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Ist das Kunst oder kann das weg? Darum ist Sexismus auch im Hip-Hop nicht okay

Ist das Kunst oder kann das weg? Darum ist Sexismus auch im Hip-Hop nicht okay
Foto: Frank Wilde

Morgens in der Schule über Feminismus streiten und abends in der Disco sexistischen Deutschrap abfeiern: MADS-Autorin Marie Sußebach steht lieber am Rand, wenn ihre Freundinnen feiern gehen. Warum, erklärt sie hier.


„Frauen sind Schlampen!“ rappt Gzuz und meine Freundinnen schmeißen die Arme in die Luft und singen laut mit. Ich stehe daneben und schaue beschämt auf den Boden. Hören die nicht, was der da für frauenfeindlichen Kram von sich gibt? Obwohl viele von ihnen sich doch sonst so gerne als kämpfende Feministinnen zeigen. Ist Sexismus im Hip-Hop schon so normal, dass der Text einfach überhört wird? 

Kunst rechtfertigt keinen Sexismus

Sexismus gibt es ja nicht nur im Rap, doch dort wird er eben sehr offen ausgedrückt. Schon Mick Jagger, Frontmann der Rolling Stones, sang 1966 in „Under My Thumb“ davon, eine Frau als Haustier zu besitzen. Oft hören wir einfach nicht darauf, was eigentlich gesagt wird, sondern nur auf die Musik. Wenn also mitgesungen und getanzt wird, liegt es manchmal eben nicht an einem tollen Text, sondern an dem Beat, der Melodie oder den vibrierenden Bässen. Werden Rapper wie Kollegah dafür kritisiert, dass sie Frauen beleidigen, heißt es oft „Das ist Kunst“. Aber nur weil der Song musikalisch ein Meisterwerk ist, ist es noch lange nicht okay, sexistisch zu sein.

KC Rebell spricht von „Schlampen“, Mero von „Weibern“ und Capital Bra von „Bitches“. Und das alles in den Top 10 der deutschen Spotifycharts. Männer werden dagegen mit „meine Jungs“, „Homies“ und „Bruder“ betitelt. Der Berliner Straßenrapper Capital Bra rappt „Ihr seid alle gleich […], falsche Lippen, falsche Brüste, falsche Wimpern“. Er tut so, als gäbe es nur den einen Stereotyp Frau – und wertet damit jede Frau ab. Und auch, dass Cro „jedes Mädchen, das ich kenn’, ist ne Pscht“ singt, überhört man gern – schließlich klingt seine Musik sonst so leicht.

Dann lieber Spaßbremse

Aber nicht nur Männer machen sexistischen Hip-Hop: Rapperinnen wie das Duo SXTN nennen andere Frauen ja auch Fotzen. Aber wenn Frauen sich untereinander beleidigen, dann ist das etwas anderes: Sie begegnen sich zumindest auf Augenhöhe. Wenn Männer das tun, hängt das stets mit Überlegenheitsgehabe zusammen: Sie blicken auf Frauen herab und werten sie verbal und pauschal ab. Ganz nach altem Gangsta-Rap-Motto: „Ich hab ne Rolex und ne Frau. Oder halt mehrere“.

Morgens auf dem Pausenhof für Emanzipation plädieren, aber in der Disco sexistische Texte mitzugrölen, ist heuchlerisch. Und wenn Finch Asozial & MC Bomber im Club mal wieder laut brüllen: „Eine Frau bleibt auf Ewigkeit ein Gegenstand“, bin ich lieber die Spaßbremse am Rand, als Sexismus abzufeiern.

Von Marie Sußebach


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