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Streetart-Künstler Ata sprüht weltweit Gemälde an Wände

Streetart-Künstler Ata sprüht weltweit Gemälde an Wände
Foto: Lucas Kreß

Unter seinem Künstlernamen Ata macht Student Stefan Streetart. Die Werke des 23-Jährigen sind nicht nur auf Wänden in Deutschland zu bestaunen. Der junge Künstler reist gerne durch die Welt und hat bereits Gebäude in Spanien, Mexiko, Guatemala und Marokko bemalt. Während seines aktuelles Projekts, hat der Künstler über seinen Prozess und seine Inspirationen mit MADS-Autor Lucas gesprochen.


Stefan reist gerne, um die Welt etwas bunter zu machen. In seinen Semesterferien ist er die meiste Zeit unterwegs. „Ich suche mir einen Ort oder ein Land aus, buche ein Ticket und mache mich dann relativ planlos auf die Reise“, sagt der Student mit dem Künstlernamen Ata, schüttelt seine gelbe Spraydose und fängt an zu sprühen. Der junge Künstler hat schon Wände in Spanien, Mexiko, Guatemala und Marokko bemalt. Besonders in Mexiko schmücke Ata gerne Häuser mit seinen Kunstwerken. „Dort gibt es echt abgerockte Fassaden und die Familien freuen sich über bunte Wände“, sagt er. Die Mittelamerikaner seien generell sehr offen für Streetart und bunte Straßen.

Ata gestaltet gerade eine Durchfahrt in Hildesheim

In Deutschland und Europa sei die Bereitschaft von Hausbesitzern, ihre Wände bemalen zu lassen, im Vergleich deutlich geringer – nehme aber mittlerweile zu. Momentan sprüht er bunte wellenförmige Formen in einer Durchfahrt in Hildesheim. „Egal wo ich bin, schaue ich nach Wänden“, sagt er und gibt zu: „Es ist schon ein kleiner Tick geworden.“ Auf seinen Reisen käme Ata auch häufig ins Gespräch mit Hostel- und Hotelbesitzern, die ihm dann Unterkunft und Verpflegung – und manchmal noch eine zusätzliche Bezahlung – gegen ein Gemälde an deren Fassade anbieten.

„Es ist schön Abwechslung zu haben“

„Meine bunten Bilder kämpfen gegen das grau in den Städten“, sagt Ata. Die Inspiration für seine Werke zieht der 23-Jährige Künstler meist aus Musik. Hauptsächlich höre er Old-School Hip-Hop, Soul und Funk. „Früher habe ich mir zur Inspiration einfach Musik angemacht und angefangen, die erste Linie zu ziehen“, erklärt der Künstler. Heute geht er bei seinen Malereien aber meist konzeptionell vor und plant im voraus. Bei der Wahl seiner Farben verlasse sich Ata auf seinen Instinkt. „Ich wähle und kombiniere einfach die Farben, die für mich Sinn ergeben“, meint er und greift nach einer blauen Spraydose, die auf dem Boden steht. „Die Kombinationen sind für mich so logisch, wie irgendwelche Formeln für einen Mathematiker.“

Der 23-jährige Ata verdeckt sein Gesicht, weil der Fokus auf seinen Arbeiten liegen soll.

Neben Streetart tattoowiert Ata

Andere Künstler inspirieren Ata eher wenig. „Ich finde zwar viele Arbeiten anderer Künstler gut, aber sie beeinflussen meine Werke nicht“, sagt er. Neben der Malerei tattoowiert Ata und zeigt ein paar Tattoos, die er sich selbst gestochen hat. Darunter die Zahl 84 – seine Glückszahl. Momentan ist er auch dabei, seine von Streetart inspirierte Modemarke „Sabali“ zu gründen. „Es ist schön, Abwechslung zu haben“, sagt er. Der Name „Sabali“ komme aus Mali und bedeute so viel wie Geduld und Hoffnung. Auf den Namen für seine Marke ist Ata durch den Song „Patience“, von Old-School-Rapper NAS und Damian Marley gekommen. „Der Track inspiriert mich schon seit Jahren“, sagt der Künstler und greift nach einer Schablone, um gerade und saubere Linien zu sprühen. In dem Lied ginge es um Geduld, Aspekte der Gesellschaft auch mal zu hinterfragen und dass es nicht immer nur eine Sichtweise gibt. Diese Gedanken haben Ata nachhaltig geprägt.

Ata hat sich ein Tattoo mit seiner Lieblingszahl gestochen – die 84.

„Stehe ungern im Mittelpunkt“

„Ich stehe total ungern im Mittelpunkt“, sagt der 23-Jährige. Deshalb zeigt Ata in den sozialen Medien auch nicht sein Gesicht. Auf seinem Instagram-Account _ata84 gibt der Künstler einen Einblick in aktuelle und fertige Projekte. „Meine Arbeiten sollen im Fokus stehen und nicht irgendwelche persönlichen Merkmal“, erklärt er. Deshalb trage der Streetart-Künstler auf Bildern eines seiner bunten selbst designten Tücher und einen Outdoor- oder Fischerhut.

„Ich bin oft genervt nach Hause gekommen“

„Ich habe eigentlich schon immer gemalt, aber nie daran gedacht das hauptberuflich zu machen“, sagt er. Als Jugendlicher sei der junge Mann sportlich viel aktiv gewesen – bis er sich zwei Knieverletzungen zugezogen habe, die ihn bis heute sportlich einschränken. „Mit 15 habe ich mich ich dann mehr auf die Kunst fokussiert und viel gemalt“, erinnert er sich. Für Ata war die Malerei nicht sein erster Karriereweg. Mit 20 habe er seine Ausbildung zum Physiotherapeuten abgebrochen. „Ich bin oft genervt nach Hause gekommen und dachte mir: So kann es nicht weitergehen“, erinnert sich der Künstler.

Daraufhin habe Ata immer mehr gemalt und sich dazu entschieden, Branding Design zu studieren. Das Studium habe er aber nur begonnen, um die damit einherkommenden Rahmenbedingungen für sich zu nutzen. „Es dient eher als Back-up“, sagt er und erklärt: „Ich sehe mich nicht in einer Agentur arbeiten.“ Er möchte sich lieber selbst künstlerisch frei entfalten können. Durch die Corona-Pandemie habe er mehr Zeit für seine Kunst als üblich. „Das, was ich jetzt mache, entspricht genau dem, was ich immer wollte“, sagt er. Nur die fehlenden Reisen zur Inspiration vermisst er.

Von Lucas Kreß


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