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Pro & Contra: Neujahrsvorsätze durchziehen oder über Bord werfen?

Pro & Contra: Neujahrsvorsätze durchziehen oder über Bord werfen?
Foto: Unsplash/Tim Mossholder

Zu jedem Jahreswechsel widmen sich Menschen motiviert dem Thema Neujahrsvorsätze – und geben diese oftmals kurz danach wieder auf. Lisa und Myron aus der MADS-Redaktion diskutieren pünktlich zum „Wirf-deine-Neujahrsvorsätze-über-Bord-Tag“ am 17. Januar, wie sinnvoll diese Tradition ist.


Sobald das Ende eines Jahres näher rückt, lässt ein ganz bestimmtes Thema nicht lange auf sich warten: Neujahrsvorsätze. Wer sich mit Menschen im eigenen Umfeld unterhält, wird früher oder später die Frage „Und, was hast du dir für das neue Jahr vorgenommen?“ hören – oder gleich eine Liste von Vorsätzen der anderen Person präsentiert bekommen. Doch steckt hinter der Tradition tatsächlich Potenzial zur Verbesserung des eigenen Lebens oder doch nur Selbstbetrug?

Pro: Neujahrsvorsätze als positives Ritual

Jedes Jahr wieder formulieren viele Menschen zu Neujahr positive Vorsätze, die sie ab jetzt umsetzen wollen: Gewicht verlieren, mehr Sport, mehr Entspannung, ein neues Hobby oder auch ein Instrument lernen. Eine Woche später folgt dann oft die Ernüchterung, wenn man feststellt, dass man noch nicht im Fitnessstudio war oder das neue Hobby noch immer in weiter Ferne scheint. Dabei müssen Neujahrvorsätze so nicht enden – wenn sie realistisch geplant werden. Wer sich statt zweimal wöchentlich Sport erst mal einmal pro Woche vornimmt und immer an einem festen Tag und zu einer festen Uhrzeit loslegt, hat bestimmt bessere Chancen.

Oft hilft es auch, den Vorsatz mit anderen zu teilen und sich mit Freunden gezielt dazu zu verabreden – schließlich kann man ja auch gemeinschaftlich Vorsätze fassen und sich gegenseitig bei der Umsetzung helfen. Gemeinschaftlich können Neujahrsvorsätze nicht nur viel leichter in die Tat umgesetzt werden, sondern auch positive soziale Effekte bewirken. Man sollte auch dabei allerdings realistisch bleiben, um unnötigen Frust zu vermeiden: Sich jedes Jahr etwas zu verbessern ist definitiv vorteilhafter, als jeden Januar an zu hoch gesteckten Zielen zu scheitern und sich wie ein Versager zu fühlen.

Foto: Unsplash/Becca Tapert

Mit Neujahrsvorsätzen lässt sich der Blick auf das Wesentliche in den kleinen Dingen des alltäglichen Lebens lenken. Statt undankbar über die eigene Situation zu sein, kann man sich fragen, was einen im Alltag tatsächlich glücklich macht – und diesen Dingen mehr Raum geben. Feste Termine im sozialen Bereich zum Beispiel: ein bewusster Date-Abend mit dem Partner, alle zwei Wochen mit einer Freundin Kaffee trinken gehen oder, oder, oder. Gerade nach der Corona-Zeit, die gerade junge Menschen in ihrem Sozialleben stark eingeschränkt hat, können solche moderaten Ziele ein Anfang sein, um die Freizeit wieder bewusster zu genießen und zu gestalten. Denn das Glück liegt nicht in den großen Vorhaben, die unerreichbar erscheinen, sondern in den kleinen, alltäglichen Momenten und Begegnungen.

Von Lisa Neumann

Lies auch: Neujahresvorsätze: Wie man sie wirklich einhalten kann

Contra: Neujahrsvorsätze als selbsterfüllende Prophezeiung des Misserfolgs

Das neue Jahr ist schon einen halben Monat alt, und mancherorts wird noch immer verzichtet, geschuftet und optimiert. Dabei sollten zwei Wochen mehr als genug sein, um seine guten Vorsätze zu erproben, als unrealistisch einzustufen und wie gewohnt auf das nächste Jahr zu verschieben. Der „Wirf-deine-Neujahrsvorsätze-über-Bord-Tag“ kommt daher wie gerufen, um nach zwei langen Wochen der Muße und Abstinenz endlich loszulassen.

Das Gute: Niemand muss sich damit allein fühlen. Statistiken zufolge geben mehr als die Hälfte der vorsätzlichen Selbstoptimierer und Selbstoptimiererinnen ihre Neujahrsvorsätze nach spätestens einem Monat auf – nur ein harter Kern von etwa 20 Prozent hält dagegen seine Ziele langfristig ein. Egal ob mehr Sport oder weniger Alkohol – meistens klappt es also nicht mit dem neuen Ich, und spätestens Ende Januar wird die Mitgliedschaft im Fitnessstudio stillschweigend gekündigt.

Selbstverständlich ist es nicht verkehrt, etwas an sich oder seinem Leben ändern zu wollen. Mutmaßlich begingen bereits die Menschen im alten Rom den Jahresanfang mit Vorsätzen und Versprechungen. Diese richteten sie an Janus, den zweigesichtigen Gott des Anfangs – und des Endes. Ein ambivalenter Schutzpatron und eine passende Metapher, die einiges verrät über die Erfolgsaussichten eines jeden ambitionierten Neujahrsvorsatzes. Zumal der fragile Glaube an den Wandel, anders als damals, nicht mehr gekoppelt ist an den Glauben an einen allgegenwärtigen Gott, der einem dabei auf die Finger schaut.

Unser Gott hingegen heißt Twitter, oder mittlerweile X, und ist ebenso allgegenwärtig, aber nur selten ratsam. Spätestens seit dem Zeitalter von Social Media ist der Neujahrsvorsatz zu einem sozialen Phänomen geworden. Er ist verkommen zu einem Meme, das alljährlich zur Weihnachtszeit aus der Schublade geholt, abgestaubt und belacht wird. Die allgemeine Wahrnehmung ist dabei: Kaum jemand geht wirklich davon aus, dass man seinem Vorhaben treu bleibt – und so wird aus dem guten Vorsatz eine selbsterfüllende Prophezeiung des Misserfolgs.

Wer etwas verändern möchte, sollte dies zu den eigenen Bedingungen machen und nicht dem Trend der kollektiven und gemeinhin temporären Selbstoptimierung folgen. Ein Bestreben mit Aussicht auf Erfolg braucht kein Neujahr. Lässt man sich allerdings nur von der gewaltigen Vorsatzflut mitreißen, so zerfließt die Motivation ebenso schnell wie sie gekommen ist. Wenn dann endlich der „Wirf-deine-Neujahrsvorsätze-über-Bord-Tag“ kommt, hat es leider mal wieder nicht gereicht – aber der Wille war da.

Von Myron Christidis


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