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Was ist das Darknet?

Was ist das Darknet?
Foto:  Ludovic Toinel/unsplash

Oft taucht es in Verbindung mit Drogen, Waffen oder Kinderpornografie auf. Doch das Darknet hat auch positive Seiten. Wie funktioniert es eigentlich?


Wer es mit einem Standard-Browser wie Firefox oder Safari probiert, wird nicht ins Darknet gelangen. Wer mit Standard-Suchmaschinen wie Google oder Ecosia danach sucht, wird es nicht finden. Das Darknet, also das „dunkle Netz“, gehört zu dem Teil des Internets, der nicht öffentlich zugänglich ist. Tatsächlich ist der offene Teil, den wir täglich nutzen und zu dem Websites wie Spiegel Online und Youtube gehören, nur ein ganz kleiner Teil des Internets.

Es ist in etwa wie ein Eisberg: Nur ein Bruchteil davon ist sichtbar – der große Rest befindet sich unter der Wasseroberfläche. Der sichtbare Teil des Internets heißt auch „Surface Web“ oder „World Wide Web“, kurz WWW. Wir können ihn mit gewöhnlichen Browsern nutzen und mit gewöhnlichen Suchmaschinen durchsuchen. Der große, unsichtbare Teil des Internets heißt „Deep Web“.

Chats, Datenbanken, Darknet: Das ist das Deep Web

Zum Deep Web gehören nicht nur Webseiten, die Google & Co. übersehen haben, sondern auch solche, die sie nicht durchsuchen können: Zum Beispiel Chats, Datenbanken von Bibliotheken und Unis sowie private Intranetze von Firmen. Diese Seiten können wir aber über gewöhnliche Browser nutzen. Voraussetzung dafür ist, dass wir die Login-Daten haben oder uns im Netz der entsprechenden Uni oder Firma befinden.

Das gilt aber nicht für das Darknet, das auch Teil des Deep Web ist. Um das zu nutzen, benötigen wir bestimmte Software, zum Beispiel den Tor-Browser. Diesen kann man sich ganz legal installieren und damit nicht nur das Darknet, sondern auch das Surface Web nutzen. Im Surface Web wird das Netz zwischen privatem Rechner und zentralem Server, also einer Art Hauptcomputer, der wichtige Aufgaben für viele andere Computer übernimmt, aufgebaut. Das Darknet dagegen ist dezentral zwischen einzelnen Rechnern, die jeweils als Server fungieren. Das nennt man Peer-to-Peer-Netzwerk – also von Freund zu Freund.

Es gibt nicht das eine Darknet, sondern mehrere Netze. Das größte Darknet ist das Tor-Netzwerk. Es wurde 2000 an der Uni Cambridge mit Unterstützung des US-Militärs entwickelt. In den Darknets gibt es sogenannte „Hidden Services“, also versteckte Dienste. Das sind meist anonym betriebene Webseiten und Server. Ihre Adressen sind kryptische Zahlen-Buchstaben-Kombinationen und enden oft auf .onion – zu deutsch: Zwiebel.

Das Darknet funktioniert nicht wie das Surface Web

Wenn im Surface Web ein Rechner eine Anfrage stellt, weil ihr zum Beispiel Greta Thunberg googelt, dann werden die Daten dieser Anfrage direkt an einen zentralen Server (in diesem Fall an den von Google) gesendet. Dieser bearbeitet die Daten und schickt eine Antwort (in diesem Fall eure Suchergebnisse) zu eurem Rechner zurück. Der Weg von Anfrage zu Antwort, von Sender zu Empfänger, ist nachverfolgbar.

Im Darknet ist das nicht so. Stellt hier ein Rechner eine Anfrage, wird sie über mindestens drei verschiedene Rechner irgendwo auf der Welt weitergeschickt, die sogenannten Knoten. Jeder Knoten kennt nur seinen Vorgänger und seinen Nachfolger. So sind Sender und Empfänger der Daten nicht identifizierbar. Außerdem überträgt das Darknet Daten mehrfach verschlüsselt – die eigentliche Anfrage ist also in mehrere Verschlüsselungsschichten verpackt, wie eine Zwiebel. Der Name Tor steht deshalb auch für „The Onion Router“, was so viel bedeutet wie „Der Zwiebel-Vermittlungsknoten“. Das Darknet ist durch die Mehrfachverschlüsselung und die vielen Server langsamer als das Surface Web – dafür sind seine Nutzer anonym.

Anonymität im Darknet hat auch viele positive Seiten

Das freut natürlich Kriminelle. Tatsächlich nutzen sie das Darknet oft, um etwa mit Drogen, Waffen oder Kinderpornografie zu handeln. Sie bezahlen mit der digitalen Währung Bitcoin. Aber die Anonymität im Darknet hat auch positive Seiten: So können sich zum Beispiel in Ländern, in denen Kritik an der Regierung hart bestraft wird, Oppositionelle über das Darknet verbinden und austauschen. Würden sie dies im normalen Internet tun, würden sie erkannt und bestraft werden.

Mit dem Tor-Browser können die Menschen außerdem das Surface Web unzensiert nutzen. Denn in manchen Ländern sind Internetseiten wie Facebook gesperrt. Da der Tor-Browser aber die Identität des Nutzers und den Standort seines Computers verschleiert, erreicht er auch gesperrte Seiten. Diese Anonymität hilft auch Whistleblowern wie Edward Snowden. Sie veröffentlichen Insider-Informationen über Missstände, etwa in Unternehmen. Snowden soll per Darknet Journalisten kontaktiert haben, um über die NSA auszupacken.

Das Darknet ist nicht per se illegal

Das Darknet ist also nicht zwingend illegal. Jeder, der sich einen entsprechenden Browser installiert, kann es legal nutzen – oder einfach im Surface Web surfen, ohne persönliche Daten preiszugeben. Durch mehrfache Verschlüsselung von Daten und ein dezentrales Netz bleiben die Nutzer des Darknets anonym. Das kann zwar Kriminellen nützen, hilft aber auch politisch Verfolgten, Journalisten und Whistleblowern.

Von Greta Friedrich

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Über den Autor/die Autorin:

MADS-Team

Unter diesem Namen sammeln wir Beiträge von Gastautoren, Autorenkollektiven oder freien Mitarbeiter bei MADS. Die Namen des jeweiligen Autors oder der jeweiligen Autorin stehen dann immer unter dem einzelnen Beitrag.

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