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Der Kümmerer: Schul-Hausmeister „Siggi“ aus Dassow

Der Kümmerer: Schul-Hausmeister „Siggi“ aus Dassow
Foto: Klaus Amberger

Aber nein, das ist kein Werkzeugkoffer. Siegfried Schöne öffnet das schwarze kleine Behältnis in seinem Büro. Darin liegt, samtweich gelagert, seine messinghell schimmernde Trompete.

Siegfried Schöne ist Hausmeister, zuständig für die Grund- und die Regionale Schule in Dassow in Nordwestmecklenburg. Alle nennen ihn hier nur Siggi. „Seit einem halben Jahr übe ich auf der Trompete“, sagt der 64-Jährige. Eine Musiklehrerin der Schule bringt ihm ab und zu ein paar Kniffe bei. Gitarre spiele er schon für den Hausgebrauch, die Trompete habe es ihm nun auch noch angetan.

611 Schulen gibt es in Mecklenburg-Vorpommern, inklusive der 49 Berufsschulen, mit gut 185 000 Schülern und etwa 13 100 Lehrkräften. In allen Häusern gibt es die guten Seelen der Hausmeister. Manche nennen sie respektvoll „Mädchen für alles“. Sabine Kurda, Leiterin der Dassower Schule, meint: „Hausmeister sind Ansprechpartner für Lehrer und Schüler, sie sind Tröster bei Sorgen, kümmern sich um die vielen kleineren und größeren Reparaturen, sie haben immer auch ein Pflaster parat und wirken bei Streitigkeiten zwischen den jungen Leuten ausgleichend.“

„Die Toiletten sind das Wichtigste“

Siegfried Schöne stammt aus Leipzig, ging dort an die 58. POS (Polytechnische Oberschule), ist Tischlermeister, hatte einen Betrieb mit 17 Mitarbeitern, „scheiterte“, weil Auftraggeber nicht zahlten, kam vor 24 Jahren an die Küste und hält seit acht Jahren die Dassower Schule in Ordnung. „Ich bin morgens der Erste“, sagt er mit seinem warmen, leicht sächsischen Slang. „Ich schließe die Außentüren und Tore auf und gehe dann auf meine Sicherheitsrunde.“ Er schaut durch die Flure, in die Toiletten, in die 18 Räume der Regionalen und in die zwölf Räume der Grundschule. „Die Toiletten sind das Wichtigste“, sagt er. Sind die Seifenspender gefüllt, die Handtuchhalter, gibt’s genügend Toilettenpapier, ist alles sauber? Bis sieben Uhr hat er die beiden Schulhäuser durchgelüftet.

Zerstörungen ärgern ihn

Hausmeister Siggi trägt eine derbe Arbeitshose, dazu Turnschuhe und einen dunkelblauen Fleecepullover. Er kann sehr ernst schauen, etwa wenn er davon erzählt, wie es ihn ärgert, wenn etwas mutwillig zerstört und verschmutzt wird, wenn beispielsweise Tapeten abgekratzt, Äpfel in Toiletten gestopft oder Getränke und Popel an Wänden verschmiert werden. „Ich mag es nicht, wenn die Arbeit anderer nicht geachtet wird.“ Ebenso kann er sein ganzes Gesicht zum Lächeln bringen, wenn er sich daran erinnert, dass Schüler ihm Bastelarbeiten zeigen oder ihm ein selbst gemaltes Bild schenken. „Viele Schüler berichten mir auch von ihren Geburtstagen, was sie für Geschenke bekommen und wie sie gefeiert haben – dieses Vertrauen ist schön.“

Trost für weinende Kinder

Ab 7.15 Uhr dürfen die Schüler in ihre Klassenzimmer. Die ersten Lehrer erscheinen schon eine halbe Stunde früher. Halb acht beginnt der Unterricht „und ich desinfiziere erst einmal alle Geländer und Türgriffe“. Zuspätkommer lässt er in die Schule und begleitet sie manchmal bis in die Klasse. „Gerade die Jüngsten stehen manchmal weinend vor mir, wenn ihre Eltern verschlafen haben und sind todunglücklich – da muss man trösten und beruhigen.“ Ebenso kümmert er sich um gehänselte Schüler.

Siegfried Schöne ist ein Kümmerer. Vor fünf Jahren drückte er für ein Jahr, im Alter von 59, noch einmal die Schulbank, absolvierte eine Ausbildung als Sanitäter. Auf der einen Seite bildet er nun Schüler als Sanitäter aus, auf der anderen Seite leistet er Erste Hilfe, falls es notwendig wird. Zum Beispiel bei Blessuren im Sportunterricht. Zwei Defibrillatoren gebe es nun im Haus. Verantwortlich ist er ebenso für korrekt gefüllte Sani-Taschen.

Kein „normaler“ Job

Schulhausmeister seien keine „gewöhnlichen“ Hausmeister. „Man muss eine Schule als Betrieb ansehen, in dem alles reibungslos funktionieren muss“, sagt Siegfried Schöne. Voraussetzungen für den Job? Verlässlichkeit und handwerkliches Geschick. Sicherlich muss man auch Kinder und Jugendliche mögen, oder? „Auf jeden Fall, aber ich habe immer schon gern mit jungen Leuten zu tun gehabt“, berichtet er. Früher trainierte er ehrenamtlich Fußballer, jetzt ist er Begleiter von Radsportlern. Er würde auch gern noch länger als Hausmeister arbeiten. „Aber im August des kommenden Jahres muss ich in Rente gehen.“ Und dann? „An meinem alten Haus ist immer etwas zu tun“, sagt er lächelnd.

Auch in den Ferien wird gearbeitet

Nach den großen Pausen sammelt der Hausmeister weggeworfenes Papier auf, mäht den Rasen auf dem Sportplatz, verschneidet Bäume und Hecken, füllt Sand in die Weitsprunggrube, koordiniert Handwerker, die beispielsweise die Fahrstühle warten, repariert Stühle und Tische. Freitags prüft er alle Klettergerüste und Spielgeräte. Protokolle führt er darüber. Und in den Ferien geht es weiter. „Dann werden die Arbeiten durchgeführt, die den Schulbetrieb aufhalten würden.“ Zum Beispiel Kontrollen der Heizungs- und Sanitäranlagen. Oder Filterwechsel in den Lüftungsanlagen sowie Malerarbeiten.

Siegfried Schöne legt seine Trompete wieder in den schwarzen Koffer. Weihnachten möchte er sein erstes Lied auf dem Instrument spielen. „Hoffentlich ein leichtes und nicht zu langes“, scherzt er. Am liebsten in der Dassower Kirche beim traditionellen Weihnachtssingen, das die Schule jedes Jahr ausrichtet. „Aber bis dahin muss ich noch viel üben.“

Von Klaus Amberger

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