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Kommentar: Debatte über trans Sportlerin Lia Thomas ist gefährlich

Kommentar: Debatte über trans Sportlerin Lia Thomas ist gefährlich
Foto: AP Photo/John Bazemore

Haben trans Frauen im Leistungssport einen unfairen Vorteil? Angefacht durch die Erfolge der trans Schwimmerin Lia Thomas kocht diese Diskussion derzeit wieder hoch. Eine gefährliche Debatte für die LGBTQIA+-Community, meint MADS-Autor Jeffrey.


Die US-amerikanische Schwimmerin Lia Thomas hat bei den nationalen College-Meisterschaften den ersten Platz über 500 Yards Freistil gewonnen. Eine Meldung, die außerhalb ihrer Interessensgruppe wohl kaum Aufsehen erregen würde. Wäre da nicht eine Besonderheit: Lia Thomas ist eine trans Frau. 2019 startete sie eine Hormontherapie, mittlerweile nimmt sie in der Frauen-Kategorie teil und hat bereits mehrere College-Rekorde gebrochen. Nun holte sie als erste Transgender-Athletin einen Titel in der höchsten Liga der National Collegiate Athletic Association.

Sind die Regeln nicht fair?

Nicht alle freuen sich mit der Sportlerin. Eine der berühmtesten Kritikerinnen ist Caitlyn Jenner, selbst trans Frau, die vor ihrer Transition als Mann bei den Olympischen Spielen 1976 Gold im Zehnkampf gewann. In einem Interview mit „Fox News“ Interviews sagte Jenner, dass Lia Thomas zwar nach den Regeln gehandelt habe, diese Regeln aber nicht fair seien. Auch die Teamkolleginnen und Konkurrentinnen fühlen sich benachteiligt. So feierten die Zweit-, Dritt- und Viertplatzierte bei der Siegerehrung der College-Meisterschaften ihren Erfolg demonstrativ entfernt von Lia Thomas.

Eine Studie von Joanna Harper von der Loughborough University ergab, dass durch eine drei Jahre lange Hormonbehandlung die körperliche Leistungsfähigkeit der trans Frauen zwar verringert wird, die Kraft und Muskelmasse aber weiterhin höher ist als die von cis Frauen. Die Studie betrachtete aber die Normalbevölkerung und nicht spezifisch Sporttreibende. Es bedarf also weiterer Studien, um herauszufinden, ob trans Sportlerinnen einen Leistungsvorteil haben.

Kontraproduktiv – auch für den Breitensport

Unabhängig davon sendet diese Diskussion ein gefährliches Zeichen. Vor allem trans Menschen, aber auch andere Mitglieder der LGBTQIA+-Community erfahren immer noch Diskriminierung im Sport – sowohl im Leistungsbereich als auch im Breitensport. Das zeigt eine Studie der Deutschen Sporthochschule Köln. Die Betroffenen fühlen sich von bestimmten Sportarten wie Fußball und Schwimmen ausgeschlossen. Darüber hinaus zeigt ein Blick in die Twitter-Debatte, wie viele Menschen die Frage nach Fairness im Sport für transfeindliche Beleidigungen nutzen. Und damit ist auch den unterlegenen Konkurrentinnen von Lia Thomas sicher nicht geholten.


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Über den Autor/die Autorin:

Jeffrey Ji-Peng Li

Jeffrey (21) studiert Medizin, obwohl er noch nie Grey‘s Anatomy geschaut hat. Trotzdem schreibt er gerne über Filme und Serien, aber auch über den Uni-Alltag und was ihn sonst beschäftigt.

1 Kommentar

  1. SandRa

    Sorry, aber cis Frauen können nicht einfach wortlos Benachteiligungen hinnehmen, nur um der Community unangenehme Diskussionen zu ersparen. Es gibt Dinge, die müssen geklärt werden und da muss auch drüber gesprochen werden. Hier geht’s ja nicht darum, wer auf welches Klo geht oder ob man auch ohne offizielle Namensänderung im Bundestag auf einem Frauenplatz sitzen kann.
    Hier geht es um Frauen (ja, auch cis Frauen zählen!), die von frühester Kindheit an hart trainieren. Deren Karrieren (teilweise hängen da in den USA auch Stipendien dran) kann man nicht einfach opfern, nur weil die Debate unangenehm ist.

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