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Ungebremste Spiellust: Rostocker Theatergruppe fördert junge Talente

Ungebremste Spiellust: Rostocker Theatergruppe fördert junge Talente
Foto: Klaus Amberger

Die Rostocker Theater-Gruppe Freigeister probt aktuell das Stück „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“. Mit dabei sind die Laienschauspieler Elea-Darja Fellmann (20) und Nils Miekisch (18). Sie wollen beide Schauspieler werden.

Elea-Darja Fellmann. Nils Miekitsch. 20 und 18 Jahre alt. Schauspieler in Rostock und mitten in der Probenarbeit für eine Premiere: „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ nach dem bekannten Buch von Christiane F.

Elea und Nils gehören zur Freigeister-Theatergruppe in Rostock zu der gut 80 junge Leute gehören. Es ist das drittgrößte Theater in der Hansestadt. Kennzeichen: meist junge Ensemble-Mitglieder (ein paar sind aber auch 40+), viele sozialkritische Themen, kaum Plakatwerbung, dafür viel auf den gängigen Kanälen wie Instagram unterwegs. Primäre Zielgruppe sind 15- bis 35-jährige Zuschauer. Klingt alles jung, ist jung. Das Durchschnittsalter der Darsteller dürfte Deckungsgleich mit dem Alter von Nils und Elea sein.

„Man muss junge Leute ernst nehmen“

Beide kamen über Theaterprojekte an ihren Schulen zum Schauspiel: Nils über eine Schultheatergruppe, Elea über den Theaterklub an ihrer ehemaligen Schule, den zufällig der Leiter der Freigeister führte. Gründer, Leiter, Regisseur, Autor und Darsteller der Freigeister ist Christof Lange, ein wacher, fokussierter Mann, der in einem Gespräch sowohl schnoddrig-spaßig als auch fordernd-kompromisslos sein kann, eine „Theater-Maschine“ im allerbesten Sinn, mit einem Instinkt für junge Leute und deren Talente – ein guter Teil der ehemaligen Freigeister sind Schauspieler geworden oder befinden sich auf dem Weg. Langes Credo: „Man muss junge Leute ernst nehmen – es macht etwas mit ihnen, wenn man sie zum Beispiel nach ihrer Meinung fragt.“

Doch woher weiß der 34-Jährige, dass zum Beispiel Elea oder Nils geeignet fürs Schauspielen sind? „Ich muss bei den Leuten Spiellust sehen – ungebremste Spiellust“, antwortet er. „Elea kann ihren Rollen eine unglaublich schöne Natürlichkeit geben.“ Und über Nils sagt Christof Lange: „Wenn er spielt, ist er noch mehr Mensch als er ohnehin schon ist.“ Er sei authentisch im Anderssein.

Elea spielt Christiane F.

Elea spielt in dem neuen Stück die junge heroinabhängige Christiane F., Nils übernimmt die Rolle ihres ebenfalls süchtigen Freundes Detlef. Lea hat gerade Bewerbungen an Schauspielschulen zu laufen, etwa in Leipzig. Nils, der sich mit Parkour bei den Rostocker „Bewegungshelden“ fit hält, steht kurz vor den Abiturprüfungen und will sich nach einem Freiwilligen Sozialen Jahr auch an Schauspielschulen vorstellen. Er mag den Schauspieler Lars Eidinger, „früher fand ich vor allem Johnny Depp gut“. Bei Elia hat der Schauspieler Albrecht Schuch („Systemsprenger“) Eindruck hinterlassen.

Die Freigeister sind ein Zuhause für spezielle Leute, meint Elea. „Für Leute, die nicht überall, aber hier reinpassen.“ Sie mag, dass hier alles sehr ernst genommen wird und meint damit den professionellen Anspruch des jungen Theaters. Elea lernt ihre Texte meist laut mit vielen Wiederholungen. „Einen schweren Text lerne ich am besten, wenn er mit Aktion, etwa auf der Probebühne, verbunden ist“, erzählt sie. Auch Nils lernt am besten beim Proben. „Erst wenn ich die Funktion des Textes verstehe, kann ich ihn mir gut einprägen“, erläutert er. Gut einen Monat werde bei den Freigeistern ein Stück geprobt, bis es sitzt. Und dann ist Premiere. Lampenfieber? Natürlich. „Ich lenke mich so gut es geht ab“, sagt Elea. „Ich höre vor dem Auftritt Musik“, sagt Nils.

Von Klaus Amberger

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