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Corona-Krise: Hört auf, die Pandemie zu romantisieren

Corona-Krise: Hört auf, die Pandemie zu romantisieren
Foto: Rex Pickar

Die Vorzüge der Corona-Pandemie zu betonen, während Menschen sterben, ist respektlos und höhnisch, findet MADS-Autorin Nina. Ein Kommentar.


Endlich mal die Ruhe genießen, zu sich selbst finden, eventuell den Kleiderschrank ausmisten und dieses eine Buch lesen, das schon ewig auf dem Nachttisch liegt. Achja, so eine Isolation hat seine Vorteile – zumindest für die Menschen, die derzeit nicht zusammengepfercht in überfüllten Krankenhäusern liegen. Denn ein Blick in die Statistiken zeigt: Zahlreiche Menschen haben weltweit unter der Coronakrise zu leiden. Und Leid meint damit eben nicht nur, dass sie ein paar Tage Zwangsurlaub oder -ferien in den eigenen vier Wänden verbringen müssen – ausgestattet mit etlichen Konsumgütern zur Ablenkung. Leid meint in dem Fall: die Angst zu sterben, die Angst geliebte Menschen an den Virus zu verlieren oder um den Job fürchten zu müssen. Denn unabhängig von den Gefahren durch das Virus selbst müssen viele Menschen durch die wirtschaftlichen Folgen um ihre Existenz fürchten.

Autorin Nina Hoffmann (24)

„Nicht jeder Mensch hat das Privileg, auf dem Tablet die Schulaufgaben zu erledigen“

Keine Frage, Tipps zu geben, um während der Isolation nicht in Depressionen oder Trauer zu verfallen, ist definitiv eine gute Sache. Genauso Vorschläge zu teilen, wie die Zeit genutzt werden kann, ohne nur trübsalblasend aus dem Fenster zu starren. Denn gerade die psychische Gesundheit ist in Zeiten der Isolation wichtig. Doch dabei dürfen zwei zentrale Dinge nicht vergessen werden: Erstens besitzt nicht jeder Mensch in Isolation das Privileg, sich in einer geräumigen Behausung mit Yoga-Matte und Home-Workout-DVD auf dem Plasmabildschirm, die Zeit vertreiben zu können – oder auf dem Tablet oder Laptop die Schulaufgabe von zu Hause zu erledigen. Gerade Schüler und Schülerinnen, deren Eltern eben kein hohes Einkommen haben oder durch die Einschränkungen ihren Job verloren haben, haben eben nur deutlich weniger Möglichkeiten, sich zuhause abzulenken. Und zweitens: Beiträge unter dem Titel „Was wir aus der Coronakrise lernen“, die alleine darauf abzielen, dass wir unseren Alltag mal etwas entschleunigen sollten, bleiben vor allem eins: höhnisch. Höhnisch den Menschen gegenüber, die derzeit um ihr Leben kämpfen oder in Krankenhäusern schuften, um Leben zu retten.

Auf Twitter melden sich deshalb immer mehr Menschen zu Wort, die von der Isolations-Euphorie genervt sind. Kathrin Weßling findet klare Worte:

Auch Menschen, die selbst um ihr Leben fürchten, weil sie etwa zur Risikogruppe zählen, melden sich auf Social Media zu Wort. Unter ihnen Rollstuhlfahrerin Autorin Laura Gehlhaar:

Die Effekte der Corona-Pandemie auf unser gesellschaftliches Miteinander, werden sich erst zeigen, sobald es wieder ein gesellschaftliches Miteinander gibt. Bis dahin sollten wir die Pandemie nicht romantisieren. Denn auch mit ein paar Yoga-Übungen, Büchern über Selbstfindung und mehr Ruhe bleibt die Pandemie eben eine gesamtgesellschaftliche Krise. Das bedeutet nicht, dass gute Laune oder Ablenkung bis dahin verboten sind. Die Frage ist aber, wie wir öffentlich über die Auswirkungen sprechen und dabei sollte vor allem eins im Fokus liegen: Rücksicht auf die Menschen, deren größte Sorge derzeit eben nicht die Langeweile ist.

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Über den Autor/die Autorin:

Nina Hoffmann

Nina (23) studiert Soziologie und kennt somit alle Sprüche über eine Karriere als Taxifahrerin. Statt an ihren Fahrkünsten zu feilen, liest sie lieber Texte über Gender-Fragen und Emanzipation - oder noch besser: Die dazugehörigen Kommentare der Facebook-Nutzer/innen.

1 Kommentar

  1. Avatar

    Ich find den Kommentar ziemlich geschmacklos und abwertend gegenüber den Vielen., die unter der Isolation stark leiden, psychische Probleme und Suizidgedanken haben und versuchen , sich abzulenken und aufzumuntern !
    Solche Lästerkommentare sind da völlig fehl am Platz !

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