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Darum ist der Proleten-Kult von Capital Bra so super öde

Darum ist der Proleten-Kult von Capital Bra so super öde
Foto: dpa/Uli Deck

Mehr Nr.1-Hits als die Beatles: Capital Bra gilt derzeit als der erfolgreichste Künstler Deutschlands. Warum kommt die Mischung aus Karibik, Autotune und Frauenfeindlichkeit so gut an?


Wenn es darum geht beleidigende Synonyme für Frauen zu finden, ist Capital Bra fast schon kreativ. „Fotzen“, „Fake-Hoes“, „Bitches“ oder „Schlampen“ nennt der Berliner Rapper weibliche Menschen in seinen Texten. Bestenfalls schminken sich diese „Bitches“ nicht so sehr, trinken viel und „kommen schnell zur Sache“, wie er im Song „Schwarze Locken“ wunschträumt.

Erfolgreichster Künstler Deutschlands

Kürzlich hat der 24-Jährige sein sechstes Album „CB6“ veröffentlicht – und damit direkt einen Rekord gebrochen: 35,5 Millionen Mal wurde das Album innerhalb einer Woche gestreamt. Capital Bra, der eigentlich Vladislav Balovatsky heißt, dürfte angesichts dieses Erfolges allerdings höchstens mit den Schultern gezuckt haben.

Denn der Rapper bricht gerade einen Streaming-Rekord nach dem nächsten. Jüngst holte er mit einem Cover vom Modern-Talking-Lied „Cheri Cheri Lady“ nach einem medienwirksamen Geplänkel mit Dieter Bohlen seinen zwölften Nr.1-Hit der Deutschen Single-Charts. Damit ist Capital Bra erfolgreicher als die Beatles – zumindest, wenn man digitales Musikhören und verkaufte CD-Singles gleichsetzt.

Capital Bra löst einen Hype aus, der kaum nachzuvollziehen ist. Musikalisch bewegt sich der Mittzwanziger irgendwo zwischen Karibik, Autotune und Machismo. „CB6“ ist wie ein akustischer Schwanzvergleich: Es geht hauptsächlich um krasse Autos, krasse Partys, krasse Frauen und krasse Drogen-Exzesse.

Die inhaltliche Themenvielfalt ist eigentlich mit einem Lied auserzählt. Trotzdem brabbelt der gebürtige Russe noch weitere 17 Lieder von seinen Bras (Slang für „Brüder), seinem Cabriolet, seinen Bitches und seiner Rolex. Capital Bra muss sich offenbar oft selbst versichern, wie unfassbar cool er ist.

„Motherfucker-krasse Musik“

Und weil die krassen Autos dafür offenbar nicht reichen, fantasiert er in „Click, Click“ davon, wie er einen Polizisten absticht. Unmenschlich? Illegal? Voll egal. Hauptsache das Testosteron ballert ordentlich. Und wem das bis dahin noch nicht klar ist, dem hält er in „Steh auf“ nochmal ganz direkt entgegen „Ich mach‘ auf jeden Fall motherfucker-krasse Musik, Bra“.  

Das Problem ist nur: Wer wiederholt mit dem gleichen Reiz konfrontiert wird, gewöhnt sich dran. ​Und nach den ersten zwei Liedern löst Capital Bras Protzerei im Zweifel eben auch nur noch ein Schulterzucken aus.

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Über den Autor/die Autorin:

Kira v. d. Brelie

Kira (26) hat Germanistik und Philosophie studiert. Vielleicht wird sie später Lehrerin, vielleicht aber auch nicht. Bis dahin schreibt sie. Für die Zeitung, für die Uni, mit Mama.

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