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Studieren während Corona: Lohnt sich ein Online-Studium?

Studieren während Corona: Lohnt sich ein Online-Studium?
Foto: Unsplash/ Alexandra Fuller

Von einer Online-Vorlesung in die nächste und dabei keinen persönlichen Kontakt zu Kommilitonen: Das Studium hat sich seit der Corona-Pandemie verändert. Vier Erstsemester erzählen, ob sie einen Studienstart empfehlen würden.


„Studieren ist für mich derzeit eine Qual“

Annika (22) hat einen Bachelor. Foto: Privat

Für mich war der Masterbeginn während Corona eine Art Neuanfang. Generell weiß ich, wie man studiert und bin durchaus in der Lage, mir allein Dinge beizubringen. Aber durch die Pandemie fällt es mir schwer, wie im Bachelor den richtigen Rhythmus zu finden. Um genau zu sein, habe ich das gesamte erste Semester kaum etwas zustande gebracht. Und das liegt vor allem an den Onlinevorlesungen, dem mangelnden persönlichen Kontakt zu meinen Kommilitonen und den Zugeständnissen der Uni durch Corona. Da meine Freunde und Bekannten aus dem Bachelor einen Lehramtsmaster angefangen haben, während ich fachlich weiter studiere, kenne ich niemanden. Auch eine Einführungswoche gab es bei uns nicht. Das ist vor allem hinderlich, weil mein Studiengang zu einem Drittel aus freier Gruppenarbeit besteht. Doch woher sollen die Themen dafür kommen, wenn nicht aus Gesprächen in den Seminaren? Denn online ist die Hemmschwelle, etwas zu sagen, irgendwie höher. Also entstehen keine interessanten Diskussionen. Und dann folgt auch schon für mich das nächste Problem: Wenn ich eine spannende Thematik entdeckt habe, wie finde ich andere Kommilitonen, die ebenfalls Bock auf das Gruppenarbeitsthema haben? Soll ich einfach fremde Menschen auf der Grundlage von nett klingenden Namen anschreiben? Ich weiß nichts über meine Kommi litonen – nicht einmal, wie sie aussehen. Und auch sonst stehen wir nicht in Kontakt. Da wünschte ich mir mein Präsenzstudium im Bachelor zurück. Dort hatte ich von Anfang an eine feste Lerngruppe. Wir haben uns damals gemeinsam ins Studium einfinden können, hatten ständigen Kontakt, haben auch nach den Vorlesungen viel Zeit miteinander verbracht und zusammen für Prüfungen gelernt. Jetzt fehlt dieser Austausch – sogar mir, die ich mir am liebsten alles alleine erarbeite. Genau diese Punkte machen es für mich sehr schwierig, produktiv zu sein. Ich sitze nämlich meist vor dem Bildschirm und mache nichts. Ich meine, wofür auch? Die meisten Deadlines für Hausarbeiten wurden gestrichen, Klausuren in folgende Semester verschoben. Wenn ich nichts tun muss, tue ich automatisch weniger. Mehr als einmal habe ich darüber nachgedacht, mein Masterstudium abzubrechen, meinen Bachelorabschluss zu nutzen und mir einen richtigen Job zu suchen. Allerdings möchte ich mich noch weiterbilden. Doch in der jetzigen Situation halte ich das Lernen keine Woche durch. Ich kann es kaum abwarten, wieder in Präsenz zu studieren. Studieren ist für mich derzeit eine Qual. nik

„Online-Uni ist ziemlich praktisch“

Laura (22) hat sich für einen Master eingeschrieben. Foto: Privat

Zu Beginn meines Masters hatte ich Glück: Im Herbst 2020 konnte ich meine Kommilitonen persönlich kennenlernen. Das ist ja leider längst keine Selbstverständlichkeit mehr. Meine neue Uni veranstaltete damals draußen einen Kennenlerntag – mit Rätselspielen und Gesprächsrunden. Zwar mussten wir unsere Gesichter gemäß der Corona-Regeln hinter Masken verstecken, das fand ich aber gar nicht schlimm. Meine 24 Kommilitoninnen und Kommilitonen lernte ich dann noch eine Woche lang bei Präsenzveranstaltungen besser kennen. Darüber bin ich richtig froh. Geholfen hat das nämlich besonders bei den digitalen Gruppenarbeiten – und ich konnte trotz Corona erste Freundschaften knüpfen. Mir fällt es fast ein bisschen schwer zuzugeben, dass die Onlinevorlesungen für mich aber letztendlich ein echter Segen sind. Natürlich weiß ich, dass gerade viele Erstis unter der Isolation durch das Onlinesemester leiden. Doch mir gelingt es dadurch, neben meinem Studium weiter als freie Journalistin zu arbeiten. Müsste ich jeden Tag mehrere Stunden in der Universität verbringen – und lange Zeit im Zug auf dem Weg dorthin sitzen – wäre das nicht möglich. Ohne Corona hätte ich mein Masterstudium wahrscheinlich gar nicht erst begonnen. Denn mein Wunschstudienplatz befindet sich in einer eineinhalb Stunden entfernten Uni. Dauerhaft zu pendeln, wäre mir zu anstrengend gewesen, und umziehen möchte ich nicht. Ich bin gerade erst in meine neue Wohngemeinschaft eingezogen und fühle mich da auch sehr wohl. Das würde ich nicht freiwillig aufgeben. Noch ein Vorteil der Onlineuni ist, dass mir das digitale Semester viele Freiräume lässt. Fast alle Vorlesungen werden von unseren Dozierenden aufgenommen. Wann ich mich also mit dem Stoff auseinandersetze, bleibt mir überlassen. Das hilft mir dabei, meinen Tag viel individueller zu gestalten. Mir fällt es nicht immer leicht, den manchmal dreistündigen Vorlesungen in der Uni oder auch online zu folgen. Da passiert es öfter, dass ich kurz nicht aufgepasst habe – und schon habe ich etwas Wichtiges überhört. Während der Vorbereitungen auf meine Prüfungen kann ich jetzt einfach noch mal in die Vorlesungen reinhören. Ziemlich praktisch. Mit einem Studentenleben, wie ich es aus dem Bachelor kenne, ist die aktuelle Situation natürlich nicht vergleichbar. Persönliche Kontakte zu meinen Kommilitonen, Partys oder der einfache Mensabesuch – das alles fehlt mir. Trotzdem hat das Onlinestudium für mich eben auch positive Seiten – und den Rest habe ich auch schon erlebt. elg

„Ich habe mein Studium pausiert“

Manuel (Name geändert) möchte anonym bleiben. Foto: Unsplash/ Adam Birkett

Mein Studium habe ich wegen Corona auf Eis gelegt. Das heißt, anstatt vor dem Computer zu sitzen und irgendwelche Onlinevorlesungen zu besuchen, habe ich mir eine sinnvolle Beschäftigung gesucht. Ich habe mein Studium pausiert – und mache gerade eine Ausbildung zum Rettungssanitäter. Ein Studium während Corona ist zu einem großen Teil ein Selbststudium. Theoretisch hätte ich auch ein langes Praktikum, ein EDV-Seminar oder ein freiwilliges soziales Jahr machen können. Hauptsache, ich überbrücke die Corona-Zeit. Ein Studium während Corona ist ein Selbststudium. Alles muss man selbst erarbeiten, zu allem muss man sich selbst motivieren. Vorher hatte ich neben Vorlesungen noch wöchentliche Treffen mit meinen Kommilitonen, in denen wir gemeinsam an Aufgaben gearbeitet haben. Diese fallen je nach Studiengang ge-rade weg. Teilweise soll es für uns Studierende digitale Alternativen geben, allerdings ersetzen die die Präsenzveranstaltungen nur bedingt. Auch Plätze für Praktika, die zum Studium dazugehören, sind gerade schwer zu bekommen. Unternehmen stehen still oder haben strengere Hygienevorschriften. Wenn Professoren nicht live unterrichten, sondern per Aufnahme, ist das schwierig für mich. Antworten auf meine Fragen bekomme ich per Mail – meistens Stunden nach der Vorlesung. Die Trennung zwischen Freizeit und Uni vermischt sich im Homeoffice. Arbeiten im Bett war erst angenehm, aber nicht zielführend – zu viel Ablenkung. Wegen all dieser Gründe habe ich mein Studium pausiert. Ich kann so nicht studieren. Aufgezeichnet von fin

„Ohne Studium ginge es mir schlechter“

Ella (19) ist im ersten Semester. Foto: Privat

Die Vorfreude auf mein erstes Semester an der Uni war groß: Party, neue Freunde und riesige Hörsäle mit fremden Leuten. Ich hatte Bock auf neue Eindrücke und die „beste Zeit meines Lebens“ – so hatte man mir das Studentenleben zumindest angekündigt. Corona hat mir einen Dämpfer versetzt. Ich stehe morgens auf, setze mich an den Laptop, mache meine Aufgaben und lege mich wieder ins Bett. Neue Leute habe ich nicht wirklich kennengelernt. Nur eine Kommilitonin hat mich angeschrieben. So habe ich mir mein neues Leben wirklich nicht vorgestellt. An manchen Tagen ist es ziemlich deprimierend, wenn ich mir vorstelle, wie das erste Semester hätte aussehen können. Manchmal stelle ich mir auch die Frage, ob ich nicht hätte warten sollen mit dem Studieren. Dann hätte ich vielleicht in einem oder zwei Jahren einen normalen Studienstart gehabt. Meine Entscheidung für das Studium während Corona bereue ich aber nicht. Ich habe nach dem Abi ein Jahr Pause gemacht, bin gereist und habe gearbeitet. Danach war ich bereit, wieder mit dem Lernen zu beginnen und hatte auch wirklich Lust darauf. Ich glaube sogar, dass es mir ohne Studium schlechter ginge, einfach weil ich eine Aufgabe brauche. Denn die Corona-Pandemie schränkt ja nicht nur den Unialltag ein. Die Einschränkungen würden mich auch so treffen. Statt also nur in meinem Zimmer zu liegen und an die Decke zu starren, habe ich immerhin eine nützliche Beschäftigung – und zumindest die Hoffnung, dass ich irgendwann doch noch mal einen Hörsaal betrete und Studentenpartys feiere. Bis dahin muss ich aber wohl noch viel Geduld mitbringen. eri


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Über den Autor/die Autorin:

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