Seite auswählen

Werbung

Keine Übersetzung ins Hebräische: Autorin Sally Rooney boykottiert Israel

Keine Übersetzung ins Hebräische: Autorin Sally Rooney boykottiert Israel
Foto: Ullstein/dpa

Was Bestseller-Autorin Sally Rooney schreibt, wird weltweit gelesen – sofern es denn möglich ist. Denn die Irin lässt ihr neues Buch „Schöne Welt, wo bist du“ nicht ins Hebräische übersetzen, als Statement zum Nahostkonflikt. Die Bewegung, auf die sie sich dabei beruft, wurde von der Mehrheit des deutschen Bundestages als antisemitisch eingestuft.


„Schöne Welt, wo bist du“ heißt der dritte Roman der Erfolgsautorin Sally Rooney, der Anfang September erschienen ist. Hauptthema ist das Gespräch zweier Frauen Ende Zwanzig, es geht um Millennials, Beziehungen und emotionale Verstrickungen. Das Buch landete bereits in mehreren Ländern auf den Bestsellerlisten, doch Rooneys Fans in Israel werden es vorerst nicht lesen können – zumindest nicht auf Hebräisch. Die 30-jährige Irin lässt den Roman nämlich nicht in diese Sprache übersetzen. Grund dafür ist ihre politische Einstellung: Sie möchte Israels Rolle im Nahostkonflikt kritisieren, wirft dem Land Apartheid vor und solidarisiert sich mit Palästina. Die Bewegung, der sie sich damit anschließt, sieht sich mit dem Vorwurf des Antisemitismus konfrontiert.

Anfang September erschien Sally Rooneys dritter Roman, „Schöne Welt, wo bist du“.
Foto: Ullstein Buchverlage

Sally Rooney fordert kulturelle Isolierung Israels

Die ersten beiden Werke der Autorin wurden noch ins Hebräische übersetzt, überraschend ist dieser Boykott dennoch nicht. Im Juli hatte Rooney gemeinsam mit anderen Künstlerinnen und Künstlern einen offenen Brief unterzeichnet, in dem sie Israel Apartheid vorwerfen und fordern, das Land international wirtschaftlich und kulturell zu isolieren. Den ersten Schritt dieser kulturellen Isolierung geht sie nun mit der Verweigerung einer Übersetzung, konkret möchte die Irin für die Bewegung „Boycott, Divestment and Sanctions“ (BDS) werben. Diese ruft regelmäßig zu internationalen Boykottaktionen gegen Israel auf und hat prominente Unterstützerinnen und Unterstützer. Ziel der BDS ist es, Israel durch einen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Boykott zu einem anderen Umgang mit den Palästina zu bewegen. Die einen sehen darin legitimen und gewaltfreien Widerstand gegen israelische Politik, andere bezeichnen die Kampagne als antisemitisch.

Lies auch: „Schöne Welt, wo bist du“: Das ist das neue Buch von Sally Rooney

Ist Boykott antisemitisch?

Es sei gefährlich, angesichts der wachsenden Judenfeindlichkeit in den vergangenen Jahren jetzt zum Boykott Israels aufzurufen, so die Gegenstimmen zu Rooneys Aktion. Erst vor Kurzem kam das Thema in Deutschland auf, als der Musiker Gil Ofarim davon berichtete, in einem Leipziger Hotel diskriminiert worden zu sein, da er den Davidstern an einer Kette trug.

Bundestag lehnt BDS-Bewegung ab

Im Mai 2019 beschäftigte sich der Bundestag mit der Bewegung BDS. „Die Argumentationsmuster und Methoden der BDS-Bewegung sind antisemitisch.“, heißt es in einem Antrag, der mehrheitlich angenommen wurde. Der Boykott erinnere an den Aufruf der Nationalsozialisten, nicht in jüdischen Geschäften einzukaufen. „Don’t Buy“-Aufkleber der BDS-Bewegung auf israelischen Produkten wecken unweigerlich Assoziationen zu der NS-Parole „Kauft nicht bei Juden!“ und entsprechenden Schmierereien an Fassaden und Schaufenstern.“, heißt es in dem Dokument.

Ob Rooney mit ihrem Boykott die israelische Regierung oder doch vor allem ihre Fans bestraft, sei dahin gestellt. Rooney meint zwar, sie würde ihren Roman ins Hebräische übersetzen lassen, wenn sie einen Weg findet, der im Einklang mit den Boykott-Richtlinien der BDS steht – ob das aber noch geschieht, ist fraglich. Bis dahin werden sich israelische Fans gedulden oder das englische Original lesen müssen.


Lies auch:


Über den Autor/die Autorin:

Marie Bruschek

Marie (18) ist Schülerin in der Oberstufe. Wenn sie nicht gerade schlechte Wortwitze macht oder sich zum zehnten Mal Friends anguckt, schreibt sie für MADS über Politik, Feminismus und Social Media.

1 Kommentar

  1. Avatar

    So, und jetzt noch Mal bitte den Text korrigieren. Gil Ofarim trug offenbar keine solche Kette an dem Abend und verstrickt sich zudem in weitere Unstimmigkeiten.

    Antworten

Poste einen Kommentar:

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Send this to a friend