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„Resident Evil“: Wie schlimm ist die Netflix-Adaption wirklich?

„Resident Evil“: Wie schlimm ist die Netflix-Adaption wirklich?
Foto: Netflix/Marcos Cruz

Netflix hat vor Kurzem eine Adaption der berühmten Horrorspielreihe „Resident Evil“ herausgebracht. Im Internet häufen sich überwiegend katastrophale Bewertungen. Hat die Serie das verdient?


„Resident Evil“ gilt für viele als die beste Horrorspielreihe aller Zeiten. Die populärste ist sie sicherlich. Daher bediente sich die Filmindustrie seit Jahren an der Geschichte rund um den Pharmakonzern Umbrella, dessen Experimenten an Menschen und den daraus resultierenden Zombies. Was Regisseur Paul W. S. Anderson mit Milla Jovovich in der Hauptrolle jedoch aus dem Spieleklassiker in mittlerweile sechs Filmen gemacht hat, ist eher eine Beleidigung der ursprünglichen Werke.

Gute Ansätze – oftmals schlechte Ausführung

Viele Fans erhofften sich in einer Adaption mehr von dem, was die Spielreihe über die Jahre so besonders gemacht hat: authentische Charaktere, nervenkitzelnder Horror, gefährliche, teils widerliche Monster und auch ein bisschen Humor. Diese Features sind der Grund, dass ältere Teile der Spielreihe ein Remake mit deutlich verbesserter Grafik und Gameplay bekommen haben.

Was die Monster angeht, kann die neue Netflix-Adaption zu „Resident Evil“ absolut mithalten. Es gibt riesige Raupen, Spinnen und Krokodile, und die sogenannten Licker sehen genauso gut aus wie in den Spielen. Fans der Reihe können sich durch solche Inhalte gut in die Serie hineinversetzen, obwohl sie natürlich nicht realistisch ist. Trotzdem bleibt sie in sich schlüssig und dadurch authentisch. Leider enden die positiven Aspekte der Serie an diesem Punkt schon.

„Resident Evil“: Unpassende Erzählweise

Die Geschichte der Hauptcharaktere Jade und Billie Wesker wird in zwei Zeitstrählen erzählt. Der eine findet zum Ausbruchszeitpunkt des sogenannten T-Virus im Jahr 2022 statt, der andere 2036. Im Jahr 2022 kämpfen die beiden mit Teeniealltagsproblemen, im Jahr 2036 mit blutrünstigen Zombies. Die Erzählung wechselt bis zum Ende der Staffel ständig zwischen beiden Zeitstrählen hin und her, was auf Dauer einfach nur nervig ist.

Die Handlungen vor und während des Ausbruchs hätte man gut in einer Folge zusammenfassen können. Gelegentliche Flashbacks mit Hintergrundinformationen zu den Charakteren wären in Ordnung gewesen, so wirkt die Erzählweise oft wie ein ungeduldiger Teenager, der zwei Filme gleichzeitig schauen will und ständig den Sender umschaltet. Außerdem entsteht so der Eindruck, als hätte man versucht, die besten schauspielerischen Leistungen von Lance Reddick als Albert Wesker und Paola Núñez als Umbrella-Chefin Evelyn Marcus so lange wie möglich auf dem Bildschirm zu halten, da die beiden Charaktere größtenteils vor dem Ausbruch eine Rolle spielen.

Seltsame Dialoge und forcierte Handlung

Viele Handlungen erscheinen erzwungen und unlogisch. Bestes Beispiel: Jade Wesker wird 2036 vom Umbrella-Vertreter Baxter verfolgt, der Dutzende Menschen tötet, nur um an sie zu kommen. Bei einer Verfolgungsjagd geraten die beiden in eine scheinbar aussichtslose Situation, die nur dadurch gelöst wird, dass sich Baxter mehr oder weniger für Jade opfert. Sie entkommt. Jade, die kurz davor mitbekommen hat, wie Baxter viele unschuldige Menschen ermordet hat, scheint auf einmal schockiert und bestürzt zu sein.

Ein weiteres Beispiel für lieblose Arbeit an der Serie: Jades Schwester Billie. Bei ihrem ersten Auftritt läuft Billie-Eilish-Musik im Hintergrund, sie hat genau wie die Sängerin eine helle Strähne im Haar und kleidet sich wie sie. Ach ja, und sie heißt natürlich genau so.

So ist die „Resident Evil“-Serie ein nur teilweise unterhaltsamer Mix aus Teenie-Drama, Science-Fiction und etwas, das entfernt dem Horror-Genre ähnelt. Das ist umso ärgerlicher, da die Spielereihe eine perfekte Grundlage für eine gute Serie liefert. An manchen Stellen wird sie in der Serie sogar vielversprechend umgesetzt: Neben den Monstern wirken auch die Experimente an Menschen und schließlich die Zombies authentisch – werden jedoch viel zu spät in der Serie vorgestellt und sind dadurch irrelevant. Die Serie nutzt das Potenzial der Vorlage damit nicht.

Von Tim Klein



Über den Autor/die Autorin:

MADS-Team

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