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Frank Malisius: Physiotherapie ist Leben

Frank Malisius: Physiotherapie ist Leben
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Junge Auszubildende in therapeutischen Berufen begeistern Frank Malisius jeden Tag aufs Neue. Er leitet und organisiert den Physiotherapie-Bereich an den Bernd-Blindow-Schulen. Bei MADS erzählt er, was ihn an seinem Beruf so fasziniert – und wie der frühere Polizist und Leistungssportler seinen Weg dahin fand.

MADS: Herr Malisius, Sie waren Polizist und Leistungssportler. Heute organisieren Sie den Fachbereich Physiotherapie an der Bernd-Blindow-Schule (BBS). Ein ungewöhnlicher Weg – wie sind Sie hier gelandet?

Frank Malisius: Ich war in einer heißen Phase Polizist, mit vielen, auch gefährlichen Einsätzen. Dazu habe ich Fußball und Squash gespielt und hatte Interesse an einem sportlichen Werdegang. Ich konnte aber nicht trainieren, weil ich viel gereist bin. Endgültiger Anstoß war dann die Schwangerschaft meiner Frau. Ich habe mir einen Job gesucht, der mein Interesse am Sport, am Menschen und seiner Anatomie verbindet.

MADS: Sprich: den Beruf des Physiotherapeuten.

Malisius: Damals hieß es „Krankengymnast“. Die Ausbildung dauerte zwei Jahre plus Anerkennungsjahr. Dann fing ich in der Weserbergland-Klinik in Bad Eilsen an, dazu kam die Vaterschaft. Und dann kam auf einmal die Blindow-Schule auf mich zu. So wurde ich Honorarkraft, Lehrer und ab 1986 Teil der Schulleitung.

Heute bin ich nicht mehr als Physiotherapeut, sondern seit mittlerweile 38 Jahren an der BBS Bückeburg in der Lehre tätig. Seit den achtziger Jahren kümmere ich mich zudem um den Aufbau weiterer Physiotherapieschulen im ganzen Bundesgebiet – angefangen mit der BBS Leipzig, über die Rohrbach-Schulen in Kassel und Hannover hin zu den BBS in Aalen, Baden-Baden, Heilbronn und Mannheim. Letztes Jahr haben wir außerdem die Dorothea C. Erxleben Schule in Bad Oeynhausen übernommen.

Dabei sorge ich dafür, dass unsere erfolgreichen Ausbildungskonzepte an den neuen Standorten eingeführt werden. An unseren Physiotherapieschulen in Bückeburg, Hannover, Kassel und Bad Oeynhausen bin ich aktiv als Schulleiter im Fachbereich Physiotherapie tätig.

MADS: Was bewegt Sie bei Ihrer Arbeit?

Malisius: Das Ausbilden junger Menschen ist für mich eine Berufung geworden. Das lebe ich täglich. Es ist mir eine Herzensangelegenheit, alles für unsere Schüler zu tun, sie in ihrem Werdegang zu unterstützen, mich für sie einzusetzen. Ich möchte den Nachwuchs optimal für den späteren Beruf ausbilden und darauf vorbereiten – das ist nicht nur in ihrem und meinem Sinne, sondern auch im Sinne der Blindow-Schule.
Doch auch wenn ich mich dafür einsetze, sie sicher zum Abschluss als staatlich geprüfte Physiotherapeuten zu führen: Wichtig ist, dass sich die Schüler während der Ausbildung an unseren Schulen wohl und gut betreut fühlen. Und ich bin mir sicher, dass das der Fall ist.

MADS: Lässt sich Ihr Werdegang heute immer noch beobachten? Welchen Schüler-Typen begegnen Sie?

Malisius: Zu uns kommt die ganze Breite an jungen Leuten. Natürlich gibt es aber Präferenzen, das sieht man an unseren Tagen der offenen Tür: Dann erzähle ich oft auch von den Menschen, die bei uns lernen. Statt Alter und Schulabschluss stehen da ganz andere Fragen im Mittelpunkt: Was habe ich für Kernkompetenzen? Was sollte ich für den Beruf mitbringen? Warum interessiere ich mich dafür?

Die Grundüberzeugung ist fast immer: Ich möchte mit Menschen arbeiten und nicht am Schreibtisch sitzen. Physiotherapeuten sind meist kommunikative Menschen, auch aus physischer Sicht. Berührungsängste sollte ich in dem Beruf nicht haben. Ich muss den Mut haben, Patienten anzufassen und zu fühlen, was los ist. Das wächst aber während der praktischen Ausbildung, dazu kommt dann noch die theoretische Wissensaneignung. Unsere Schüler müssen nicht perfekt sein, sie lernen ja noch.

Für Malisius ist die Physiotherapie eine Berufung, die er täglich an seine Schüler weitergibt.
Für Malisius ist die Physiotherapie eine Berufung, die er täglich an seine Schüler weitergibt.

MADS: Was zeichnet den Physio-Unterricht an der BBS aus?

Malisius: Der praktische Unterricht bei uns ist dynamisch organisiert, die Schüler arbeiten viel miteinander und probieren sich aus. Dazu kommt auch noch ein Praktikum. Die therapeutische Ebene folgt dann nach und nach.

Es gibt natürlich auch genug interessante Theoriefächer wie Anatomie, Physiologie, Berufskunde, Pädagogik, Psychologie. Das ist auch eine Sache, die das Lernen bei uns interessant macht: Die Menschen kommen, weil sie Vielfalt wollen. Und Therapeutenberufe geben das her – egal, ob Logopädie, Ergotherapie oder eben Physiotherapie. Dazu kommt ab dem 1. August 2019 ein weiterer, großer Vorteil: Zu diesem Stichtag schafft das Land nämlich das Schulgeld für Gesundheitsfachberufe ab.

MADS: Wie steht es im Bereich der Physiotherapie um die zukünftigen Berufschancen?

Malisius: In der Physiotherapie gibt es einen großen Fachkräftemangel. Da hat man gute Chancen. Dazu ist es ein schöner Beruf, der schon immer einen guten Ruf hatte. Wir bringen Patienten bei, wie sie sich bewegen und verhalten sollten. Nachhaltige Hilfe zur Selbsthilfe. Generell bieten sich viele Möglichkeiten: in einem Fitnessstudio, in einer Praxis, in einer Klinik, im Wellnessbereich, auf Kreuzfahrtschiffen, manchmal sogar mit Tieren. Da gibt es ganz viele verschiedene Modelle.

Alle denkbaren Ziele sind erreichbar. Das bringt Abwechslung und Vielfalt, davon bin ich überzeugt. Das tägliche Leben beweist es mir – schon seit 30 Jahren. Und seitdem sind die Möglichkeiten enorm gewachsen. Heute bekomme ich von ehemaligen Schülern Nachrichten nach dem Motto: „Ich auf den Seychellen, Sie immer noch in der Schule.“ Aber sowas freut mich, ich gönne es ihnen!

MADS: Was macht den Beruf des Physiotherapeuten aus Ihrer Sicht aus?

Malisius: Es ist einfach ein wirklich toller Job. Ich habe Erfolgserlebnisse und finde Erfüllung, wenn ich Menschen, die krank sind oder fit werden wollen, helfen kann. Und wenn mich das nicht mehr glücklich macht, kann ich in ein neues Gebiet wechseln. Es wird nie langweilig. Ich jedenfalls bin mein Leben lang gerne zur Arbeit gegangen.

Bei mir sieht der Arbeitsalltag aber anders aus, seit ich den Fachbereich leite. Heute Morgen bin ich um sechs Uhr aufgestanden, zwischen halb sieben und halb acht habe ich Mails beantwortet, um kurz vor acht war ich in der Klinik in Bad Nenndorf, jetzt sitze ich in Bückeburg, gleich führe ich Bewerbungsgespräche und um halb fünf habe ich in Bad Oeynhausen noch ein Praktikums-Anleiter-Treffen. Ich habe immer einen vollen Tag.

MADS: Bleibt Ihnen noch Zeit, um selbst Sport zu treiben?

Malisius: Natürlich. Ich trainiere immer noch, auch wenn dafür im Alltag nicht mehr ganz so viel Zeit bleibt. Squash und Fußball spiele ich noch. Ich halte es da ganz einfach: Leben ist Bewegung, Bewegung ist Leben.

aufgezeichnet von Thomas Rocho / Fotos: tro


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