „Man sollte sich an einer solchen Krise nicht bereichern.“ Er verkaufe die Masken zu einem Preis, zu dem sich die Produktion „gerade so“ trage. Laut Böhmermanns Recherchen sollen sie dagegen mit Millionengewinnen geplant haben.

Mangelhafte Masken als Spenden deklariert

Im April 2020 soll Global Tactics jeweils 100.000 Masken in Vietnam und Bangladesch in Auftrag gegeben haben, um die Lieferung für weitere Mengen zu testen. Die Lieferung aus Bangladesch stellte sich jedoch als qualitativ minderwertig und nicht für den Verkauf geeignet heraus, was aus einem Urteil des Landgerichts Kleve vom 4. März 2022 hervorgeht. Interne Chats und die Stellungnahme von Tom Illbruck belegen, dass Illbruck beschloss, die mangelhaften Masken an Geflüchtetenlager in Griechenland und über eine in Kroatien ansässige Organisation nach Bosnien zu schicken.

Auf Instagram teilte Kliemann stolz mit: „Mit diesen Mengen im Rücken haben wir @Lighthouserelief und @Standbyme.lesvos angeschrieben und können beiden griechischen Flüchtlingsunterkünften jeweils 3500 Masken für Camps in Ritsona und Lesvos sponsern. Dort gibt es bereits einige Infektionen und sogar einen Todesfall und wir tun alles, damit die Hilfe dort so schnell wie möglich ankommt.“ Ob genau dorthin die mangelhaften oder doch qualitative Masken gespendet wurden, ist allerdings unklar.

Screenshot: Instagram/@fimbim

In einer Stellungnahme auf Instagram hat sich Kliemann am Wochenende zu den Vorwürfen geäußert. „An alle Personen, Organisationen und Institutionen, die nun „auf den ersten Blick“ enttäuscht und geschockt sind, es tut mir leid!“, schreibt er. Den Vorwurf des Betrugs weist er aber von sich. So habe er die von Global Tactics in Bangladesch produzierten Masken weder verkauft noch beworben. Diese seien vielmehr an Großabnehmer gegangen, welche über die Herkunftsländer informiert worden seien, so auch Aboutyou. Er habe zu der Zeit etwa 500 Mails am Tag bekommen, sagt er. „Ich muss mir klar eingestehen, dass ich den Prozess nicht mehr überblicken konnte.“

Fans von Fynn Kliemann sind sauer

Seine große Fanbase äußert sich in den sozialen Netzwerken enttäuscht. „Hab mich länger gefragt, worauf Böhmi mit der ganzen Böhmannsland-Sache hinaus wollte, weil ich immer der Meinung war, an Fynn könnte man nicht so wirklich viel ernsthaft kritisieren“, schreibt Nutzer unter das Youtube-Video. Und weiter: „Jetzt bin ich ziemlich enttäuscht, eben weil das alles immer den Anschein hatte, sehr transparent zu laufen. Das‘ doch scheiße. Kann man nicht einmal an was Gutes glauben, ohne am Ende enttäuscht zu werden?“

Hinweis der Redaktion: Auch mads.de hatte im September 2020 darüber berichtet, dass Fynn Kliemann Masken nach Griechenland schicke, und sich dabei auf ein Statement des Influencers bei Instagram berufen.


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Über den Autor/die Autorin:

Laura Ebeling

Laura (23) studiert Kommunikationsmanagement - oder einfacher gesagt "irgendwas mit Medien". Von ihren Kenntnissen macht sie auch hier Gebrauch und beschäftigt sich gerne mit Themen wie Gleichberechtigung, dem politischen Geschehen und Fußball.

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