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„Euphoria“: Wenn Drogenmissbrauch zur Ästhetik wird

„Euphoria“: Wenn Drogenmissbrauch zur Ästhetik wird
Foto: Eddy Chen/HBO

Haben Filme und Serien einen gefährlichen Einfluss auf das Verhältnis Jugendlicher zu Drogen? Gerade ist die zweite Staffel von „Euphoria“ erschienen. Die HBO-Serie zeigt das Schicksal junger Drogenabhängiger – bei vielen Fans bleiben jedoch vor allem die bunten Bilder des Rauschs hängen.


Eine 17-jährige Drogenabhängige kehrt von ihrem Entzug zurück an die Highschool. Damit startet die Erfolgsserie „Euphoria“. Sie zeigt das Leben und die Probleme von Hauptfigur Rue (Zendaya), aber auch die Geschichten ihrer Klassenkameraden – so explizit und mitreißend, wie es Serien über Jugendliche zuvor kaum gewagt haben. Drogen, Sex, Gewalt und psychische Probleme sind in Rues Welt alltäglich.

„Euphoria“ als Motto für 14. Geburtstag

Die Serie sollte also eine abschreckende Wirkung auf junge Menschen haben und eindrücklich vor Drogenkonsum warnen – könnte man meinen. Und doch: Auf Instagram, Pinterest und Tiktok wimmelt es nur so von Make-up-Tutorials, Ideen für „Euphoria“-Mottopartys und bunten Videozusammenschnitten – von Drogenmissbrauch kaum eine Spur.

Diese Tiktok-Nutzerin feiert ihren 14. Geburtstag. Das Motto? „Euphoria“ – was sich aber vermutlich eher in der Dekoration als in anderen Bereichen zeigt.

Von Make-up-Tutorials wie diesem findet man im Netz Tausende. Die Fans lassen sich von den Looks der Protagonistinnen und Protagonisten inspirieren.

Glitzernder Drogenrausch

Grund für diesen Hype in den sozialen Medien ist, dass die Rausch- und Partyszenen in der Serie ästhetisiert werden. Überall glitzert es, Feuerwerke sprühen, alle sind großartig kostümiert und bunt geschminkt. Die Kamera spielt mit Licht und Perspektive – alles es sieht wahnsinnig beeindruckend aus. Unweigerlich ergibt sich beim Zuschauen die Faszination. Man kann beinahe nicht anders und möchte diese Momente auch erleben. Dem trotz einer Altersbeschränkung von 18 Jahren doch sehr jungem Publikum bleibt diese zauberhafte Welt im Kopf. Bei Tiktok schreiben Jugendliche, sie wünschten sich ein Leben wie in „Euphoria“, und vergleichen ihr „langweiliges“ Dasein mit dem Exzess der Gleichaltrigen auf dem Bildschirm.

Ein anderes Beispiel für diesen Trend ist die wahre Geschichte „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“, die 2020 in Form einer Serie neu adaptiert wurde. Auch hier posten junge Menschen Video-Edits, die Szenen aus der Serie romantisieren. Eine Nutzerin kommentiert, die drogenabhängige Christiane F. sei für sie ein Vorbild.

Von solchen Bildern in den sozialen Medien lassen sich Jugendliche schnell beeinflussen. Könnte es also passieren, dass Fans der Serien den Drogenrausch tatsächlich romantisieren und selbst erleben wollen?

Opioid-Krise in den USA

An anderer Stelle ist das schon geschehen. So werden besonders Opioide, also Schmerzmittel wie Morphin, bei jungen Menschen immer beliebter – auch weil die Rauschmittel in der Hip-Hop- und Rapszene so präsent sind. Eine Studie der US-amerikanischen National Library of Medicine ergab 2021, dass in 72 Prozent der populären Rap-Songs mindestens eine suchterregende Substanz vorkommt. In den USA entwickelte sich eine Opioid-Krise, die sich besonders durch die Corona-Pandemie verstärkt hat. Eben diese Krise inspirierte auch „Euphoria“-Regisseur Sam Levinson.

Anders als viele Rap-Songs ist „Euphoria“ aber trotz allem nicht gerade drogenverherrlichend. Denn die Serie zeigt eben auch, was nach dem High kommt – als Rue in ihrem eigenen Erbrochenen auf dem Boden liegt und beinahe an einer Überdosis stirbt. Das Problem liegt in dem, was Jugendliche auf sozialen Netzwerken aus der Serie machen. Viele sehen nur, was sie sehen wollen – eine glitzernde, lila leuchtende Traumwelt.

Wie kann ich mich schützen?

Eine Beraterin der Drogenberatungsstelle Drobs Hannover sagt, dass soziale Medien besonders dann gefährlich werden können, wenn dort Halbwahrheiten verbreitet werden. Die Drogenberaterin nennt drei Tipps, wie sich junge Menschen vor falschen Eindrücken und möglicher Versuchung schützen können:

1. Nutze verlässliche Quellen – Instagram ist keine davon. Bei Fragen zu Konsum und Wirkung solltest du dich am besten direkt an eine Drogenberatungsstelle oder sichere Internetquellen wenden. Beratungsstellen arbeiten anonym, kostenlos und können auch rein zur Aufklärung jederzeit kontaktiert werden. Behalte im Kopf, dass keine Frage zu blöd ist, wenn es um ein empfindliches Thema wie den Konsum von Drogen geht.

2. Habe Mut, Nein zu sagen: Wenn dein Umfeld dich zu Dingen drängt, die du eigentlich nicht tun möchtest, dann habe unbedingt den Mut zur Distanz. Lasse dich auch von positiven Berichten nicht zu sehr beeindrucken – Erfahrungen anderer müssen sich bei dir nicht wiederholen. Bedenke, dass illegale Substanzen nicht geprüft werden. Es könnten Stoffe untergemischt sein, die die zu erwartende Wirkung ändern.

3. Ist dein Leben nicht schon glitzernd genug? Überlege genau, ob du es wirklich nötig hast, dich für einen kurzen Moment so zu fühlen wie bei „Euphoria“. Keine Substanz kann dir langfristig helfen, wenn es dir schlecht geht. Führe dir vor Augen, ob der Gesamtzustand der Protagonisten für dich tatsächlich erstrebenswert ist.

Von Yuni Becker


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Über den Autor/die Autorin:

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