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„Harry Potter: Wizards Unite“: Ist das die Zukunft der Augmented-Reality-Spiele?

„Harry Potter: Wizards Unite“: Ist das die Zukunft der Augmented-Reality-Spiele?
Foto: Niantic

Seit Jahren gibt es Augmented-Reality-Spiele. Sie wirken simpel und oberflächlich. „Harry Potter: Wizards Unite“ will es besser machen. Ist das gelungen?


Einladend wirkte der schäbige Pavillon im Park um die Ecke noch nie. Aber bedrohlich? Das ist er erst seit kurzem; denn jetzt ist er eine Festung, und wer dorthin kommt, der muss sich mit Ungeheuern und Schwarzmagiern duellieren. Ein junger Mann, der im Schatten eines Baumes gedöst hat, schaut langsam hoch. Warum stehen hier auf einmal so viele Menschen herum? Dann sieht er es auf einem der Bildschirme – ach so, die spielen so ein Handyspiel. Beruhigt nickt er wieder ein.

„Harry Potter Wizards Unite” ist das neue Spiel von Niantic, den Machern von „Pokémon Go“ und es ist an diesem Wochenende auch in Deutschland gestartet. Es funktioniert so ähnlich, wie das Taschenmonster-Sammelspiel, das 2016 zum globalen Phänomen wurde. So, wie damals Menschen durch die Städte irrten, den Blick fest auf dem Handy-Display, so will auch das Harry-Potter-Spiel seine Aushilfszauberer in eine andere, unsichtbare Welt entführen – eine Welt, in der sie magische Artefakte suchen und sichern.

So funktioniert „Harry Potter: Wizards Unite“

„Wizards Unite“ und „Pokémon Go” setzen auf zwei besondere Technologien. Erstens überlagern sie ein Kamerabild der echten Welt mit Spielgrafik – das ist Augmented Reality, kurz AR. Zweitens beziehen sie Ortungsdaten vom GPS-Sensor des Smartphones mit ein. Sie überlagern die Realität mit ihrer Spielwelt. Spielplätze, Kirchen oder eben Pavillons im Stadtpark werden im Spiel zu besonderen Treffpunkten.

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Versteckten sich bei „Pokémon Go“ knuddelige Taschenmonster zum Sammeln in der Welt, sind es diesmal „findbare Gegenstände“, die von sogenannten „Fundwächtern“ beschützt werden. Die Handybesitzer müssen Artefakte aufspüren und den Wächtern mit Zaubersprüchen entreißen. In der Praxis suchen sie mit der Handykamera nach dem AR-Artefakt und zeichnen Gesten auf dem Display, um Gegner zu verzaubern oder Gegenstände zu sammeln. Das ist eine Ecke komplexer, als bei „Pokémon“ – da beschränkte sich die Steuerung auf einfache Tipp- und Gestenbefehle.

Sind die AR-Effekte nur ein Gimmick ohne Nutzen?

Der Bezug zur echten Landkarte macht solche Spiele besonders. Die eigene Nachbarschaft erscheint plötzlich in neuem Licht. Die AR-Funktion bleibt dagegen unterentwickelt. Computergrafik in die echte Welt einzufügen, das ist in aller Regel ein guter Gimmick ohne echten Nutzen. Langjährige Pokémon-Fans wie Jan Ochoa, Redakteur bei der populären Gaming-Webseite Giant Bomb bemängeln, die AR-Effekte seien nur „in den ersten fünf Minuten cool“. Dann schalte man sie ab und spiele ohne weiter.Play VideoHarry-Potter-Handyspiel im Pokemón-Go-Stil

Ähnlich könnte es Harry Potter ergehen. Wenn Gnome im Stadtpark lauern, sieht das erst einmal witzig aus. Technisch ist es auch gut umgesetzt. Aber der Effekt nutzt sich schnell ab. Wenn Spieler vorankommen wollen, dann haben sie andere Prioritäten: Das Spiel muss zügig und zuverlässig arbeiten, ohne dass sich der Handy-Akku zu schnell leert. Dann wird zwar immer noch der GPS-Sensor benötigt, um Artefakte aufzuspüren, aber die Zauber-Duelle funktionieren ohne AR mindestens genauso gut.

Verrückte Hüte und lustige Brillen

Nicht, dass AR zwangsläufig nutzlos wäre. Wenn sie gut umgesetzt ist, dann kann sie Zuschauer in Staunen versetzen. Sie weckt Neugier. Aber sie bleibt häufig ein Zaubertrick, und beim zehnten Mal ist es nicht mehr beeindruckend, wenn der Illusionist einen Hasen aus dem Hut zieht. Damit Augmented Reality mehr sein kann, als ein Gimmick, braucht es mehr, als robuste Technik – es braucht neue Ideen.

Eine der beliebtesten Anwendungen für AR bieten heute Apps wie Snapchat und Instagram. Die jugendlichen Nutzer können Gesichter im Kamerablick live verändern, können ihren Freunden Bärte anstecken, sie in Pandas verwandeln oder virtuell schminken. Auch die Nachwuchszauberer in „Wizards Unite“ können sich Hüte und lustige Brillen aufsetzen. Das Feature ist gut, aber in ständiger Gefahr, sich abzunutzen. Es lebt davon, dass es immer etwas Neues anzuprobieren gibt. Natürlich werden für den „Free-to-Play“-Titel auch kostenpflichtige Kostüme angeboten.

Fazit: „Harry Potter Wizards Unite“ ist vom Start weg kurzweilig, in jeder Beziehung besser als die oberflächliche Pokémon-Sammelei. Aber wie ein tiefgründiges Spiel aussehen soll, bei dem AR mehr ist, als nur ein Gimmick, das wird hier nicht beantwortet.

Von Jan Bojaryn/RND


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