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Schuldenfalle? Der KfW-Studienkredit im Faktencheck

Schuldenfalle? Der KfW-Studienkredit im Faktencheck
Foto: Unsplash/Towfiqu barbhuiya

Studierende mit Geldsorgen stolpern früher oder später über die Möglichkeit, einen KfW-Studienkredit aufzunehmen. Das kann in hoher Verschuldung enden – schlimmstenfalls in der Privatinsolvenz.


Geld ist für viele Studierende ein emotional aufgeladenes Thema. Mehr als ein Drittel aller Studierenden in Deutschland ist laut dem Statistischen Bundesamt armutsgefährdet. Viele bekommen kein BAföG. Und die Inflation sowie gestiegene Energiekosten verschlimmern die Situation.

Ein Kredit sollte die letzte Option sein

Gerade wenn Studierende das Studium ohne elterliche Unterstützung stemmen, können sie in einen finanziellen Engpass geraten. Wenn es keine anderen Möglichkeiten mehr gibt, greifen sie vielleicht zum Studienkredit. So entsteht eine Verschuldung. Viele Studierende könnten aber nicht einschätzen, was eine Verschuldung wirklich bedeutet, sagt Dorothea Tschepke von der Kreditberatung des Studentenwerks Hannover. Schon bevor die Zinsen gestiegen sind, habe man Studierenden von den Krediten abgeraten und diese stets als letzte Option behandelt.

Wie der KfW-Studienkredit zu Schuldenfalle wurde

Nun häufen sich Meldungen über gestiegene Zinsen des Studienkredits und die damit einhergehende Verschuldungsgefahr. So hat das Bundesbildungsministerium auf Anfrage der Partei „Die Linke“ vor einigen Wochen Daten der KfW veröffentlicht. Demnach zahlen Studierende im Schnitt fast dreimal so viele Zinsen wie noch vor fünf Jahren für den Kredit, im Schnitt rund 80 Euro im Monat.

KfW-Studienkredit: Was ist das eigentlich? Der KfW-Studienkredit ist ein Kredit der KfW-Bank. Er ist an nur wenige Kriterien geknüpft, sodass Studierende ihn ganz unbürokratisch online beantragen können. Das Besondere ist, dass man keine einmalige Summe ausgezahlt bekommt, sondern einen monatlichen Betrag zwischen 100 und 650 Euro. Parallel zu diesen monatlichen Auszahlungen müssen Studierende allerdings bereits die Zinsen abbezahlen. Ein Teil des ihnen ausgezahlten Geldes geht sozusagen direkt an die Bank zurück. Die Studierenden können jedoch beim Beantragen des Kredits keinen festen Zinssatz vereinbaren, stattdessen ist der Zinssatz der KfW-Studienkredite variabel. Die Bank passt ihn alle sechs Monate neu an.

Das Problem am KfW-Kredit ist die fehlende Zinsbindung. Seit dem Ukraine-Krieg ist der Zinssatz bereits um mehr als 4,6 Prozent gestiegen und hat mittlerweile einen Spitzenwert von 9,01 Prozent erreicht. Studierende müssen also fast ein Zehntel ihres von der Bank ausgezahlten Geldes direkt zurückzahlen. Die Bank selbst betont, dass sie an diesem Kreditangebot kein Geld verdiene und lediglich Kosten und Risikokosten decken würde. Jedoch gibt die KfW-Bank keine Prognosen ab, wie sich der Zinssatz zukünftig entwickeln wird.

Tücken und Rückzahlungen

Bis Ende 2022 lag die Zinsrate der KfW-Studienkredite dank einer Sonderregelung bei 0 Prozent. Das bewog damals viele Studierende dazu, während der Finanzierungsschwierigkeiten in den Corona-Lockdowns einen solchen Kredit abzuschließen – und jetzt müssen sie die hohen Zinsen zahlen.

Foto: Unsplash/Cytonn Photography

Die zurückgezahlten Zinsen beinhalten noch nicht die Rückzahlungssumme. Den gesamten geliehenen Betrag müssen Studierende nach Beendigung ihres Studiums nach nur einer kurzen Karenzphase zurückzahlen. Wenn sie nach dem Studium aber noch ein Anerkennungsjahr oder ein Referendariat absolvieren, können sie die Schulden mit ihrem Gehalt vielleicht nicht decken. Womöglich finden sie nach dem Studium auch nicht direkt einen Job.

Das Problem mit dem KfW-Studienkredit

Das Studentenwerk Hannover berichtet von Studierenden, die im schlimmsten Fall in der Karenzphase bis 180 Euro allein an Zinsen monatlich zurückzahlen müssten. „Oftmals haben wir mit Studierenden zu tun, die 140 bis 160 Euro monatlich in der Karenzphase an Zinsen zahlen“, berichtet Tschepke. Um solche Summen decken zu können, verschulden sich manche von ihnen weiter, leihen sich etwas bei Freunden und Familie oder überziehen ihre Kreditkarte. Oder sie nehmen weitere Jobs auf, um ihr Studium finanzieren zu können. Dadurch verzögert sich bei vielen das Studium, im schlimmsten Fall bleibt sogar nur der Studienabbruch oder die Anmeldung der Privatinsolvenz.

Foto: Unsplash/rupixen.com

Mittlerweile hat die Politik diese Problematik auf der Agenda. So forderte die SPD bei einer Bundestagssitzung Anfang November die Rücknahme der Zinserhöhungen bei Studienkrediten. Außerdem kritisierte die Fraktion die fehlende Zinsbindung und forderte, die Bafög-Reform voranzutreiben. Die Unionsfraktion brachte im Dezember einen Antrag in den Bundestag ein und forderte darin Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) auf, „darauf hinzuwirken, dass für bestehende wie neue Verträge des KfW-Studienkredites eine feste Zinsbindung gilt wie bei jedem Immobilien- oder Autokredit üblich“.

Die KfW-Bank ist eine staatliche Bank. Somit könnte der Staat das Kreditfinanzierungsmodell angemessen regeln und mit Rücksicht auf die studentische Lebenssituation beispielsweise eine Zinsbindung einführen, kritisiert auch der Asta Hannover.

Beratungsangebote nutzen

Für Studierende in finanziellen Notsituationen empfiehlt es sich, Beratungsangebote zu nutzen. Die Studierendenwerke der jeweiligen Universitäten bieten individuelle Beratungsgespräche an. Auch beim Asta gibt es häufig Sprechstunden und Beratungsmöglichkeiten. Jede Situation ist anders, manchmal gibt es finanzielle Überbrückungshilfen der Unis selbst, manchmal ist Bafög oder Wohngeld eine Option.

Von Jennifer Kramer 


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Über den Autor/die Autorin:

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