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Weihnachten als Scheidungskind: Das Fest der zweigeteilten Familie

Weihnachten als Scheidungskind: Das Fest der zweigeteilten Familie
Foto: Unsplash/ S&B Vonlanthen

Für viele Scheidungskinder haben die Weihnachtstage nur wenig mit Entspannung und Besinnlichkeit zutun. So fühlt sich das Fest der Liebe für Kinder getrennter Eltern an.


Einfach mal die Beine hochlegen, den geschmückten Weihnachtsbaum begutachten und sich vielleicht eins von Omas Zimtplätzchen genehmigen. Ach, wie schön! Weihnachten gilt in der christlichen Vorstellung als Fest der Liebe. Besinnlich sollen die Weihnachtstage sein. Statt alltäglichem Stress stehen Entspannung und Zeit mit der Familie auf der Tagesordnung. Blöd nur, wenn sich diese in zwei Hälften teilt. Dann wird das Weihnachtsfest nämlich zum Spießrutenlauf.

Ich war gerade elf Jahre alt, als sich meine Eltern scheiden ließen. Das liegt mittlerweile zwölf Weihnachtsfeste zurück. Besonders die ersten Jahre waren für mein Teenie-Ich ein weihnachtlicher Kulturschock. Während in den Radios „Fröhliche Weihnachten“ geträllert wurde, verbrachte ich Stunden im Auto, um von einem Weihnachtsfest zum nächsten zu fahren. Ein getakteter Ablaufplan ersetzte die gemütlichen Abende, an denen das geschmückte Wohnzimmer nur verlassen wurde, um das Krippenspiel in der Kirche zu besuchen.

Besonders anstrengend: Die Herausforderung, allen gerecht zu werden – und dabei noch die gute Laune beizubehalten. Gerade als Einzelkind lag der familiäre Fokus hauptsächlich auf mir. Doch auch die kindlich-weihnachtliche Freude ist nach der vierten Portion Weihnachtsbraten mit Kartoffelklößen irgendwann erschöpft. Dann noch der weihnachtlichen Erwartungshaltung zu genügen, die über den ganzen Dezember hinweg mit Kekse backen, Glühwein trinken und Wohnung schmücken angestachelt wurde, ist gar nicht so einfach.

Zum Grinch geworden bin ich trotzdem nicht. Stattdessen habe ich gelernt, mich mit den durchgetakteten Weihnachtsplänen zu arrangieren. Immerhin wird laut der Statistik etwa jede dritte Ehe geschieden – alleine bin ich mit meinen durchgeplanten Weihnachtstagen also definitiv nicht. Der Traum vom bequemen Beine hochlegen und Plätzchen naschen ist eben eine Vorstellung, die die meisten nur aus Weihnachtsfilmen und kitschigen Cola-Werbungen kennen.

Von Nina Hoffmann


Über den Autor/die Autorin:

Nina Hoffmann

Nina (23) studiert Soziologie und kennt somit alle Sprüche über eine Karriere als Taxifahrerin. Statt an ihren Fahrkünsten zu feilen, liest sie lieber Texte über Gender-Fragen und Emanzipation - oder noch besser: Die dazugehörigen Kommentare der Facebook-Nutzer/innen.

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