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Abitur nachholen: So ist der Schulabschluss auf dem Erwachsenen-Gymnasium

Abitur nachholen: So ist der Schulabschluss auf dem Erwachsenen-Gymnasium
Foto: Steven, Kasper und Laura (v.l.n.r.) haben ihr Abi geschafft. Quelle: Regina Seibel.

Das Abitur nachholen: Laura (23), Kasper (23) und Steven (27) haben es dieses Jahr geschafft – in Klassen mit Schülern von 19 bis 40 Jahren. Warum sie ihr Abitur mit Mitte 20 gemacht haben und wie sie die Zeit auf dem Erwachsenen-Gymnasium erlebten, haben sie MADS-Autorin Regina berichtet.


Die Zeugnisübergabe haben sich das Kollegium und die Schüler am Hannover Kolleg anders vorgestellt. Die Stühle in der Aula stehen mit eineinhalb Meter Abstand zueinander, die Fenster sind weit geöffnet und auch Familie und Freunde dürfen in diesem Jahr nicht dabei sein. Trotzdem sind die Abiturienten Laura (23), Kasper (23) und Steven (27) froh, dass sie jetzt ihr Zeugnis in der Hand halten. „Gerade mit den Prüfungen gab es wegen Corona ein großes Hin und Her. Wir wussten nicht, wann es endlich losgeht“, erinnert sich Steven. Und Kasper spricht für alle drei, als er sagt: „Lieber so, als ein Jahr später.“

Bei der Zeugnisübergabe hält der Schulleiter Udo Menski eine Rede. Quelle: Ute Schröder.

Zum Abi auf Umwegen

Die drei Abiturienten haben unterschiedliche Lebenswege hinter sich. Während Laura nach ihrem Realschulabschluss eine Ausbildung zur Bankkauffrau angefangen hat, weil sie unbedingt Geld verdienen und unabhängig sein wollte, hat Steven seine Ausbildung zum Fachinformatiker begonnen. Die Ausbildung habe er zwar spannend gefunden, trotzdem brach er sie nach einem Jahr ab. „Ich konnte dabei so wenig mit Menschen arbeiten – und eigentlich wollte ich eh Physik- und Mathelehrer werden.“ Laura schloss ihre Ausbildung ab und arbeitete zwei Monate, bis sie feststellte, dass ihr die Schule fehlte: „Mir war langweilig.“

Kasper hatte nie geplant, sein Abi nicht zu machen. Krankheitsbedingt musste er das berufliche Gymnasium dann doch verlassen. „Ich habe dann ein FSJ in einer Klinik gemacht und habe überlegt, eine Ausbildung zum Krankenpfleger anzufangen. Meine Mutter arbeitet aber in der Pflege und hat mir davon abgeraten. Nicht weil der Beruf keinen Spaß macht – die Bezahlung und die Arbeitszeiten sind einfach zu schlecht.“ Nun will der 23-Jährige Sonderpädagogik studieren, da er damit bessere Perspektiven habe.

Abitur nachholen mit Mitte 20: „Die Schüler sind viel motivierter“

So unterschiedlich die drei Abiturienten sind, so ähnlich haben sie die drei Jahre am Erwachsenen-Gymnasium erlebt. „Natürlich war es erstmal komisch, wieder jeden Tag für sechs bis acht Stunden in die Schule zu gehen. Aber die Lehrer waren sich dessen bewusst, wir wurden gut wiedereingeführt. Es gab auch Patenschaften: Schüler aus der Oberstufe haben jeweils einen Schüler in der Einführungsphase unterstützt und Fragen beantwortet. Insgesamt haben sich alle Schüler immer gegenseitig geholfen“, erklärt Kasper. Eine Sache ist ihm noch besonders wichtig: „Am Erwachsenen-Gymnasium kann jeder Schüler-BAföG beantragen. So bleibt man unabhängig.“

Dadurch, dass alle mit einem bestimmten Ziel im Unterricht sitzen würden, sei auch die Motivation eine ganz andere, berichten die Abiturienten. Die Schüler hätten nicht nur mehr Spaß an der Schule, sie würden auch ihre bisherigen (beruflichen) Erfahrungen miteinbringen. Das bringe mehrere Vorteile, wie Laura erzählt: „Wegen meiner Ausbildung habe ich für meine Mitschüler immer die Bankangelegenheiten geregelt. Steven war der Mann für die Technik. Wir hatten auch eine gelernte Frisörin an der Schule, die uns die Haare geschnitten hat.“ Steven ergänzt: „Man merkt halt, dass alle erwachsen sind. Mobbing und Ausgrenzung kamen praktisch nicht vor.“

Abitur nachholen auch während Corona

Bei all den positiven Aspekten, die die drei aufzählen: Die Zeit vor den Abi-Prüfungen war nicht einfach. Auch am Kolleg fielen die letzten zwei Wochen Unterricht coronabedingt aus. „Die Motivation zum Lernen war danach einfach nicht da“, so Laura. „Normalerweise motivieren wir uns immer gegenseitig. Wir haben Lerngruppen gebildet oder waren in der Bibliothek. Das ging jetzt natürlich nicht mehr“, sagt Kasper.

Mit weiteren zwanzig Schülern am Hannover-Kolleg haben sie es nun aber ihre allgemeine Hochschulreife erreicht. Für Laura und Steven soll es kein endgültiger Abschied sein. Beide wollen nach ihrem Studium Lehrer werden – in der Erwachsenenbildung, vielleicht sogar am Kolleg. Dazu sagt Steven: „Hier waren sogar die Toiletten sauber.“

Von Regina Seibel

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