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Warum sind filmische Spieleadaptionen so schlecht?

Warum sind filmische Spieleadaptionen so schlecht?
Foto: Netflix

„Resident Evil“, „Uncharted“ oder „Assassin’s Creed“ – die Liste von Serien und Filmen, die auf Videospielen basieren, ist lang. Dabei sind die filmischen Adaptionen meist deutlich schlechter als die Originale. Woran liegt das?


Die neue Netflix-Serie zu „Resident Evil“ reiht sich nahtlos in die Liste von Serien und Filmen ein, die auf Videospielen basieren und deutlich schlechter als ihre Vorlage sind. Sie ist zwar nicht ganz so schlimm, wie die zahlreichen katastrophalen Bewertungen im Internet vermuten lassen – trotzdem bleibt sie weit unter ihren Möglichkeiten.

Lange Liste von Enttäuschungen

Egal ob Film oder Serie, Videospieladaptionen können selten wirklich überzeugen und sind höchstens Werke aus der Kategorie „lässt sich ganz gut gucken“. An Beispielen mangelt es nicht: Den Anfang hat dieser Trend in den 90er-Jahren mit den mittlerweile sechs „Resident Evil“-Filmen mit Milla Jovovich in der Hauptrolle gemacht. Doch vor allem in den vergangenen Jahren gibt es immer mehr Verfilmungen, die Fans aufs Neue enttäuschen: „Monster Hunter“ (wieder mit Milla Jovovich), „Assassin’s Creed“ mit Michael Fassbender und „Uncharted“ mit Tom Holland und Mark Wahlberg. Keiner dieser Filme erhält von Kritikerinnen und Kritikern einen Score von mehr als 45 Prozent auf Rotten Tomatoes.

Kunst nach Schema F?

Der wahrscheinlichste Grund für die mangelnde Qualität dieser Filme und Serien liegt eigentlich auf der Hand: Sie müssen gar nicht gut sein, um Gewinn zu erzeugen. Die neue „Resident Evil“-Serie ist auf Netflix in den Top 10 gestartet, der „Uncharted“-Film spielte am Startwochenende allein in den USA 44 Millionen Dollar ein und der „Assassin’s-Creed“-Film insgesamt 240 Millionen Dollar.

Die Formel scheint einfach zu sein: Eine populäre Videospielreihe aussuchen, die Hauptrollen mit Stars besetzen und kräftig die Werbetrommel rühren. Fans der Videospiele werden sich die Filme und Serien mit großer Wahrscheinlichkeit sowieso ansehen, und die bekannten Gesichter sorgen dafür, dass auch andere Filmfans dem Werk eine Chance geben. Nicht-Gamer scheinen also die Zielgruppe der Filme zu sein, die auf Games basieren. Das erklärt, warum Personen, die keine Fans der Spiele sind, einige der Filme als unterhaltsam bewerteten. Zumindest erhielt der „Uncharted“-Film einen Audience-Score von 90 Prozent auf Rotten Tomatoes, die Bewertung von Kritikerinnen und Kritikern war deutlich schlechter.

Ein weiterer Grund könnte sein, dass sich die Verantwortlichen oft deutlich von den Spielen abgrenzen wollen, um etwas Neues zu schaffen. In der ersten Staffel der „Resident Evil“-Serie tauchen fast gar keine Charaktere aus den Spielen auf, der Film zu „Monster Hunter“ ist gefühlt ein komplett anderes Genre, und Tom Holland und Mark Wahlberg sind mindestens zehn Jahre älter als ihre Pendants in den „Uncharted“-Spielen. Doch: Diese Spiele sind sehr gut und damit nicht umsonst erfolgreich. Wenn man von dem Kurs der Spiele abweicht, riskiert man auch, von deren Qualität abzuweichen.

Geld ist wichtiger als Qualität

Dieser Trend lässt sich jedoch nicht nur bei Filmen und Serien beobachten, die auf Videospielen basieren. Die „Jurassic Park“-Filme gelten bis heute als legendär (zumindest der erste), dagegen wirken die Nachfolger in „Jurassic World“ wie ein billiger Abklatsch. Trotzdem sind sie erfolgreich, weil das Franchise bereits Millionen Fans hatte, die zu hoher Wahrscheinlichkeit jeden neuen Film der Reihe sehen werden. Viele Nachfolger in der Gaming- und Filmindustrie werden also wie Merchandise behandelt: Einfach eine Gelegenheit, mehr Geld zu verdienen, statt gute Spiele oder Filme zu produzieren.

Immerhin: Mit „The Last of Us“ von HBO erscheint nächstes Jahr eine Serie auf Videospiel-Basis, die mehr verspricht als ihre enttäuschenden Vorgänger.

Von Tim Klein



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