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„mainstream sellout“ von Machine Gun Kelly: Unausgeschöpftes Potenzial

„mainstream sellout“ von Machine Gun Kelly: Unausgeschöpftes Potenzial
Foto: Meeno/Chuff Media

Machine Gun Kelly bleibt mit seinem neuen Album „mainstream sellout“ im Pop-Punk. An seinen vorherigen Erfolg anknüpfen kann der ehemalige Rapper damit aber nicht, meint MADS-Autorin Annika.


Vollständige Genrewechsel sind unter Musikern selten – Rapper Machine Gun Kelly entschied sich vor ein paar Jahren trotzdem für den Pop-Punk und erfährt seither mehr Erfolg als zuvor. „mainstream sellout“ ist das insgesamt sechste Studioalbum des Musikers, jedoch erst sein zweites im neuen Genre. 16 Songs legt er auf dem neuen Album vor – und kann damit nicht so richtig überzeugen.

Machine Gun Kelly: Viele Features, wenig Inhalt

Sieben Songs weisen Features auf. Von Metalcore-Band Bring Me The Horizon zu Rapper Lil Wayne ist alles dabei, und der Rundumschlag gelingt in jeweils für sich eingängigen Songs. Trotzdem ist es schade, dass Machine Gun Kelly sich auf „mainstream sellout“ verhältnismäßig selten allein zeigt. Zumal die Feature-Gäste seine Parts dabei nicht hervorheben, sondern eher in den Schatten stellen.

Am deutlichsten zeigt sich das bei „emo girl“: Sängerin Willow hat in diesem Song den textlich wie stimmlich stärkeren Part. Viel Text hat der Song ohnehin nicht. Klar sind die neuen Songs durch den Gesangsstil und das Genre allesamt langsamer als Machine Gun Kellys frühere Rapsongs, doch er scheint vor allem auf „emo girl“ zu unterschlagen, dass er Texte mit mehr als nur ein paar Zeilen schreiben kann. Würde er die aktuellen Songs rappen, wären diese noch kürzer, als sie ohnehin schon sind – im Schnitt nur enttäuschende zweieinhalb Minuten lang.

Erste Single bleibt stärkster Song

Im Kontrast dazu steht „papercuts“. Der Song erschien bereits im Sommer 2021 als erste Single, für das Album jedoch wurde ihm eine gerappte Strophe hinzugefügt. Die zeigt nun eben ein bisschen vom „alten“ Machine Gun Kelly. Es wirkt, als würde er sich selbst featuren – die Verbindung seines alten und neuen Stils macht den Song zum Höhepunkt des Albums. Ebenfalls positiv fällt der Titelsong „mainstream sellout“ auf. Darin geht er auf die Kritik ein, die sein Genrewechsel und der damit einhergegangene wachsende Erfolg mit sich brachten. Von Fans des Pop-Punk-Genres wurde dem ehemaligen Rapper vorgeworfen, „ihr“ Genre in den Mainstream zu ziehen und es damit zu verderben. „Leave the scene, you’re ruining it“ zitiert Machine Gun Kelly im Refrain, und das spöttische Selbstbewusstsein macht sich gut. Schön ist außerdem, dass der erste und letzte Song – „born with horns“ und „twin flame“ – sich in ihrem Lyrics ähneln. Damit wirkt das Album als Konzept rund.

Pop-Punk-Szene ohne Alleinstellungsmerkmale

Machine Gun Kelly ist ein Solokünstler. Doch „mainstream sellout“ klingt, als stünde eine ganze Gruppe dahinter. Beeindruckend, einerseits. Andererseits täte ihm der Fokus auf das Solokünstler-Dasein womöglich gut. Warum? Dazu muss man etwas ausholen: Wie beim Vorgänger-Album „Tickets to My Downfall“ auch schon ist eine instrumentale Konstante auf dem Album Schlagzeuger Travis Barker. Den kennt man vor allem als Mitglied von blink-182, allerdings ist er, seit das Genre sein Revival erfährt, auch zusammen mit allen anderen großen Pop-Punk-Acts zu hören. Machine Gun Kelly war der erste, der ihn durchgehend nutzte, es folgten Kollaborationen mit Willow und Avril Lavigne – welche ebenfalls schon miteinander und jeweils mit Machine Gun Kelly zusammengearbeitet haben. Das ist jeweils nett anzuhören, aber es entsteht eben auch der Eindruck, dass sich das Genre im Kreis dreht. Neben den immergleichen Gesangsstimmen ist auch die Hintergrundmusik für den immergleichen Klang verantwortlich.

Pop-Punk als solches ist musikalisch nicht das virtuoseste Genre, doch Barkers unverwechselbarer Stil trug in den 90ern dazu bei, dass sich blink-182 abheben konnten. Wenn nun jeder im Genre ihn als Drummer nutzt, geht das Alleinstellungsmerkmal verloren. Was bei „Tickets to My Downfall“ noch gut funktioniert hat, weil es die erste größere Pop-Punk-Veröffentlichung seit einigen Jahren war und zusätzlich Machine Gun Kellys Genrewechsel bestätigte, ist zwei Jahre später bei „mainstream sellout“ überbeansprucht.

„mainstream sellout“: Potenzial nicht ausgeschöpft

Auch wenn das neue Album also für sich gesehen in Ordnung ist, wirkt es im Kontext nicht so richtig. Es erscheint eher wie eine Wiederholung des vergangenen Erfolgs ohne wirklichen Mehrwert. Zwar bietet „mainstream sellout“ ein paar Glanzpunkte, sein gesamtes Potenzial schöpft Machine Gun Kelly jedoch nicht aus.


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Über den Autor/die Autorin:

Annika Eichstädt

Annika (24) macht ihren Master in Neuerer Deutscher Literaturwissenschaft. Das ist zwar brotlose Kunst, aber sie liest oder schreibt nun einmal den ganzen Tag. Bei MADS rezensiert sie am liebsten Musik oder Serien.

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