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Plastikmüll im Meer: Recycling als Geschäftsmodell

Plastikmüll im Meer: Recycling als Geschäftsmodell
Foto: Unsplash/Brian Yurasits

Die Meere von Plastikmüll befreien – das schreiben sich viele Unternehmen auf die Fahne. Aber ist das wirklich nachhaltig oder lediglich ein profitables Geschäftsmodell? MADS guckt sich das zum Welttag der Ozeane am 8. Juni genauer an.


Ob Adidas oder H&M, 4Ocean oder Got Bag: Viele Firmen bringen Kollektionen oder Produkte aus Plastikmüll auf den Markt. Denn die Verschmutzung der Meere ist ein großes Problem für Natur, Tier und Mensch und den Plastikmüll aus dem Meeren zu entfernen ist nicht einfach. Die Unternehmen recyceln also das Plastik und schreiben sich damit ein grünes Image zu.

Ihr Versprechen ist, dass sie die Meere und das Land säubern und gleichzeitig weniger Plastik produzieren. Die Produkte sollen zudem das Bewusstsein für die Verunreinigung der Ozeane schärfen. Die Unternehmen werben damit, die Ozeane zu säubern – das ist aber nicht ganz korrekt.

Wo liegt das Problem?

Ein Konzern wie Adidas wirbt damit, Schuhe aus Ozeanplastik herzustellen. Am Strand gesammelte PET-Flaschen und Fischernetze werden genutzt, um das Obermaterial des „Parley“-Sneakers herzustellen. Got Bag hat ein ähnliches Prinzip und nutzt PET-Flaschen für die Fasern ihrer Rucksäcke. 4Ocean setzt auf den Verkauf von Armbändern mit Perlen aus recyceltem Plastik.

Die Schwierigkeit mit diesen Produkten ist, dass sie Strandgut verwenden und recyceln. Das ist an sich gut, aber löst es nicht das Problem mit den verschmutzen Ozeanen. Am Strand liegen ca. 15 Prozent des weltweiten Ertrages. 70 Prozent befinden sich laut der Deutschen Umwelthilfe im Meer selbst. Die Abfischung des Plastikmülls bis zum Meeresgrund ist unmöglich.

100 bis 142 Millionen Tonnen Plastikmüll in den Meeren

Laut dem Umweltbundesamt befinden sich weltweit 100 bis 142 Millionen Tonnen Plastikmüll in den Meeren. Diese Masse schwimmt zum Teil an der Meeresoberfläche oder wird an Strände angespült, doch das meiste dringt in tiefere Gewässer vor und sinkt bis zum Meeresgrund.

Platikmüll unterhalb der Wasseroberfläche zu entfernen, ist sehr schwierig. Foto: Unsplash/ Naja Bertolt Jensen

Wie nachhaltig sind die Projekte?

Müll aus dem Meer – und besonders vom Meeresgrund – zu fischen, ist mit enormer Anstrengung und hohen Kosten verbunden. An geborgenen Fangnetzen hängen unter anderem Schlick, Muscheln und Algen, die entfernt werden müssen. Auch PET-Flaschen müssen erst gereinigt werden, bevor sie weiterverarbeitet werden können. Die Aufarbeitung für verwendbare Textilfasern entsteht bei „Econyl“ unter Energie-und Chemieaufwand. Auf der Webseite von Got Bag ist zu verfolgen, wie das Meeresplastik von Indonesien über China nach Deutschland kommt. Der Transport per Schiff und die Aufarbeitung von Materialien verschmutzt die Umwelt.

Dennoch trägt auch der Kauf der Produkte einen Teil zum Kampf gegen Verschmutzung bei. Schließlich gelangt viel Müll über die Strände ins Meer. Um die Plastikflut zu stoppen, müssen aber nicht zwangsläufig neue Produkte hergestellt werden. Denn können aus recycelten Sneakern oder Rücksäcken keine PET-Flasche mehr hergestellt werden. Upcycling ist nicht die einzige Lösung des Problems.

Was wird gegen Plastikmüll unternommen?

Die UN will mit einem Beschluss Plastikmüll beseitigen, so berichtet es die ZEIT. Es soll ein rechtlich bindendes Abkommen zur Eindämmung des Plastikmüllproblems geben. Dafür stimmten 60 Staaten, darunter die gesamte EU. Bis Ende 2024 sollen Vereinbarungen getroffen werden. Es gibt also auch auf politischer Seite Zuspruch für die Befreiung von Plastikmüll in der Umwelt.

Daneben setzen sich gemeinnützige Organisationen gegen Vermüllung ein. Der Verein „One Earth One Ocean“ aus München hat mit drei Schiffen nach eigenen Worten eine „maritime Müllabfuhr“ gegründet, die Müll aus Gewässern sammelt und sortiert. „Ocean Cleanup“ist eine Organisation, die ebenfalls Schiffe besitzt, mit Hilfe derer Müll auf und unterhalb der Wasseroberfläche eingesammelt werden kann.

Eine andere Idee verfolgt der Umweltverband Nabu mit seinem Projekt „Fishing for Litter“: Fischer sollen Flaschen, Tüten, Verschlusskappen und weiteren Plastikmüll, der sich beim Fischen in ihren Netzen verfängt, einsammeln. Im Hafen können sie ihn dann umsonst abgeben – für gewöhnlich müssen sie für Müllentsorgung Geld bezahlen. Der Müll wird dann sortiert und, wenn möglich, recycelt.

von Cara Kreth



Über den Autor/die Autorin:

MADS-Team

Unter diesem Namen sammeln wir Beiträge von Gastautorinnen und -autoren, Autorenkollektiven oder freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bei MADS. Die Namen des jeweiligen Autors oder der jeweiligen Autorin stehen unter dem einzelnen Beitrag.

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