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So können Terroristen auf Spielplattformen kommunizieren

So können Terroristen auf Spielplattformen kommunizieren
Foto: Unsplash.com/@axville

Gilles de Kerchove, der EU-Koordinator für die Terrorismusbekämpfung, sieht in Gamingdiensten wie Steam, dem Epic Games Store, Playstation Network oder Xbox Live eine große Gefahr. Ihr Format könnte Terroristen und Extremisten als Kommunikationskanal dienen – die Spielplattformen sollten daher stärker überwacht werden, findet de Kerchove.


Auf 20 Seiten hat Gilles de Kerchove, der EU-Koordinator für die Terrorismusbekämpfung, zusammgefasst, warum Spielplattformen wie Steam, dem Epic Games Store, Playstation Network oder Xbox Live stärker überwacht werden sollten. „Ihre Plattformen könnten von Terroristen und Extremisten als Rekrutierungsort genutzt werden, ihnen zur Kommunikation dienen und Geldwäsche ermöglichen, heißt es seiner Analyse, die Zeit Online vorliegt. Seine Argumentation dafür: der hohe Grad an Anonymität auf den Plattformen und die wachsende Bedeutung von Gamingdiensten.

Terroristen können neue Kontakte knüpfen

„Spielplattformen werden nicht in der gleichen Weise überwacht, wie die großen sozialen Netzwerke wie Facebook oder wie Kryptowährungen. Infolgedessen agieren sie in einer Art Vakuum und sind daher dem Risiko ausgesetzt, von Terroristen und anderen Kriminellen missbraucht zu werden“, meint de Kerchove. Die Plattform „Steam“ würden laut dem Experten derzeit etwa 95 Millionen Menschen monatlich nutzen – und sie sei dabei „noch weitgehend unüberwacht“. Daher sei das Portal bei rechten Extremisten sehr beliebt. Verschiedene Gruppen würden dort „rechtsextreme, antisemitische, homophobe und andere hasserfüllte Inhalte verherrlichen“. Gleichzeitig würden die meisten Dienste ihren Nutzern „einen hohen Grad an Anonymität bieten“. So könnten Spieler anonym miteinander kommunizieren und Gruppen bilden. Beides würde es Radikalen und Terroristen leicht machen, neue Kontakte zu knüpfen. 

Anonymität nur bedingt gegeben

Unsplash.com/@marvelous

Belege dafür gibt es bereits: 2015 wurde ein 14-jähriger Österreicher verurteilt, weil er sich Bombenpläne des IS heruntergeladen hatte – die entsprechenden Daten wurden auf seiner PS4-Konsole gefunden. Auch David Sonboly – der rechtsradikale Attentäter von München, der 2016 das Attentat auf das Olympia-Zentrum verübte – war laut der Zeit zuvor auf Steam in Gruppen aktiv, die rechtsextreme und antimuslimische Inhalte teilten. Doch die Anonymität ist auch auf Spielplattformen begrenzt. Zwar ist es möglich, sich etwa bei Steam oder auf der PlayStation mit einer beliebigen E-Mail-Adresse und falschen Kontaktinformationen einen kostenlosen Account zu erstellen – aber wenn man sich kostenpflichtige Games herunterladen und spielen möchte, müssen sich Nutzer eindeutig identifizieren.

„Schwierig, genaues Ausmaß zu bestimmen“

Auch die Geldwäsche ist laut Zeit Online gar nicht so einfach. „Immer dann, wenn die digitalen Währungen und Güter in reale Währungen getauscht werden, fallen Transaktionen in größerem Stil schnell auf. Die Hersteller der Games sind selbst sehr daran interessiert, den Handel zu kontrollieren, weil Transaktionen an ihnen vorbei ihren Gewinn schmälern“, sagt Kai Biermann, Zeit Online-Redakteur. Letztendlich hat auch de Kerchove keine fundierten Gründe für eine stärkere Überwachung. „Es ist nach wie vor schwierig, das genaue Ausmaß der Präsenz von Terroristen und Gewalttätigen Extremisten zu bestimmen“, erklärt der EU-Koordinator. Dazu seien weitere Untersuchungen notwendig.

Von Laura Ebeling

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Über den Autor/die Autorin:

Laura Ebeling

Laura (22) studiert Kommunikationsmanagement - oder einfacher gesagt "irgendwas mit Medien". Von ihren Kenntnissen macht sie auch hier Gebrauch und beschäftigt sich gerne mit Themen wie Gleichberechtigung, dem politischen Geschehen und - für Frauen typisch - Fußball.

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