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Sperrungen von Accounts auf Social Media: Deshalb bin ich dagegen

Sperrungen von Accounts auf Social Media: Deshalb bin ich dagegen
Foto: Instagram.com/@realdonaldtrump & Instagram.com/@lauramuellerofficial

Erst wird Donald Trump auf Twitter gesperrt, dann Michael Wendler auf Instagram: Soziale Netzwerke gehen immer mehr gegen Falschinformationen und Hass vor. Dennoch ist die Sperrung von Accounts auf Social Media nicht richtig, findet MADS-Autorin Marie.


Donald Trumps Twitter Account wurde Anfang Januar, rund zwei Wochen vor dem Ende seiner Amtszeit, gesperrt. Twitter begründete die dauerhafte Sperre mit dem Risiko einer weiteren Anstiftung zur Gewalt – nachdem seine Anhänger das Kapitol stürmten. Michael Wendlers Account hingegen wurde erst letzte Woche von Instagram gesperrt, da er dort seit längerem Verschwörungstheorien rund um Corona verbreitet. Aber ist die Sperrung der Accounts auf Social-Media-Plattformen zielführend?

Social Media: Monopolstellung in der Gesellschaft

Auch wenn ich Trump für die Ausschreitungen am 6. Januar 2021 verantwortlich mache, und Wendlers Verschwörungstheorien für gefährlich halte, kann es meiner Meinung nach nicht sein, dass Konzerne solche Entscheidungen treffen. Diese sollten – zumindest in diesen beiden Fällen – bei Gerichten oder Parlamenten liegen – aber nicht bei Twitter, Facebook oder Instagram. Die Unternehmen haben weltweit eine Monopolstellung, sind für Menschen eine Informationsquelle und haben damit auch eine Art Grundversorgungs-Stellenwert in der Gesellschaft inne, sowie unglaublich viel Macht und Einfluss. Das Argument, die Entscheidung zur Sperrung falle unter das Hausrecht, ist daher nicht wasserdicht. Man kann nun mal einen lokalen Supermarkt nicht mit einem gigantischen Konzern vergleichen.

Fehlende Diskussion

Zielführend ist das Ganze meiner Ansicht nach ohnehin nicht: Die Sperrung sorgt für eine Verstärkung der Spaltung in der Gesellschaft. Anhänger von Trump und Wendler sehen sich in ihren Narrativen bestätigt und werden einfach ihren Idolen auf anderen Apps wie Parler oder Telegram folgen. Damit gehen sich beide Seiten – bspw. Trump Befürworter und Gegner – aus dem Weg, was zur Verhärtung der Meinungen und einer fehlenden Diskussion führt. Die Filterblasen, in denen wir uns alle bewegen, werden durch die Sperrungen noch befeuert: Wir werden online immer nur in unseren Meinungen bestärkt und führen keine sachlichen Diskurse mehr.

Es ist eine Doppelmoral

Noch dazu wirken die Tweets, mit denen Trumps Sperre begründet würde, recht konstruiert. Von all den problematischen Dingen, die Trump getweetet hat, wurden die als Begründung ausgewählt, in denen er mitteilt, nicht zu Bidens Amtseinweihung zu erscheinen und weiterhin seine Wähler zu unterstützen.

Reicht das aber für eine dauerhafte Sperrung? Es ist doppelmoralisch und ironisch, dass Tweets des geistlichen Führers des Iran, Ajatollah Ali Chamenei, die zur Auslöschung Israels aufrufen, nicht gegen die Richtlinien von Twitter verstoßen, aber Donald Trumps trotzige Tweets schon.

Auch wenn der Wendler nicht der einzige ist, der Verschwörungstheorien verbreitet: Xavier Naidoo und Attila Hildmann sind weiterhin auf Instagram aktiv. Diese Uneinheitlichkeit zeigt das fehlende System hinter den Sperrungen. Ein Problem unsichtbar zu machen, sorgt nicht für sein Verschwinden. Die Sperrungen wirken nicht nur doppelmoralisch, sondern sind ineffektiv und nicht zielführend – Anhänger von Trump und Wendler werden einfach auf andere Plattformen ausweichen und dort weiterhin ihren Idolen Gehör und Glauben schenken.


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Über den Autor/die Autorin:

Marie Bruschek

Marie (17) ist Schülerin in der Oberstufe. Wenn sie nicht gerade schlechte Wortwitze macht oder sich zum zehnten Mal Friends anguckt, schreibt sie für MADS über Politik, Feminismus und Social Media.

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