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Kommentar zum „Black Widow“-Boykott: Die Kulturmonopolisten

Kommentar zum „Black Widow“-Boykott: Die Kulturmonopolisten
Foto: Unsplash/Martin Widenka

Einige Kinos boykottieren den neuen Film „Black Widow“, weil er parallel bei Disney+ gestartet ist. Damit verlieren sie den Wettstreit zwischen Streaming und Leinwand, bevor der Kampf überhaupt angefangen hat, meint MADS-Autor Finn Bachmann.


Kurz, nachdem die Kinos bundesweit wieder geöffnet haben, ist auch die Konkurrenz zwischen Lichtspielhäusern und Streamingdiensten wieder Thema. Der neue Marvel-Film „Black Widow“ war bereits einen Tag nach dem Kinostart auf dem Streamingportal Disney+ verfügbar. Mehrere Ketten nahmen den Blockbuster daher gar nicht erst ins Programm auf. Die Streaming-Konkurrenz unterwandere ihr Geschäftsmodell, schreibt etwa die Astor-Gruppe, die unter anderem Kinos in Berlin, Hamburg und Hannover betreibt, auf ihrer Internetseite.

Kinos entziehen sich der Konkurrenz

Erst die Kinoleinwand, dann DVD und Streaming – bisher war diese Reihenfolge bei neuen Filmen meist der Standard. In den ersten Wochen und Monaten konnten sich die Kinos als kulturelle Monopolisten hervortun: Wer mitreden wollte, musste den Film im Kino schauen. Dafür nahmen Besucher auch Unangenehmes in Kauf, etwa unverschämte Preise für Popcorn und Cola. Nun gibt es mit einem Mal einen anderen Weg, Filme zu genießen: zu Hause auf der Couch, mit dem persönlichen Lieblingsessen, das auch noch zu marktüblichen Preisen angeboten wird.

Es ist ein trauriges Eingeständnis der Kinobetreiber, dass sie Streamingdienste als Bedrohung sehen. Sie halten ihr Konzept offenbar nicht für attraktiv genug, um es mit der Konkurrenz aufzunehmen. Anstatt die Alleinstellungsmerkmale der Kinos auszubauen, zum Beispiel eine preiswerte und gute Gastronomie einzuführen, die über Tüten-Nachos hinausgeht, starten sie einen Boykott. Die Antwort vieler Fans dürfte nun lauten: „Dann halt nicht.“

Fans haben keine andere Wahl

Durch die Nichtaufführung von „Black Widow“ in den Kinos bleibt vielen Fans gar nichts anderes übrig, als sich einen VIP-Zugang für Disney+ zuzulegen – auch wenn sie dem Kino womöglich zugewandter sind. Im Wettbewerb zwischen Kino und Streaming, der nicht nur bei Disney-Filmen in Zukunft häufiger werden wird, haben die Kinos nun schon verloren, bevor der Kampf überhaupt losging. Und Disney? Der Konzern ist mit seinem neuen Konzept unterdessen erfolgreich: Allein am ersten Wochenende hat der Konzern mit „Black Widow“ weltweit 60 Millionen US-Dollar an VIP-Zugängen für seinen Streaming-Dienst verdient.


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Über den Autor/die Autorin:

Finn Bachmann

Finn (19) ist Schüler in Vollzeit und versucht sich zurzeit an seinem Abitur. In seiner Freizeit ist er nicht nur bei der Feuerwehr, für MADS und die Hannoversche Allgemeine Zeitung schreibt er über Lokales, Internationales und was ihn sonst so bewegt.

1 Kommentar

  1. Avatar

    Nun ja, habe ein Kino in der Nähe, das den Film zeigt. Das ist über Wochen ausgebucht. Allerdings dürfen in einen Saal mit 60 bis 80 Stühlen nur 12 Leute, in den Saal mit über 100 Stühlen 26 Personen. Bei derartig überzogene Corona-Vorschriften hat das Kino keine Chance. So hilft die Politik den Streamingdiensten, die hier keine Steuern zahlen, statt Kultur und Dienstleistung lokal zu fördern.

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