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Vergessene Pandemie: Deshalb darf Corona den Kampf gegen AIDS nicht überschatten

Vergessene Pandemie: Deshalb darf Corona den Kampf gegen AIDS nicht überschatten
Foto: ONE

Er soll auf die Krankheit aufmerksam machen und Solidarität mit HIV-Infizierten fördern: Heute ist Welt-AIDS-Tag. Auch Jugendbotschafterin Ayla setzt sich gegen das HIV-Virus ein. MADS erzählt sie, warum das Engagement auch während der Corona-Pandemie wichtig ist.


Ayla Akgün ist 23 Jahre alt und Jugendbotschafterin der Entwicklungsorganisation ONE. Zurzeit studiert sie internationale Beziehungen in Dresden. In ihrer Arbeit als ehrenamtliches Mitglied setzt sie sich besonders für die Themen Gesundheit und Gender ein.

Hallo Ayla, viele junge Menschen in Deutschland befassen sich mit dem Thema AIDS nur wenig. Wie kommt es, dass du dich gegen die Krankheit stark machst?

Richtig beschäftig habe ich mich damit erst im Rahmen meines Jugendbotschafterprogramms der Organisation ONE. Die setzt sich gegen Armut und für den Kampf gegen Krankheiten ein. Gerade AIDS und HIV sind in vielen Ländern immer noch ein großes Problem. Wir befinden uns gerade in einer neuen Pandemie, aber auch AIDS und HIV sind eine Pandemie – und die ist längst nicht vorbei. Das Virus fordert immer noch viel zu viele Menschenleben.

Vielleicht könntest du einmal kurz zusammenfassen, was AIDS und HIV überhaupt sind?

AIDS ist eine Erkrankung als Folge des HI-Virus (HIV), der das menschliche Immunsystem schwächt. Vor 40 Jahren, zu Beginn der HIV- Pandemie, kam die Diagnose AIDS einem Todesurteil gleich. Doch dank der Bemühungen der letzten 20 Jahre gibt es inzwischen lebensrettende Medikamente, sodass die AIDS- bedingten Todeszahlen um mehr als die Hälfte zurückgegangen sind.

Quelle: ONE

Die Organisation UNAIDS hat für dieses Jahr einen sogenannten 90-90-90 Plan erstellt. Was genau bedeutet das?

Das 90-90-90 Ziel bedeutet, dass 90 Prozent der HIV-Infizierten ihren Status kennen, 90 Prozent der diagnostizierten HIV-Infizierten eine Therapie erhalten und dass 90 Prozent der Therapierten die Virenbildung erfolgreich unterdrückt haben.

Dass dieses Ziel leider nicht erreicht wurde, zeigt eine Grundproblematik: In den letzten Jahren sind die Gelder im Kampf gegen HIV und AIDS weiter zurückgegangen. Das Virus hat beispielsweise im letzten Jahr rund 700.000 Menschen das Leben gekostet. Diese Zahl zeigt das Ausmaß des Problems. Immer noch haben Menschen mit HIV – obwohl es inzwischen Therapiemöglichkeiten, Präventionsmaßnahme und Tests gibt – keinen Zugang zu diesen lebensrettenden Medikamenten. Und das ist hoch problematisch. Da muss sich viel ändern, vor allem politisch.

Zum Beispiel?

Es müssen mehr Finanzierungsmittel für den Kampf gegen HIV und AIDS bereitgestellt werden. Die globalen Mittel gehen weiter zurück – und dieser Trend muss jetzt gestoppt werden. Was auch ganz wichtig ist: Wir befinden uns gerade in zwei Pandemien gleichzeitig. Wir haben einmal das Coronavirus und AIDS. Die COVID-19 Bekämpfung ist kostenintensiv und natürlich sehr akut. Aber die Bekämpfung der Coronapandemie darf den Kampf gegen HIV und AIDS nicht verdrängen.

Sind HIV-Erkrankungen während der Corona-Pandemie eigentlich besonders gefährdet?

Ja, und zwar aus zwei Gründen. Ein zentraler Punkt ist, dass ein höheres Risiko herrscht, einen schwereren Verlauf der Coronaviruserkrankung zu haben, wenn Menschen bereits mit HIV/AIDS infiziert sind. Auf der anderen Seite besteht ein großes Gefahrenpotenzial, dass aktuell die mühsam erzielten Fortschritte im Kampf gegen HIV und AIDS um Jahre zurückgeworfen werden. Vor allem der afrikanischen Kontinent ist von dem AIDS/HI-Virus stark betroffen. Durch die Corona-Pandemie kam es zu vielen Ausgangssperren, Grenzen wurden geschlossen und es gab vielerorts Lieferengpässe – eben auch für wichtige Medikamente gegen AIDS und HIV.

Gibt es bestimmte Gruppen, die häufiger an AIDS erkranken als andere?

Quelle: ONE

Dazu gehören Frauen und Mädchen, allgemein Menschen in extremer Armut, aber auch Sexarbeiterinnen, Männer, die mit Männern Geschlechtsverkehr haben und Menschen, die sich Drogen injizieren. Solche Gesundheitskrisen sind eben oft auch Krisen sozialer Ungerechtigkeit. Beispielsweise ist für Frauen unter 50 die häufigste Todesursache HIV beziehungsweise AIDS.

Was würdest du dir im Kampf gegen AIDS/HIV für die Zukunft wünschen?

Jetzt im Dezember wird der Bundeshaushalt für das nächste Jahr der Deutschen Bundesregierung beschlossen. Da wünsche ich mir, dass ausreichend Gelder zur Verfügung gestellt werden, um neben der Corona-Pandemie auch weiter die HIV/AIDS-Pandemie in Entwicklungsländern effektiv zu bekämpfen. Hierfür ist eine ausreichende Unterstützung des globalen Fonds zur Bekämpfung von AIDS, Tuberkulose und Malaria besonders wichtig.

Aber auch Bildung ist ein Schlüsselinstrument im Kampf gegen Armut – und damit auch im Kampf gegen AIDS. Weil Bildung einerseits verhindert, dass Frauen und Mädchen zum Beispiel früh verheiratet werden und dadurch einer größeren Gefahr ausgesetzt sind, sich mit HIV anzustecken. Aber allein das Wissen um die Krankheit und wie man sich schützen kann, hilft. Das gilt genauso für uns in Deutschland.

Von Lisa Ristau


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