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„hugo“: Loyle Carner über die Suche nach Identität und Einsamkeit

„hugo“: Loyle Carner über die Suche nach Identität und Einsamkeit
Foto: Universal Music/Jesse Crankson

Nach drei Jahren bringt Loyle Carner sein neues Album „hugo“ raus. Darauf findet er ehrliche und brutale Worte für die Frage der Zugehörigkeit, seinen Vater und andere innere Konflikte.


Loyle Carner ist in den vergangenen Jahren durch seinen britischen Hip-Hop bekannt geworden. Nun bringt er nach drei Jahren sein drittes Album „hugo“ heraus. Wie er schon in einem Interview mit „Flux FM“ ankündigte, ist es thematisch noch ehrlicher und brutaler als seine Werke davor.

„hugo“: Harte Worte und Poesie

Als Sohn einer weißen Mutter, bei der er in London aufgewachsen ist, und eines Schwarzen Vaters, den er kaum kennt, ist Zugehörigkeit schon immer ein großes Thema für den 28-Jährigen. Bereits in älteren Liedern wie „Yesterday“ singt er über Einsamkeit und die Unsicherheit, wo er sich zugehörig fühlen soll. Im neuen Album „hugo“ ist es das Hauptthema: „I told the Black man, he didn’t understand. I reached the white man, he wouldn’t take my hand“, rappt er in „Nobody Knows“.

Wie schon auf seinem Album „Not Waving, But Drowning“ kombiniert Carner seine Texte mit Gedichten anderer Menschen. Diesmal rappt er in „Georgetown“ auf Zeilen des Poeten John Agard, der sein Gedicht „Half-Caste“ zu Teilen rezitiert. Es ist ein Gedicht über eben die Gefühle und inneren Konflikte des Rappers, das diese auf den Punkt bringt. Im Hintergrund des Videos ist Georgetown, die Hauptstadt Guyanas, zu sehen. Es ist das Heimatland seines Vaters.

Loyle Carner und die Vaterrolle

Die Rolle seines Vaters ist sehr präsent. Loyle Carner beschäftigt sich viel mit Kindheitserinnerungen und dem Gefühl des Verlassenwerdens. Dazu die Annäherungsversuche und die Suche nach sich selbst. „I start to think about the legacy you left. The young man who hasn’t had his first breath. For a mother who can handle my stress“, singt Carner und spricht über einen der Momente, die ihn lange verletzt haben. Seit 2020 ist der Londoner selbst Vater und entscheidet: Er muss seine Beziehung zu seinem Vater reparieren, um seinen Schmerz nicht weiterzugeben, denn „hurt people hurt people“.

Auch wenn die Themen härter sind als sonst, bleibt der Klang meist vertraulich und ruhig. Jazzelemente, Samples aus Teichen und Reden, Synth-Beats und die angenehme Stimme helfen der Musik zu einem angenehmen Klang und Geschichten, denen man zuhören möchte. Loyle Carner verarbeitet musikalisch und textlich seine Gedanken und Gefühle, um schließlich nach vielen düsteren Worten das Album mit Selbstreflexion und Vergebung gegenüber seinem Vater abzuschließen: „I forgive you because I’m better when I’m with you.“


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Über den Autor/die Autorin:

Ella Rinke

Ella (21) studiert Medien und Kommunikation. Neben Kunst interessiert sie sich für Musik, die sie bei MADS rezensiert. Dazu schreibt sie über alles, was gerade so passiert.

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