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Amazon Studios: Neue Diversitätsrichtlinien sind der falsche Schritt

Amazon Studios: Neue Diversitätsrichtlinien sind der falsche Schritt
Foto:  Markus Winkler/Unsplash

Mit neuen Richtlinien wollen die Amazon Studios sicherstellen, dass Rollen in Filmen und Serien künftig politisch korrekt besetzt sind. Doch sollte das immer das entscheidende Kriterium sein? Ein Kommentar.


Ausgerechnet die Amazon Studios – Filmproduktionsgesellschaft des Ausbeuter-Konzerns Amazon – geben sich neuerdings als Vorreiter in Sachen Gleichberechtigung aus. Die Produktionsfirma hat kürzlich ihre neuen Inklusionsrichtlinien vorgestellt. Damit soll nicht nur mithilfe von Quoten mehr Diversität bei Cast und Crew gesichert sein. Nein, es geht noch weiter: Es sollen nach Möglichkeit nur noch Schauspielerinnen und Schauspieler engagiert werden, „deren Identität (Geschlecht, Geschlechtsidentität, Nationalität, Ethnizität, sexuelle Orientierung, Behinderung) mit den Figuren, die sie spielen, übereinstimmt“, heißt es in den Richtlinien.

Kritik an Emma Stone, James Corden und Co.

Damit reagieren die Amazon Studios auf die immer lauter werdenden Vorwürfe zu vermeintlich unangebrachten Besetzungen – nicht nur bei Amazon-Produktionen. Ein paar Beispiele: Die weiße Schauspielerin Emma Stone spielte eine asiatische Frau im Film „Aloha“, Scarlett Johansson wurde ebenfalls für eine asiatische Rolle in „Ghost in the Shell“ engagiert. Eddie Redmayne mimte eine Trans-Frau in „The Danish Girl“, obwohl er selbst ein Cis-Mann ist (bei dem also die Geschlechtsidentität mit dem Geschlecht, das ihm bei der Geburt zugewiesen wurde, übereinstimmt). Der heterosexuelle Schauspieler und Moderator James Corden spielte einen Schwulen in „The Prom“. Und die neurotypische (also nicht autistische) Darstellerin Maddie Ziegler spielte eine Autistin in „Music“.

Die Kritik an diesen Casting-Entscheidungen ist teilweise berechtigt. Denn wie in allen anderen Bereichen des Lebens haben weiße, heterosexuelle und nicht behinderte Menschen auch in der Schauspielerei einen unfairen Vorteil. Wenn sie dann auch noch die Rollen spielen, die eigentlich nicht für sie gedacht sind, bleibt für andere Schauspielerinnen und Schauspieler wenig übrig.

Die Lösung ist aber nicht, in einer Art verpflichtendem universellem Method Acting jede einzelne Rolle politisch korrekt zu besetzen. Es gibt zwar keinen sinnvollen Grund dafür, dass weiße Darstellerinnen und Darsteller People of Color spielen. Doch bei Nationalität und sexueller Orientierung etwa sieht das schon anders aus. Warum sollte ein Brite keinen Amerikaner spielen dürfen? Und warum darf eine bisexuelle Frau keine Lesbe darstellen? Personen zu verkörpern, mit denen sie selbst mitunter wenig gemein haben, entspricht schließlich der Berufsbeschreibung von Schauspielerinnen und Schauspielern.

Klischeehafte Darstellungen sind das Problem

Cordens Darstellung als schwuler Mann und Zieglers Darstellung als Autistin waren vor allem deshalb problematisch, weil sie so klischeehaft waren. Wie es besser funktionieren kann, zeigt die Serie „Atypical“: Dort spielte ebenfalls ein neurotypischer Darsteller eine autistische Figur – da jedoch vor und hinter der Kamera autistische Personen an der Produktion beteiligt waren, vermittelt die Serie dennoch ein authentisches Bild.

Mehr Diversität in den Rollen und bei allen beteiligten Personen kommt Filmen und Serien definitiv zugute. Dafür müssen diese aber nicht wie Dokumentationen besetzt sein.


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Über den Autor/die Autorin:

Johanna Stein

Johanna (25) leitet das MADS-Projekt.

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