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„Bitches brauchen Rap“: Shirin David liefert starkes zweites Album

„Bitches brauchen Rap“: Shirin David liefert starkes zweites Album
Foto:  Timothy Schaumburg/Universal Music/dpa

Schon mit ihrem Debütalbum ist Shirin David vor zwei Jahren direkt auf Platz eins der Deutschen Charts eingestiegen. Auf dem Nachfolger „Bitches brauchen Rap“ holt sie ein zweites Mal weit aus. Das Album ist ein starkes Statement.


Shirin David ist viel mehr als nur eine ehemalige Youtuberin. Das wurde spätestens 2019 bei ihrem Einstieg ins Musikgeschäft deutlich. Nun soll ihr zweites Album „Bitches brauchen Rap“ fortsetzen, was damals begonnen hat. David baut eindeutig auf den Grundmauern des Vorgängers „Supersize“ auf. Die Musik ist weiterhin angelehnt an prolligen Rap, die Texte liefern provokante Zeilen, ironische Seitenhiebe und Wortspiele. Dabei nimmt sich die Rapperin gleichzeitig nicht zu ernst und inszeniert sich gekonnt als Star – doch wer mit einem Nummer-Eins-Album ins Musikgeschäft einsteigt und 2,7 Millionen monatliche Hörerinnen und Hörer auf Spotify verzeichnet, liegt damit ja auch nicht ganz falsch. Nicht ohne Grund gingen die Singles „Ich darf das“ und „Lieben wir“ durch die Decke, fanden die Hooks bereits Einzug in den Sprachgebrauch.

Vom Spiel mit den Klischees

Shirin David spielt schon immer stark mit Körperlichkeit, sie stellt ein sexy Image dar, trägt knappe Outfits, falsche Wimpern und verlängerte Nägel. Damit dreht sie jedoch das Rap-Klischee um und nutzt es für Female Empowerment. Die Vergleiche mit der Barbie-Puppe nutzt die Rapperin, die bürgerlich passend Barbara Schirin Davidavičius heißt, für sich. Auch die Beleidigung „Bitch“ wie im Titel des Albums will sie eindeutig positiv konnotieren. Es wird klar: Jede Anzüglichkeit ist Absicht. Das mag nicht für alle die passende Definition von Feminismus sein, aber ihre ist es. Shirin David steht damit als kontroverse, wenn auch starke Stimme für Frauen im deutschen Rap.

Shirin David überzeugt auch musikalisch

Schnell wird klar, dass hinter all dem überzogenen Materialismus auch wirklich mehr steckt. Mehr denn je zeigt Shirin David, dass sie keine Lust darauf hat, sich zu verstecken, sondern einfach macht, wonach ihr der Sinn steht. Dabei tritt sie auch gern Leuten auf die Füße, unter anderem thematisiert sie, wie sie vor allem während ihrer Zeit in der Jury der Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“ 2017 auf ihr Aussehen reduziert wurde. Dabei hat sie den entsprechenden Hintergrund für eine Karriere als Musikerin, sie spielte früh klassische Instrumente, tanzte Ballett und sang an der Hamburger Staatsoper. Dass sie jetzt rappt, liegt also rein an persönlichen Vorlieben, und das zeigt sie deutlich.

„Bitches brauchen Rap“ steht für starke Selbstdarstellung

Wie im Rap nicht unüblich praktiziert Shirin David auf „Bitches brauchen Rap“ Selbstdarstellung im großen Stil, nur eben differenziert. Der Opener „Babsi Bars“ endet mit den Worten „I am whatever you say I am“, nur damit Shirin David in den folgenden 14 Songs alle Vorurteile gehörig verdrehen kann. „Depressionen im Paradies“ kontrastiert ihren Lebenswandel, direkt zu Beginn des Albums befasst sich Shirin David mit den Folgen des Berühmtseins. Unter anderem stellt sie die Frage „Ist sie ‘ne Künstlerin oder ist alles an ihr künstlich?“ – die Antwort soll später folgen. Es gibt Features mit Shindy („NDA’s“) und Kitty Kat („Be a Hoe/Break a Hoe“).

Shirin David stellt klar, dass sie sich ihren Erfolg erarbeitet hat, allen Hindernissen zum Trotz. Eindrücklich und bestärkend ist das fast überall, unter anderem in „Man’s World“, in dem sie sich mit anderen erfolgreichen Frauen (-figuren) unterschiedlicher Bereiche vergleicht. Ausbrüche im Thema gibt es kaum. Am ehesten unterschieden sich „Bae“, „Dior Sauvage“ und „Heute nicht“ mit ihrem Fokus auf Beziehungen vom Rest. Langweilig wird es trotzdem nicht, schade ist lediglich, dass der starke Titeltrack so weit hinten im Album steht. Die Beats mögen zwar an manchen Stellen ein wenig repetitiv sein, der Song „Juicy Money“ steht im Vergleich zum Rest etwas schwach da, doch insgesamt ist das Album ein starker Nachfolger auf das erfolgreiche Debüt.

Zum Album-Release gab es außerdem die letzte Singleauskopplung mit Video. „Bramfeld Storys“ ist knapp neun Minuten lang und erzählt heruntergebrochen Shirin Davids Lebens- und Erfolgsgeschichte. Sowohl Lyrics als auch Video sind ohne Bling-Bling, die Worte sind eindrücklich. Den Song ans Ende zu stellen ist wie ein Paukenschlag und damit ein kluger Schachzug. Außerdem liefert der Song mit der Zeile „Ich bin eine Künstlerin, die Optik ist ein Blickfang“ auch die Antwort auf die zu Beginn gestellte Frage, was den Kreis schließt und eindeutig werden lässt, dass die Musik durchdacht ist.

Mit 15 Tracks ist das neue Album umfangreicher ausgelegt als das Debüt von 2019. Und auch wo „Supersize“ noch wie ein Rundumschlag wirkte, ist „Bitches brauchen Rap“ insgesamt austarierter und als Gesamtwerk runder. Fest steht: Shirin David ist gekommen, um zu bleiben.


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Über den Autor/die Autorin:

Annika Eichstädt

Annika (23) macht ihren Master in Neuerer Deutscher Literaturwissenschaft. Das ist zwar brotlose Kunst, aber sie liest oder schreibt nun einmal den ganzen Tag. Bei MADS rezensiert sie am liebsten Musik oder Serien.

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