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Mental Health: Der lange Weg zur Therapie

Mental Health: Der lange Weg zur Therapie
Foto: Unsplash/Nik Shuliahin

Unzählige Telefonate, monatelange Wartelisten und psychischer Stress: Die Suche nach einem Therapieplatz kann ein nervenaufreibender Prozess sein. Und doch lohnt sie sich. MADS-Autorin Julia erklärt die wichtigsten Schritte auf dem Weg zur Behandlung.


Wer mentale Probleme hat, sollte sich über eine mögliche Therapie informieren. Selbst kleine Anzeichen für Probleme können angesprochen werden, schließlich ist Vorbeugen immer besser als Behandeln. Doch wo können Betroffene am besten anfangen?

Die erste Kontaktaufnahme

Als erstes sollte man sich Hilfe bei Freunden und Familie suchen. Eine Schulter zum Anlehnen kann bereits Großes bewirken – als erster Ansprechpartner kann aber auch die Hausärztin oder der Hausarzt dienen. Diese können dann unter anderem Beratungsstellen empfehlen, solche sind in jeder (nächstgelegenen) Stadt zu finden.

Sie helfen bei schwierigen Problemen und können spezielle Schwerpunkte wie die Suchtberatung setzen. Auch in Unis und Schulen kann man sich erste Hilfe holen: Schulen haben Vertrauenslehrkräfte, denen man sich bei Problemen anvertrauen kann. Immer öfter verfügen Schulen auch über therapeutisch geschultes Personal. Universitäten und Hochschulen bieten meist eine psychosoziale Beratung an, bei der wie bei einer Therapiesitzung über die jeweiligen Probleme gesprochen werden kann. Die Beraterin oder der Berater kann dann eine Liste mit Therapeuten, deren Anschriften und Telefonnummern erstellen, um einen ersten Kontakt zu ermöglichen.

Das Erstgespräch beim Therapeuten

Der Weg zur Therapie kann von nun an unterschiedlich aussehen: Man ruft eigenständig bei Therapeuten an und macht Erstgespräche aus oder sucht sich Hilfe bei der 116 117 (ärztlicher Bereitschaftsdienst) oder der Kassenärztlichen Vereinigung. Die 116 117 ist eine Suchwebsite, mit der man Therapeuten, die derzeit Erstgespräche anbieten, finden und Termine ausmachen kann. Bei der Kassenärztlichen Vereinigung werden ebenfalls Therapeuten in der jeweiligen Postleitzahl gesucht, mit denen man durch Anrufe oder E-Mails in Kontakt kommen kann.

Dies ist der nervenaufreibendste Teil der Suche. Zu oft meldet sich am andere Ende nur die Mailbox – und die betroffene Person steht wieder bei Null. Das kann nicht nur demotivierend sein, sondern auch akute Probleme bei Menschen, die dringend therapeutische Hilfe brauchen, verursachen. 

Wer Glück hat, bekommt ein Erstgespräch bereits nach wenigen Wochen, meist liegen die Erstgespräche innerhalb des nächsten Monats – manchmal dauert es noch wesentlich länger. Beim Erstgespräch wird über Probleme und verschiedene Therapieformen gesprochen, eine Überweisung wird nicht benötigt. Auch eine erste Verdachtsdiagnose wird gestellt. Wenn man mit dem Therapeuten einverstanden ist, setzt man sich auf die Warteliste. 

Die lange Therapie-Warteliste

Diese ist fast immer lang – der Therapieplatz kann meist erst in den nächsten zwei oder drei Monaten gestellt werden. Manchmal warten Personen auch zwischen einem halben und einem Jahr. Deshalb ist es sinnvoll, viele Therapeutinnen und Therapeuten anzufragen und sich auf so viele Wartelisten zu setzen wie möglich. Wenn dann der Platz frei und ein erster Therapietermin ausgemacht wird, kommt es im Falle einer Psychotherapie zu den Kennenlern-Sitzungen beziehungsweise probatorischen Sitzungen.

Wenn die Chemie zwischen Therapeut und Patient stimmt, ist das Ziel eines Therapieplatzes erreicht. Nach zwei bis vier probatorischen Sitzungen kann die offizielle Therapie beginnen. Stimmt die Chemie oder die Therapieform jedoch nicht, wird erneut am Anfang angesetzt – und die Suche geht weiter.

Verschiedene Therapieformen

Bei der Suche nach speziellen Therapeutinnen und Therapeuten wird es nur noch schwieriger. Die Plätze sind knapp, die Wartezeiten lang. Man unterscheidet in der Regel zwischen vier Formen der Therapie, wie Psychotherapeutin Annika Haffke für den Blog „Hello Better“ schreibt:

  • Die kognitive Verhaltenstherapie ist die in Deutschland gängigste Therapieform, in welcher sich mit Verhaltensweisen auseinandergesetzt wird, um die aktuellen Probleme zu lösen
  • Die tiefenpsychologisch fundierte Therapie und die psychoanalytische Therapie, die sich mit unbewussten Konflikten auseinandersetzt, um die aktuellen Probleme zu lösen
  • Die systemische Therapie, in welcher sich statt mit der Einzelperson mit einem sozialen System auseinandergesetzt wird, in welchem sie sich befindet

Auch in ihrer Dauer unterscheiden sich die Therapien: Akutbehandlungen oder Kurzzeittherapien beinhalten 24 Sitzungen, Langzeittherapien liegen zwischen 48 und 300 Sitzungen in Einzeltherapie.

Warum man nicht aufgeben sollte

Die lange Suche, die ständigen Wartezeiten und scheiternde Anrufe in der Sprechzeit demotivieren und enttäuschen – Absagen stehen während der Therapieplatzsuche meist an der Tagesordnung. Trotz der langwierigen Suche zahlen sich Therapien jedoch aus. Nur weil es einmal mit einer Therapeutin oder einem Therapeuten nicht funktioniert hat, bedeutet das auf keinen Fall, dass Therapie generell sinnlos ist.

Um die Probleme auf dem Weg zur Therapie nicht allein bewältigen zu müssen, gilt: Unterstützung suchen. Wenn Freunde und Familie helfen, kommt man vielleicht schneller und weitaus entspannter zu einem Platz als bei einer Suche auf eigene Faust. Man sollte nicht aufgeben: Sich Hilfe zu suchen lohnt sich immer.

Von Julia Schöpfer


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Über den Autor/die Autorin:

MADS-Team

Unter diesem Namen sammeln wir Beiträge von Gastautorinnen und -autoren, Autorenkollektiven oder freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bei MADS. Die Namen des jeweiligen Autors oder der jeweiligen Autorin stehen unter dem einzelnen Beitrag.

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