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Johnny Depp vs. Amber Heard: Was ist nur auf Social Media los?

Johnny Depp vs. Amber Heard: Was ist nur auf Social Media los?
Foto: Jim Lo Scalzo/Pool Photo via AP

Im Verleumdungsprozess zwischen Johnny Depp und Amber Heard sind viele überzeugt: Heard ist die manipulative Männerschlägerin, Depp das wehrlose Opfer. Die Reaktionen in den sozialen Medien sind erschreckend, kommentiert MADS-Autorin Melina.


Triggerwarnung: Im folgenden Text wird ein sexueller Übergriff beschrieben.

„Er griff meine Brüste, fasste meine Schenkel an, er riss mir die Unterwäsche runter.“ Mit diesen Worten beschreibt Amber Heard ihren Ex-Mann Johnny Depp, dem sie sexuelle Gewalt vorwirft. Es hat nicht lange gedauert, bis diese Aussage zum Tiktok-Sound wurde. Doch statt über sexuellen Missbrauch zu sprechen, fragen Frauen, was denn so falsch am beschriebenen Verhalten sei. Es ist nur eins von vielen Beispielen für die unerträgliche Menge an Spott gegen Amber Heard, die derzeit auf den sozialen Medien zu finden ist. Der Trend belegt ein gefährliches Schwarz-Weiß-Denken.

Selten hat ein Gerichtsprozess eine solche mediale Aufmerksamkeit erregt wie der Fall Johnny Depp vs. Amber Heard. Auf Youtube und Tiktok wird die Verhandlung aus Fairfax, Virginia regelmäßig gestreamt. Für die meisten Nutzerinnen und Nutzer scheint die Täterin schon festzustehen. Aus unzähligen Beiträgen und Kommentaren auf Instagram, Twitter und Tiktok wird die öffentlich verbreitete Meinung deutlich: Heard habe Depps Karriere und Leben zerstört. Jetzt soll dieser Gerechtigkeit erfahren – passend dazu der Hashtag #JusticeForJohnnyDepp.

Johnny Depp und Amber Heard: Was ist passiert?

Johnny Depp und die 22-Jahre jüngere Amber Heard waren nur kurz verheiratet. Im Jahr 2016 reichte Heard nach 15 Monaten Ehe die Scheidung ein. Sie erwirkte eine einstweilige Verfügung gegen Depp und behauptete, er habe sie unter Drogen- und Alkoholeinfluss missbraucht. Depp bestritt die Vorwürfe, im August 2016 wurde eine außergerichtliche Einigung über 7 Millionen Dollar erzielt.

2019 verklagte der „Fluch der Karibik“-Darsteller wiederum seine Ex-Frau wegen Verleumdung, weil sie in einem Meinungsartikel in der „Washington Post“ über sexuelle Gewalt geschrieben hatte, ohne jedoch Depps Namen zu nennen. Er fordert 50 Millionen Dollar Schadenersatz von ihr. Heard fordert nun in einer Gegenklage ihrerseits 100 Millionen Dollar Schadensersatz, weil Depp eine Verleumdungskampagne gegen sie gestartet habe.

Diese Schlammschlacht zweier superreicher Prominenter, die sich gegenseitig Gewalt und allerlei andere schreckliche Dinge vorwerfen, ist sicher nicht schön. Besonders besorgniserregend ist aber nicht der Prozess an sich, sondern der Umgang damit in den sozialen Medien.

Unterkomplexes Schwarz-Weiß-Denken

Ein ähnliches Phänomen ließ sich schon bei der Oscar-Verleihung im März beobachten. Will Smith schlug Comedian und Laudator Chris Rock ins Gesicht, weil dieser über die Krankheit von Smiths Ehefrau Jada Pinkett Smith gewitzelt hat. Die Ohrfeige ging nicht nur in die Oscar-Geschichte ein, sondern auch viral in den sozialen Medien. Sofort bildeten sich zwei Lager: Smith hätte Rock töten können, meinten die einen; die anderen sahen dagegen in jeder Kritik an Smith Rassismus. Eine Mitte, die weder Witze über Erkrankungen noch Ohrfeigen für angebracht hält, konnte sich zumindest in den sozialen Netzwerken kein Gehör verschaffen.

Dieses unterkomplexe Schwarz-Weiß-Denken zeigt sich nun auch im Fall Depp vs. Heard. Und das kann gerade auf Tiktok gefährlich werden – einer Plattform, die vor allem Kinder und Jugendliche erreicht. Auch losgelöst von Depp und Heard (über deren Schuld oder Unschuld letztlich ein Gericht entscheiden muss) gibt das Johnny-Depp-Lager kein gutes Bild ab. Denn wer den Vorwurf sexueller Gewalt und auch die potenziellen psychischen Probleme einer Frau derart verspottet, verhöhnt damit auch andere Missbrauchsopfer und psychisch Erkrankte.

Von Melina Wall


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Über den Autor/die Autorin:

MADS-Team

Unter diesem Namen sammeln wir Beiträge von Gastautorinnen und -autoren, Autorenkollektiven oder freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bei MADS. Die Namen des jeweiligen Autors oder der jeweiligen Autorin stehen unter dem einzelnen Beitrag.

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