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„Dirty Lines“: Darum geht es in der neuen Netflix-Serie

„Dirty Lines“: Darum geht es in der neuen Netflix-Serie
Foto: Mark De Blok/Netflix

Eine Telefonsexhotline in den 80er-Jahren ist der Schauplatz der niederländischen Netflix-Serie „Dirty Lines“. Mit kreativen filmischen Mitteln thematisiert die Serie unter anderem den offenen Umgang mit Sex.


Die niederländische Hauptstadt Amsterdam hat neben ihrer hübschen Innenstadt vor allem einen Ruf für zwei Dinge: Drogen und Rotlichtviertel. Dem Bild der sexpositiven Stadt widmet sich die neue Netflix-Serie „Dirty Lines“. Diese erzählt, basierend auf einer wahren Geschichte, von der ersten Telefonsexhotline in Europa, verpackt in das Setting des aufstrebenden Amsterdams der 1980er-Jahre.

Unternehmensführung im schrägen Kontext

Im Zentrum der niederländischen Produktion steht das fiktive Unternehmen Teledutch. Zwei Brüder führen die Geschäfte: Frank (Minne Koole), der zwar ehrgeizig und extrovertiert, aber häufig zu unfokussiert ist, und der ruhige Technikexperte Ramon (Chris Peters). Da sie zum ersten Mal richtig zusammenarbeiten und Franks Ideen in der Vergangenheit eher schiefgingen, sind beide überrascht, als Teledutch zum Erfolg wird.

Außerdem dabei ist Psychologiestudentin Marly (Joy Delima). Ursprünglich geriet sie aus Geldnot an die Hotline, nachdem ihre Freundin sie dorthin verwies. Genau da bricht „Dirty Lines“ auch schon mit den ersten Erwartungen: Obwohl dieser Nebenjob die Einleitung in die Serie bildet, wird Marly bei Teledutch nicht als Telefonsexarbeiterin eingestellt. Als das Unternehmen in den späteren Folgen wächst und auch mehr Konkurrenz auf den Markt drängt, ist schließlich Kreativität der Hauptfiguren gefragt.

Sexuelle Offenheit in „Dirty Lines“

Das Thema sexuelle Offenheit bleibt in „Dirty Lines“ ein ständiges Oberthema. Das gelingt auch ohne unzählige Sexszenen. Dabei geht die Serie sensibel mit unterschiedlichen Vorlieben oder gar Scham um. Vor allem Marlys psychologische Herangehensweise ist interessant, ebenso wie der Kontrast zwischen ihrer Unerfahrenheit und der Unbeschwertheit ihrer besten Freundin. Keine Seite wird verurteilt – eher werden die Stärken der unterschiedlichen Figuren hervorgehoben. „Dirty Lines“ spielt außerdem bewusst mit Klischees des Dramedy-Genres und wirkt dennoch nicht wie eine Kopie anderer Serien.

Authentisches Setting, kreative Stilmittel

Das 80er-Jahre-Setting nutzt „Dirty Lines“ anders als andere Serien. Wo beispielsweise „Stranger Things“ auf eine Atmosphäre mit knalligen Farben setzt, ist „Dirty Lines“ in braun gehalten, Hauptfigur Frank trägt einen Schnauzer, und ständig wird in Innenräumen geraucht. Das sorgt für eine authentische Atmosphäre, zusätzlich unterstützt durch alte Aufnahmen, die hin und wieder eingeblendet werden.

Ein weiteres Merkmal ist das Selbstbewusstsein der Serie. Marly kommentiert die Serie humorvoll aus dem Off, und das rückblickend von einem Standpunkt, an dem ihr anders als in der Handlung selbst neue Technik bekannt ist. Dabei durchbricht sie außerdem die vierte Wand – ein bekanntes Stilmittel, was hier dennoch angemessen wirkt.

Insgesamt ist „Dirty Lines“ erfrischend schräg. Die erste Staffel hat sechs Folgen, die jeweils 45 Minuten dauern und auf Netflix auch auf Deutsch verfügbar sind.


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Über den Autor/die Autorin:

Annika Eichstädt

Annika (23) macht ihren Master in Neuerer Deutscher Literaturwissenschaft. Das ist zwar brotlose Kunst, aber sie liest oder schreibt nun einmal den ganzen Tag. Bei MADS rezensiert sie am liebsten Musik oder Serien.

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