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Statistiken verstehen: So erkennst du Mogelpackungen

Statistiken verstehen: So erkennst du Mogelpackungen
Foto: Luke Chesser/Unsplash

Studien und Statistiken wimmeln oft nur so von Zahlen, Prozenten und Diagrammen. Manchmal wird dabei auch getrickst. Mit diesen 9 Tipps verstehst du Statistiken richtig.


Die werden wir wohl niemals los: Zahlen, Prozentangaben, Torten-, Säulen- und Liniendiagramme begleiten uns seit unserer Schulzeit. In Facebook-Posts, Zeitungsartikeln oder Fernsehberichten veranschaulichen sie Studien und Statistiken, stützen den Text und verleihen ihm Glaubwürdigkeit. Doch so einfach es auf den ersten Blick aussieht, ist es nicht immer.

Schnell kann es passieren, dass wir eine Statistik falsch interpretieren. Und manchmal werden sie auch manipuliert und in eine Richtung gebogen, die zu einer bestimmten Aussage passt. Auch wenn die meisten Statistiken verlässlich sind, lohnt es sich immer, genauer hinzuschauen und Zahlen oder Schlagzeilen wie „Aktuelle Studie besagt, dass …“ nicht blind zu vertrauen. Diese 9 Tipps können dabei helfen:

1. Wer steckt dahinter?

Wer eine Statistik erstellt oder finanziert, tut das oft mit einem Hintergedanken. Wenn es etwa heißt „Aktuelle Studie: Standup Paddling (SUP) beugt Krankheiten vor“, sollten wir nicht sofort zum nächsten Sportgeschäft rennen und uns ein SUP-Board kaufen. Stattdessen sollten wir kurz recherchieren, was genau in der Studie drinstand, woher sie stammt und wer sie finanziert hat. War das in diesem Fall die SUP-Industrie, profitiert sie natürlich vom Ergebnis der Studie – und wir sollten diese mit Vorsicht genießen.

2. Worum geht es hier?

Foto: Marten Newhall/Unsplash

Bei einer neuen Statistik betonen die Herausgeber oft nur einen oder wenige Aspekte. Diese scheinen die wichtigsten Aussagen der Studie zu sein. Doch das stimmt nicht immer. Wenn ein Unternehmen etwa nur von seinen Umsätzen spricht, aber nicht von Gewinnen, hat es vielleicht eigentlich Verluste gemacht und möchte dies verbergen. Auch hier lohnt sich: nachrecherchieren, Originalstudie anschauen.

3. Ist das wirklich aussagekräftig?

Verschiedene Menschen auf Straßenkreuzung
Foto: Ryoji Iwata/Unsplash

Für Studien werden meist Menschen befragt oder untersucht. Die Frage ist aber, wie viele und welche. Je mehr unterschiedliche Menschen befragt werden (unterschiedlich nach Geschlecht, Alter, Einkommen, Beruf, Bildung, Wohnort, …), desto aussagekräftiger ist die Studie. Bei manchen Themen werden aber nur bestimmte Gruppen befragt. Für eine Studie über die Situation von Realschülern wäre es schließlich sinnlos, Studierende oder Senioren zu befragen.

4. Ursache und Wirkung?

Oft besteht ein Zusammenhang (Korrelation) zwischen zwei Trends. Zum Beispiel zwischen der konsumierten Speiseeis-Menge und der Anzahl an Ertrunkenen. Je mehr Eis wir essen, desto mehr Menschen ertrinken? Kann man so nicht sagen. Denn eine Korrelation ist nicht immer auch eine Kausalität. Zwischen Eiskonsum und Ertrunkenen gibt es keine Ursache-Wirkungs-Beziehung. Vermutlich sind beide Zahlen im Sommer höher, als im Winter – Menschen essen schließlich im Sommer mehr Eis essen und gehen öfter baden.

5. Verstehe ich das richtig?

Foto: freestocks/Unsplash

Ergebnisse von Studien werden oft falsch eingeordnet. Ergibt eine medizinische Studie etwa, dass die Einnahme von Pille A das Risiko, an Krankheit B zu erkranken, verdoppelt, werden viele Menschen Pille A nicht mehr nehmen. Doch wenn das Risiko, an Krankheit B zu erkranken, vorher sehr klein war, ist ein doppeltes Risiko immer noch eher klein. Es macht in absoluten Zahlen keinen großen Unterschied, ob nun 2 von 10 000 Menschen erkranken oder 4 von 10 000. Nur das relative Risiko verdoppelt sich.

6. Kann ich meinen Augen trauen?

Grafik: Greta Friedrich

Ein Klick hier, ein Klick da und schwupps – wird aus einem nichtssagenden Diagramm eine steile These (siehe Grafik). Das merken wir selbst manchmal im Matheunterricht, wenn wir wieder mal die Skala falsch eingeteilt haben. Winzige Zahlen erscheinen dann plötzlich riesig, die Aussage einer Statistik wird verfälscht. Um darauf nicht hereinzufallen, hilft einmal mehr: genau hingucken.

7. Mittelwert oder Median?

Ein alter Bekannter aus der Mathestunde ist der Mittelwert oder auch Durchschnitt. Um ihn zu berechnen, addiert man alle Werte und teilt die Summe durch die Anzahl der Werte. Doch manchmal lügt der Mittelwert. Plakatives Beispiel: Fünf Personen haben im Durchschnitt jeweils 202 000 Euro auf ihrem Konto. In Wahrheit aber hat einer 1000, einer 2000, einer 3000, einer 4000 – und einer hat 1 Million Euro. Besser würde der Median die Situation abbilden. Er ist einfach der mittlere Wert – hier also 3000.

8. Täuschende Prozente?

Wer mit Prozentzahlen arbeitet, wirkt sehr kompetent. Schließlich wissen die meisten Menschen noch aus der Schule, dass Prozentrechnung gar nicht so einfach ist. Doch auch Prozente können täuschen. Zum Beispiel prahlt ein Mitschüler, seine Sneakersammlung bestehe zu je 40 Prozent aus Adidas- und Nike- und zu 20 Prozent aus Converse-Sneakern – da denkt erstmal keiner, dass er tatsächlich bloß je zwei Paar Adidas- und Nike-Schuhe und ein Paar Converse-Schuhe besitzt.

9. Ist das realistisch?

Foto: Chris Liverani/Unsplash

Trends spinnen wir gern weiter. Die Followerzahlen unseres Instagram-Kanals steigen seit einer Weile? Wow, bald klopfen bestimmt erste Konzerne an, damit wir ihre Produkte bewerben. Obwohl Trends nicht ewig halten, vermittelt etwa die Momentaufnahme eines steigenden Aktienkurses erstmal ein positives Bild und bewegt Menschen zu Aktienkäufen. Um einzuschätzen, ob es realistisch ist, dass ein Trend auch künftig anhält, reicht meist gesunder Menschenverstand.


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Über den Autor/die Autorin:

Greta Friedrich

Greta (22) studiert Technische Redaktion in Hannover. Da lernt sie, Anleitungen zu schreiben – also Technikkram verständlich zu erklären. Das lebt sie auch hier aus. Außerdem mag sie Bücher, Musik und Gartenarbeit.

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