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So ist es, mit 17 zu studieren

So ist es, mit 17 zu studieren
Foto:  Jeffrey Ji-Peng Li

MADS-Autor Jeffrey darf noch nicht alleine Auto fahren, paukt aber schon für sein Medizinstudium an der Charité in Berlin. Wie lebt es sich als Minderjähriger an der Uni?


Ewiger Begleiter: Muttizettel 

Während meine Kommilitonen lediglich daran denken müssen, rechtzeitig einen Termin zu machen, muss ich für medizinische Vorsorgetermine wie Bluttests oder Impfungen einen Besuch bei meinen Eltern einplanen – und die wohnen knapp 300 Kilometer von meinem Studienort Berlin entfernt. Denn ohne die Unterschrift meiner Erziehungsberechtigten darf ich mich nicht untersuchen lassen – dabei ist das für mein Studium an der Charité zwingend erforderlich. Weil ich noch nicht volljährig bin, ist der Muttizettel ein ständiger Begleiter in meinem Unialltag. Und falls ich  mal vergesse, beim Heimatbesuch alle Unterschriften zu sammeln, muss ich extra zur Uni fahren, um dort die Zettel einzuscannen oder auszudrucken. 

Um 6 Uhr arbeiten? Nö! 

Dass ich noch nicht 18 Jahre alt bin, hat aber auch seine guten Seiten: Weil ich noch unter das Jugendschutzgesetz falle, habe ich bei meinem dreimonatigen Krankenpflegepraktikum angenehmere Arbeitszeiten als meine volljährigen Kommilitonen. Das bedeutet: Während alle anderen um 6 Uhr morgens schon im Krankenhaus sein müssen, darf ich noch eine Stunde länger schlafen. Und wenn sie nachts um 22 Uhr Kranke versorgen, genieße ich schon längst meinen Feierabend auf der Couch – ich darf nämlich höchstens bis 19 Uhr arbeiten.

Teure Bürokratie 

Weil ich unter 18 bin, muss mein Erstwohnsitz der Ort sein, an dem meine Eltern wohnen. Deswegen kann ich Berlin nur als Zweitwohnsitz anmelden. So weit, so gut: Allerdings muss ich zusätzlich zu Miete, Unterhalt und den Kosten für mein Studium nun auch noch eine Zweitwohnsitzsteuer bezahlen – das sind 15 Prozent meiner jährlichen Miete. Zum Glück tragen die Kosten meine Eltern.

Jünger zu sein ist nichts Neues 

Jeffrey mit seinen Kommilitonen. Foto: privat

Weil ich schon mit fünf Jahren eingeschult worden bin, habe ich, seit ich denken kann, viel Kontakt mit Älteren. An der Uni musste ich mich also nicht groß umstellen – obwohl der Altersdurchschnitt in Medizin wegen der oft langen Wartezeit ziemlich hoch ist. Andere Kommilitonen schätzen mich manchmal sogar älter als 18 ein. Das erleichtert das Kennenlernen – und führt zu überraschten Gesichtern, wenn sie mein tatsächliches Alter erfahren. Häufig höre ich dann scherzhafte Kommentare wie „Du bist so alt wie mein kleiner Bruder!“ oder „2001er sind mir immer so klein vorgekommen!“ – dabei überrage ich mit meinen 1,96 Metern die meisten meiner Kommilitonen. 

Seltsame Ruhe

Ich wohne jetzt in einem Einzelzimmer in einem Studentenwohnheim. Als jemand, der bisher mit den Eltern und einem jüngeren Bruder zusammen gewohnt hat, waren die Ruhe und Einsamkeit neu für mich. Die ersten Tage nach dem Umzug fühlte sich das komisch an, doch mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt. Mein Alltag ist im Vergleich zur Schulzeit gar nicht so anders. Jetzt bin ich eben nicht mehr auf dem Pausenhof, sondern von morgens bis nachmittags auf dem Campus unterwegs. 

Mit E-Piano auf der Rückbank 

Dank der super ausgebauten Öffis in Berlin bin ich selten auf ein Auto angewiesen. Deshalb kann ich meinen Führerschein für begleitetes Fahren ab 17 getrost zu Hause lassen. Spontan eine Begleitung zu finden, ist auch gar nicht so leicht. Letztens habe ich mir ein E-Piano gekauft – da hätte ich mir gewünscht, 18 zu sein und alleine Auto fahren zu dürfen. Um die schwere und sperrige Kiste zu meinem Wohnheim zu bringen, musste ich 30 Euro für ein Taxi zahlen. Mit einem Carsharing-Auto hätte ich viel Geld gespart. 

Keine Zeit für Hobbys 

Wäscheberge, dreckiges Geschirr, leerer Kühlschrank – ich muss mich mit den gleichen Problemen herumschlagen, die ein gerade ausgezogener Volljähriger auch hat. Die Zeit, die für den ganzen Haushaltskram draufgeht, fehlt mir zumindest wochentags für Hobbys. Natürlich kostet auch das Lernen Zeit, was an der Uni mehr Eigeninitiative bedarf, als an der Schule. Vor allem wird der Lernstoff selten wiederholt und nicht wie in der Schule gemeinsam durchgekaut. 

Kino statt Party 

Statt in langen Partynächten oder beim ausgedehnten Kneipen-Hopping meine Studentenzeit zu feiern, muss ich spätestens um Mitternacht zu Hause sein. Das stört mich allerdings nicht so sehr, weil ich sowieso meine Nächte nicht so gern in Clubs verbringe. Viel mehr schmerzen mich andere Aktivitäten, an denen ich nicht teilnehmen kann. Wenn meine Kommilitonen und Freunde vorschlagen, zusammen in eine Bar oder Paintball spielen zu gehen, muss ich sie immer mal wieder kleinlaut an mein Alter erinnern. Stattdessen gehen wir dann ins Kino oder zusammen essen, was ja auch schön ist – und bis zu meiner  Volljährigkeit ist es auch zum Glück nicht mehr lange hin.

Jeffrey Ji-Peng Li

So gelingt der Start ins Studium als Minderjähriger

Gerade einmal 0,3 Prozent ​der Studierenden an deutschen Hochschulen waren laut Statistischem Bundesamt im Wintersemester 2017/ 2018 noch nicht volljährig. Damit der Start an der Uni auch für sie problemlos läuft, sollten sich minderjährige Studierende vorab eine Generalvollmacht ihrer Eltern ausstellen lassen. 

So müssen sie sich nicht jede Unterschrift, ​sei es für das Ausstellen des Bibliotheksausweises oder für die Anmeldung einer Prüfung, erneut von den Eltern einholen. Das ist besonders hilfreich, wenn man nicht mehr zu Hause wohnt. 

Gute Tipps bekommen Studierende ​auch beim jeweiligen Studentenwerk. So empfiehlt Melanie Riemann vom hannoverschen Studentenwerk beispielsweise beim Einzug in ein Studentenwohnheim Kontakt zu den internationalen Tutoren zu knüpfen, um schnell Anschluss zu finden. Und: „Wenn man das erste Mal auf eigenen Beinen steht, muss man sich auch überlegen, wie man seinen Lebensunterhalt finanziert“, erklärt Riemann. 

Einen Bafög-Antrag ​können auch Minderjährige problemlos stellen, denn den müssen die Eltern sowieso unterschreiben – egal ob über oder unter 18. Schwieriger ist es bei Studienkrediten, da viele Institute keine Kredite an Minderjährige vergeben. Deshalb ist es wichtig, sich dort genau zu informieren. 

Anna Beckmann

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