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Corona-Logbuch: „Ich fühle mich wie in einem Film“

Corona-Logbuch: „Ich fühle mich wie in einem Film“
Foto: Joesfine Vollmer / Privat

Mit einem Infostand in der Schule wollte Josi (15) gemeinsam mit ihren Mitschülern über das Coronavirus aufklären – Erfolg hatte sie damit nicht. Die Situation kommt ihr derzeit unwirklich vor, fast als wäre sie in einem Film gefangen.


Am Anfang war das Virus noch weit weg – räumlich und thematisch. China schien mir viel zu weit entfernt zu sein, als dass das Virus sich auch auf mein Leben auswirken könnte. Doch damit lag ich falsch. Plötzlich war Corona da: Supermärkte wurden leer gekauft, große Plätze gemieden. Ob morgens im Radio oder abends in den Nachrichten, es gab kein anderes Thema mehr. Auch in meiner Schule breitete sich langsam Panik aus. Ein paar meiner Mitschüler und mir fiel auf: Niemand informierte sich wirklich ernsthaft und wenn doch, stammten die Informationen aus Social Media.

Skifreizeit zum Fürchten

Während sich die Angst an unserer Schule hochschaukelte, waren viele meiner Freunde auf Skifreizeit in Italien. Als sie zurückkehrten, hatte sich einiges verändert. Statt sie freundlich zu begrüßen, mieden die anderen Schüler sie. Viele hatten Angst, sie hätten das Coronavirus, da manche von ihnen husteten. Doch der Corona-Test ergab: Negativ. Es war erschreckend zu sehen, dass einige nicht glauben wollten, dass es weiterhin auch harmlose Erkältungen gibt. Immerhin ist Husten allein noch lange kein eindeutiges Anzeichen für das Coronavirus.

Corona: Zwischen Ignoranz und Panik

Mit einigen Freunden wollte ich deshalb für Klarheit sorgen. Dafür wollten wir den „Tag der offenen Tür“ unserer Schule nutzen. Also planten wir einen Infostand zum Thema COVID-19 und allgemein zum Thema Viren. Wir bastelten Plakate und suchten seriöse Informationen heraus. Unser Ziel war es, unseren Mitschülern die Panik etwas zu nehmen. Doch als die Schule öffnete, kam fast niemand. Weder zu unserem Stand, noch zum „Tag der offenen Tür“. Die wenigen Besucher liefen an unserem Raum meist einfach vorbei. Und die Leute, die sich unseren Stand ansahen, hatten bereits eine vorgefertigte Meinung. Sie handelten nach dem Motto „Was ich nicht weiß, kann mir nichts anhaben“ und wollten keine Fakten an sich heranlassen. Nur wenige wollten etwas über COVID-19 lernen. Diese Enttäuschung ist nun einen Monat her. Seitdem überschlugen sich die Ereignisse. Spätestens jetzt muss sich jeder mit dem Coronavirus auseinandersetzen.

Wie in einem Film

Vor ein paar Wochen war alles noch einigermaßen normal. Ich ging zur Schule, konnte mich mit Freunden treffen und normal einkaufen. Das ist jetzt vorbei. Viele haben ihre Jobs verloren, Urlaube wurden gestrichen und Familienfeiern fallen aus. Den Schulstoff bearbeite ich nun alleine – eine ziemliche Umstellung. Für mich fühlt sich die Situation an, als wäre ich in einem Film gefangen. Denn Themen wie Quarantäne und Zwei-Meter-Abstand kannte ich bisher immer nur aus dem Fernsehen oder aus Büchern. Jetzt ist es Realität und das finde ich ziemlich erschreckend.

Von Josefine Vollmer

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