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„Come Home the Kids Miss You“: Jack Harlow kann nicht an Debüt anknüpfen

„Come Home the Kids Miss You“: Jack Harlow kann nicht an Debüt anknüpfen
Foto: WMG

Rapper Jack Harlow hat sein zweites Album rausgebracht. Nach dem internationalen Durchbruch und Lob von Szenegrößen wie Kanye West und Drake waren die Erwartungen hoch – „Come Home the Kids Miss You“ erfüllt sie nur teilweise.


Jack Harlow will sich an der Spitze der Rapszene etablieren. Das hatte er bereits in einem Interview mit dem Magazin „Rolling Stone“ ankündigte. Der Plan: wegkommen von szene-typischer Angeberei über Sex und Geld. Stattdessen sollen ernstere Songs mit guten Texten überzeugen.

Daher gibt Harlow auf seinem zweiten Studioalbum „Come Home the Kids Miss You“ nun etwas tiefere Einblicke in sein Liebesleben. Doch das scheint so ausgeprägt zu sein, dass die Lyrics oft trotzdem nach Angeberei klingen. Wenn Harlow bewusst angibt, dann meistens in Wortspiele oder Beispiele verpackt: „Ain’t too many cons when you playin‘ with the pros“.

Jack Harlow hat seinen Vibe verloren

Harlows Fokus auf die Lyrics geht außerdem zulasten der Atmosphäre. Den entspannten Sommerabend-Vibe, den ältere Songs wie „Sundown“ und „Sylvia“ kreierten, sucht man auf dem neuen Album vergebens. Die Texte sind insgesamt tiefsinniger, laufen aber meist auf dasselbe hinaus: Selbstzweifel („Am I fancy enough? Am I dancing enough? Am I handsome enough?“) und das Verarbeiten des plötzlichen Erfolgs („Walkin‘ through my parent’s house, forgot I had a Grammy medal“).

Das Album schwankt also zumeist zwischen ernsteren Liedern und Songs über Harlows Liebesleben. Ein lockerer Song zwischendrin, gern mit Ohrwurmbeat, hätte gutgetan. So vermisst man den markanten Flow des Rappers, der ihn etwa in „Whats Poppin“ und „Industry Baby“ ausgezeichnet hat. Die neuen Songs „Nail Tech“ und „Dua Lipa“ kommen dem noch am nächsten.

Nur Drake überzeugt als Feature

Mit Pharrell Williams, Drake, Justin Timberlake und Lil Wayne hat sich Jack Harlow absolute Weltstars als Features dazugeholt. Doch einzig Drake sticht heraus. Der Rapper verpasst dem Song „Churchill Downs“ eine melancholische Stimmung, die in seinen langsameren Werken typisch ist, harmoniert perfekt mit Harlow und stellt zweifellos das beste Feature des Albums dar.

Insgesamt ist das Album kein Schritt zurück, aber auch kein Schritt vorwärts. Was Jack Harlow in seinen früheren Liedern ausgezeichnet hat, war eine Ausstrahlung von Unbekümmertheit, Selbstbewusstsein und etwas, was man im Englischen als „slightly goofy“ bezeichnen würde. Bei seiner aktuellen musikalischen Entwicklung ist es da nicht verwunderlich, dass einige Fans vom neuen Album unbeeindruckt bleiben.

Von Tim Klein



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