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Warum ist der Juni Pride Month?

Warum ist der Juni Pride Month?
Foto: Unsplash/Margaux Bellot

Der Juni wird weltweit als Pride Month gefeiert. In Deutschland ist die Bewegung bekannter unter dem Namen Christopher Street Day. MADS erklärt, was dahinter steckt.


Die queere Szene feiert den ganzen Juni über den Pride Month. Übersetzt bedeutet das stolzer Monat. Doch auch Menschen, die sich nicht einer der LGBTQ-Gruppen zugehörig fühlen, solidarisieren sich mit der Community – und das weltweit. LGBTQ steht für lesbisch, schwul, bisexuell und trans sowie queer. Mit dem Begriff queer identifizieren sich überwiegend Menschen, die nicht heterosexuell oder Cis-Gender sind, oder sich aus anderen Gründen eben als anders, also queer, bezeichnen. Dazu gehören zum Beispiel auch aromantische oder asexuelle Menschen.

In Deutschland genießt der Christopher Street Day (CSD) eine größere Berühmtheit als der Pride Month. Dabei sind die beiden Ereignisse eng miteinander verbunden. Gefeiert wird die Vielfalt der Menschen, weshalb viele Großstädte ein besonderes Fest aus dem CSD machen. Doch es steht noch viel mehr dahinter – nämlich Aufklärung, Solidarität und Protest. Hier erfahrt ihr, woher die Tradition kommt.

Der Pride Month begann in New York

1960er Jahre: Homosexualität ist in Deutschland, den USA und vielen anderen Ländern eine Straftat. Queere Menschen treffen sich in New York City im Stonewall Inn in der Christopher Street. Die Gay Bar ist für sie ein Zufluchtsort und ein vermeintlich sicherer Platz. Doch in der Gaststätte stehen Polizeirazzien und -gewalt an der Tagesordnung. Immer wieder kommt es zu queerfeindlichen Vorfällen und Verhaftungen homosexueller Menschen.

28. Juni 1969: An diesem Tag kommt es zu einer Polizeikontrolle im Stonewall Inn. Die Menschen sind der Willkür der Beamten ausgesetzt und wehren sich zum ersten Mal lautstark und gewaltsam. Es folgt der größte queere Aufstand der Geschichte und mit ihm Vereinsgründungen, sowie eine große mediale Aufmerksamkeit.

28. Juni 1970: In der Christropher Street demonstrieren rund 4.000 Homosexuelle. Der Christopher Street Day ist geboren und der Juni ab sofort Pride Month.

1970er Jahre: Die beiden Ereignisse sollen die Schwulen- und Lesbenbewegung sichtbar machen. Andere Städte in den USA folgen mit großen Demonstrationen. Der CSD weitet sich auf Europa aus.

1979: In Berlin kommen bei der ersten Parade 450 Menschen zusammen, die die Abschaffung von Paragraf 175 fordern, der Homosexualität unter Strafe stellt. Gleichzeitig genießen es viele Schwule und Lesben, ihre Identität offen zu feiern.

11. Juni 1994: Die queere Szene in Deutschland erreicht einen Meilenstein – mitten im Pride Month wird der Paragraf 175 des Strafgesetzbuches abgeschafft.

2009: Demonstrierende in Deutschland fordern eine Ergänzung von Artikel drei, Absatz drei im Grundgesetz. Dieser besagt: „Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“ Bei der Aufzählung der Merkmale solle die sexuelle Orientierung aufgenommen werden. Bis heute ist das nicht passiert und immer noch Thema bei den CSDs.

2010: Das Erscheinungsbild der Paraden und Feierlichkeiten ändert sich immer mehr. Es wird bunter, lauter und Diskotheken feiern im Anschluss queere Partys. Auch parteipolitisch tut sich etwas. Nicht nur Angehörige des linken Spektrums nehmen an den Demonstrationen teil. Auch CDU und FDP präsentieren sich. Der CSD hat in vielen deutschen Großstädten einen festen Platz und macht damit Schwule und Lesben sichtbar.

2017: Die Szene feiert einen weiteren Erfolg – die Ehe für alle wird eingeführt. Doch gleiche Rechte für hetero- und homosexuelle Paare gibt es bis heute nicht.

2022: Nach pandemiebedingter zweijähriger Pause ist der CSD zurück auf den Straßen. Thema ist mittlerweile erneut die Gewalt gegenüber Homosexuellen. Bei dem CSD in Karlsruhe kam es zu mehreren Angriffen. Außerdem rücken Themen wie Transgeschlechtlichkeit und das Blutspendeverbot für homosexuelle Männer immer mehr in den Vordergrund. Der Verein CSD Deutschland hat alle Termine in einer Übersicht zusammengestellt.

Von Chantal Moll



Über den Autor/die Autorin:

MADS-Team

Unter diesem Namen sammeln wir Beiträge von Gastautorinnen und -autoren, Autorenkollektiven oder freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bei MADS. Die Namen des jeweiligen Autors oder der jeweiligen Autorin stehen unter dem einzelnen Beitrag.

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