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Wie Instagram mich verändert hat

Wie Instagram mich verändert hat
Foto:  rawpixel/Unsplash

Neid, Selbstzweifel und Druck – all das hat Instagram bei MADS-Autorin Lina hervorgerufen. Ein Blick zurück.


Wenn ich heute auf mein früheres Ich zurückschaue, schäme ich mich für mein Verhalten. Instagram hat mich verändert und mir zeitweise mein Selbstbewusstsein geraubt. Ständig habe ich mich verglichen, andere Mädchen regelrecht gestalkt. Und immer diese verdammte Eifersucht: Wieso sehe ich nicht so aus? Wieso habe ich nicht so viele Freunde? Wieso unternehme ich nicht ständig coole Sachen, von denen ich Fotos posten kann?

Das Stalking hat mir viele schlaflose Nächte bereitet. Von meinen 400 abonnierten Accounts habe ich den dieses einen Mädchens ganz genau analysiert. Alle zehn Minuten habe ich auf ihr Profil geschaut.

Das war meine Routine:

Zuerst die Markierungen abchecken: Wer ist das? Woher kennen die sich?

Als nächstes die Kommentare. Immer das Gleiche: „Hübsche“, „Cutie“. Ich habe das nie wirklich verstanden, aber ich habe es auch geschrieben. Als Gegenleistung habe ich ähnliche Kommentare unter meinen Posts bekommen. Die brauchte ich unbedingt, um dazuzugehören. In den Club der heißbegehrten Instagirls.

Zuletzt das Bild: Von oben bis unten habe ich mir alles ganz genau angesehen, bis ins kleinste Detail. Ich habe mich sogar gefreut, wenn ich beim Heranzoomen dann doch einen Pickel entdecken konnte.

Fast war es mir schon peinlich, das Mädchen und auch andere von mir studierte Instagirls in der Stadt zu sehen und eigentlich alles über sie zu wissen. Ich kannte ihre Freunde, den Stadtteil, in dem sie wohnen, ihre Schule, Namen von Haustieren, einfach alles – aber ich wusste nie, wer sie wirklich waren.

Posts, die wie Schnappschüsse wirken

Für mich war Instagram ein Fluch. Ständig diese Selbstzweifel, dieser Neid. Aber ich konnte nicht aufhören. Nirgends konnte ich ohne Handy hingehen. Ich bin nachts aufgewacht, um zu nachzusehen, ob das Instagirl wieder ein perfektes Bild gepostet hat. Meine Familie und Freunde mussten ständig Fotos von mir machen. Deswegen wollten sie irgendwann, dass ich mein Handy zuhause lasse, wenn wir etwas zusammen unternehmen. Mit dem Ergebnis, dass ich dann zum Instagrammen zuhause geblieben bin. All das nur, damit ich Fremden zeigen konnte, dass ich kein langweiliges Leben hatte.

Meine Mutter hat mir mein Smartphone irgendwann weggenommen und durch ein altes Tastenhandy ohne Internet ersetzt. Ein halbes Jahr habe ich ohne gelebt. Es war das Beste, was mir passieren konnte. Denn Instagram hat mich in eine unechte Welt hineingezogen. Eine Welt, in der inszenierte Posts wie Schnappschüsse wirken und jeder in jedem Licht perfekt aussieht.

Heute habe ich mein Smartphone zurück, aber kein Instagram mehr. Ich habe wieder mehr Zeit für Freunde, weil ich mich nicht vor Treffen stundenlang schminken muss, damit die Fotos gut aussehen. Ein spontanes Selfie finde ich inzwischen schöner als ein perfektes. Wenigstens hatten wir Spaß! Wenn ich meinen Freunden Fotos schicken möchte, mache ich das über Whatsapp. Inspiration hole ich mir bei Pinterest. Das Beste an einem Insta-freien Leben: Ich will nicht mehr so sein wie andere.

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