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Zweite Staffel von „The Witcher“ schrammt am Ziel vorbei

Zweite Staffel von „The Witcher“ schrammt am Ziel vorbei
Foto: Jay Maidment / Netflix

Netflix hat die zweite Staffel von „The Witcher“ veröffentlicht. Erzählerisch ist sie zugänglicher als die erste, allerdings auch überladener, meint MADS-Autorin Annika.


Der polnische Autor Andrzej Sapkowski hat sich mit seinen Büchern um den Hexer Geralt von Riva ein Imperium geschaffen. Eine fünfteilige Romanreihe, zwei Kurzgeschichtenbände, ein weiteres Buch, dessen Handlung dazwischen spielt, sowie drei Videospiele haben ihm internationalen Erfolg eingebracht. Nun ist die zweite Staffel der Netflix-Adaption „The Witcher“ erschienen, deren erste Staffel zwischenzeitlich die erfolgreichste Netflix-Serie aller Zeiten war. Acht neue Folgen behandeln die Geschichte von Geralt, seiner Ziehtochter Ciri und seiner geliebten Zauberin Yennefer.

„The Witcher“ Staffel 2: Starker Einstieg

Am Ende der ersten Staffel haben Geralt und Ciri endlich zueinandergefunden. Mit ihrer gemeinsamen Reise durch das Land schließt die zweite Staffel auch direkt an vorige Ereignisse an. Was den Einstieg ebenfalls leicht macht, ist die typische Monsterjagdgeschichte mit Mystery-Aspekt der ersten Folge. Daraus geht eine schöne Dynamik der beiden Protagonisten hervor: Man sieht sie aneinander wachsen. Geralt taut durch Ciri auf und spricht in seiner neuen väterlichen Rolle mehr, während sie in mehreren Trainingssequenzen auf der Hexer-Festung Kaer Morhen von der kleinen Prinzessin zu einer Kämpferin wird. Zusammen mit den überzeugenden Kostümen und dem schönen Szenenbild ist das ein gelungener Start in die neue Staffel.

Weitere aufgegriffene Thematiken sind das in Ciri wachsende magische Chaos, Yennefers verlorene Zauberkräfte, die politischen Fehden auf dem Kontinent, sowie die Unterdrückung des Elfenvolks. In den neuen Folgen finden außerdem die verschiedenen Handlungsstränge chronologisch und synchron statt. Das macht es einfacher, der Serie zu folgen, als noch in der ersten Staffel. Während sich die Handlung nun stringent durch die Buchvorlage arbeitet, wird auch auf den Plot des Videospiels „The Witcher 3: Wild Hunt“ (2015) hingearbeitet, das den meisten Fans bekannt sein sollte.

Zu viele Figuren, zu wenig Zeit

Die Serie balanciert in der zweiten Staffel enorm viele Charaktere. In unterschiedlichen Konstellationen folgt man weiterhin Geralt, Ciri und Yennefer, zusätzlich dem Barden Jaskier, der Zauberin Fringilla, dem nilfgaardischen Offizier Cahir und der Elfe Francesca. Hinzu kommen Einzelszenen mit den Figuren Tissaia, Dijkstra, Dara, Istredd und Rience als kurzzeitige Protagonisten. Sonstige Fan-Favoriten wie Triss oder Eskel treten am Rande auf. Was in der Aufzählung schon überfordernd klingt, ist auch in der Serie nicht flüssig gelöst. In den acht Folgen bleibt schlichtweg nicht genug Zeit, um jede Figur ausreichend auszuarbeiten und über einen Statisten hinaus zu erheben.

Die drei Hauptfiguren kommen gut weg, doch beim Rest bleibt einem kaum Zeit zu entscheiden, ob man sie gut oder schlecht findet, ihre Handlungsstränge spannend oder eher uninteressant. Änderungen in Persönlichkeiten oder Aussehen wirken zusätzlich verwirrend oder gar nichtssagend. Wer die Bücher oder Spiele nicht gut kennt, kommt kaum mit. Zwar ist das generelle Pacing der Serie nicht schlecht, doch um das Publikum eine Bindungen zu mehr als drei Charakteren entwickeln zu lassen, wären mehr Folgen nötig gewesen.

Es reicht nicht zur „Game of Thrones“-Nachfolge

Das größte Problem der Serie ist, dass sie sich in ihrer Adaption eines mittelalterlichen Fantasy-Epos als zweites „Game of Thrones“ zu sehen scheint. Diesem Anspruch wird sie in ihrem Erzählen allerdings nicht gerecht. Die erste Staffel „Game of Thrones” hält sich ziemlich genau an das erste Buch. Die Figuren sind noch überschaubar, Ortswechsel werden durch Schriftzüge unterstützt, das Intro ist eine Landkarte. Zusammen mit einem ausbalancierten Pacing schafft die Serie es so, Welt und Charaktere verständlich darzulegen.

„The Witcher“ hingegen stieg in der ersten Staffel mit den Kurzgeschichten ein, achronologisch erzählt. So wurden zwar weder Fans der Bücher noch der Spiele direkt enttäuscht. Allerdings baut die zweite Staffel nun eben nicht richtig darauf auf. Chronologisch fortzufahren und nun doch stark in Richtung der Bücher zu gehen, macht die zweite Staffel von „The Witcher“ zugänglicher als die erste – als Fortsetzung funktioniert sie aber nur bedingt.

Foto: Netflix

Dritte Staffel von „The Witcher“ in Planung

Was die Serie in ihrem Ehrgeiz aber ohne Frage trägt, ist Henry Cavill als Titelheld Geralt von Riva. Nicht nur optisch passt er wirklich gut zu der Figur, als Fan der Reihe gibt er Geralt genau die passende Persönlichkeit mit. Ihm in der Rolle zuzusehen wird sicher auch in Staffel 3 spannend sein – die hat Netflix nämlich bereits bestätigt. Zusätzlich ist mit „The Witcher: Blood Origin“ eine Prequel-Miniserie angekündigt.


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Über den Autor/die Autorin:

Annika Eichstädt

Annika (23) macht ihren Master in Neuerer Deutscher Literaturwissenschaft. Das ist zwar brotlose Kunst, aber sie liest oder schreibt nun einmal den ganzen Tag. Bei MADS rezensiert sie am liebsten Musik oder Serien.

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