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So wird man ein Doktorand

So wird man ein Doktorand
Foto:  KN

Manche haben bereits zu Beginn ihres Studiums dieses Ziel im Auge, bei anderen entwickelt es sich erst im Laufe der Zeit: einen Doktor in dem Fach ablegen, das einen begeistert. Aber auch wenn der Wunsch besteht, hat man den Weg dorthin nicht immer in der Hand. Viele Faktoren müssen zusammenspielen, um eine Promotion antreten zu können. Dazu gehören neben dem passenden Thema die Finanzierung ebenso wie die Fähigkeit, sich immer wieder selbst zu motivieren und auch einmal ‚Durststrecken’ auszuhalten. MADS hat für Euch mit jemandem geredet, der ein Lied von diesem Weg singen kann: Toke Hoffmeister, der momentan an seiner Doktorarbeit in Deutsch sitzt. Der 26-jährige, der Deutsch und Philosophie auf Lehramt studiert hat, hat uns alle Fragen beantwortet, die uns zum Thema Promotion eingefallen sind.


MADS: Was war Dein Plan, als Du mit dem Studium begonnen hast?

Toke: Eigentlich wollte ich Lehrer werden. Wobei, als Doktorand ist man auch ein wenig Lehrer, nur, dass man keine Kinder erzieht. Aber meine Pläne haben sich im Laufe des Studiums geändert.

Wann hat sich der Kurswechsel bei Dir herausgestellt?

Das war schon relativ früh. 2011 habe ich angefangen, zu studieren und wurde 2013 Hilfskraft am Institut. Dann bekommt man meistens mehr mit, wie der Betrieb am Lehrstuhl abläuft. In dieser Zeit hat sich für mich herauskristallisiert, dass ich Interesse an einer Promotion hätte.

Wie ist es dazu gekommen, dass Du jetzt deinen Doktor machst?

Meine Masterarbeit und meine Noten generell waren ganz gut, aber das ist nur der erste Schritt. Daran erkennen die verantwortlichen Leute im Institut dein Potential. Vorher hatte ich immer angedeutet, dass ich mir wünschen würde zu promovieren. Beim Thema meiner Masterarbeit gab es noch ein paar offene Stellen, zu denen man weiter forschen konnte und daraus hat sich dann mein Promotionsthema ergeben.

Wie finanzierst Du Dir die Promotion?

Anfangs hatte ich ein Stipendium. Mittlerweile habe ich eine halbe Mitarbeiterstelle, was ein echter Luxus ist. Es gibt aber auch noch andere Optionen. Der Klassiker sind Lehraufträge, wobei man sich darüber nicht komplett finanzieren kann. Dann existieren verschiedene Stipendien von großen und kleinen Geldgebern. Die Uni hat auch Programme, die den Lebensunterhalt von Promotionsstudierenden finanzieren. Im schlimmsten Fall muss man nebenbei arbeiten. Das ist aber nur für eine kurze Zeit ratsam, weil man es eigentlich kaum schafft. Eine Promotion ist beinah mehr als eine Vollzeitstelle. Deshalb sollte man sehen, dass man extern Gelder bekommt.

Was hat Deine Familie dazu gesagt, als Du von deinem Plan zu promovieren erzählt hast?

Neben mir hat aus meiner Familie nur mein Vater studiert. Deswegen war es gerade bei entfernteren Verwandten manchmal schwierig zu erklären, was ich da überhaupt mache. Aber ich habe großes Glück mit meiner Familie, weil sie mich immer unterstützt. Das ist auch wichtig. Neben der Familie ist die Unterstützung durch den Freundeskreis oder von der Partnerin relevant. Die Promotion nimmt einen großen Teil im Leben ein. Wenn dafür kein Verständnis herrscht, kann es zu Spannungen kommen. Ich habe aber das Glück, dass alle Leute um mich herum mich voll unterstützen. Gerade, wenn man keine Stelle hat, ist man oft finanziell noch von der Familie abhängig. Das ist dann sozusagen für alle ein Projekt. Es wird einem viel Druck genommen, wenn die Familie hinter den Plänen steht.

Erzähl doch mal was zu dem Thema deiner Arbeit. Mit was beschäftigt sich Deine Forschung?

In meiner Masterarbeit habe ich untersucht, wie Dialekte von Laien wahrgenommen werden und was über deutsche Dialekte bekannt ist. Das ist ein sehr junges Forschungsgebiet. Es gibt noch keine Forschung zu dem Thema, wie Sprache insgesamt wahrgenommen wird. Deswegen versuche ich herauszufinden, welche Aspekte von Sprache die breite Öffentlichkeit interessieren. Das ist deshalb wichtig, weil man dadurch beispielsweise herausfinden kann, wie Leute mit Sprache beeinflusst werden können. Dahinter steckt viel Theorie wie zum Beispiel die Frage, was Wissen oder auch Wahrheit überhaupt ist. Wissen über Sprache wird oft durch Allgemeingültigkeitsansprüche erhoben. Oft schwingen da Emotionen und persönliche Geschmäcker mit, wie zum Beispiel bei der Frage, ob auf ‚wegen’ der Dativ oder der Genitiv folgt. Beides ist, durch den Sprachgebrauch legitimiert, richtig, aber jeder hat da ein persönliches Empfinden.

Wie muss man sich Deinen Tag vorstellen: Sitzt Du die ganze Zeit in einem stillen Kämmerlein und schreibst an der Arbeit oder hast du auch andere Dinge zu tun?

Es wäre schön, wenn ich überhaupt einmal zu meiner Arbeit kommen würde! Na gut, das ist übertrieben, aber man hat auch diverse andere Aufgaben, die an die Stelle gebunden sind. Was vor allem erwartet wird, ist, dass man sich in der sogenannten Scientific Community präsentiert, damit der eigene Name bekannt wird. Die Leute müssen Dich kennen und wissen, was Du machst. Tagungen sind also sehr wichtig. Lehre ist ein weiterer Punkt. Wenn man eine Stelle hat, ist man ohnehin dazu verpflichtet. Aber auch wenn man zum Beispiel ein Stipendium hat, ist es ratsam, um einen Lehrauftrag zu bitten. Dadurch bekommt man mehr Lehrerfahrung, die das A und O ist. Dazu gehört auch die Betreuung von Studierenden. Dann gibt es auch noch Verwaltungstätigkeiten, das ist aber nur ein kleiner Teil. Manchmal organisiert man auch selbst Tagungen.

Wie sieht der Ausgleich zu Deinen geistigen Tätigkeiten aus?

Der ist für mich sehr wichtig. Ich spiele Fußball, da kann ich einfach mal ‚doofe’ Sachen sagen, ohne darüber nachzudenken. Ich mag es, mich körperlich zu betätigen und geistig mal ein bisschen abzuschalten. Es hilft auch, draußen zu sein. Wenn man an einem Tag acht oder neun Stunden am Schreibtisch gesessen hat, sind 30 Minuten in der Sonne schon eine große Hilfe.

Hast Du manchmal Zweifel, ob Du die Doktorarbeit schaffst?

Die hat man immer. Gerade wenn es eine Phase gibt, bei der man auf ein Problem trifft und einem niemand wirklich weiterhelfen kann, kommen Zweifel auf. Wichtig ist, dass diese Zweifel wieder verschwinden und man wieder das Gefühl ist, man ist gut und kann das schaffen. Zweifel sind gerade bei einer Promotion normal. Das ist ein langes Projekt, an dem man mehr oder weniger alleine sitzt. Man hat zwar einen Doktorvater oder eine Doktormutter, die die Arbeit bewerten und inhaltliche Hilfestellung geben, aber letztendlich betreibt man eigenständig Forschung. Es wäre auch schlecht, wenn man gar keine Zweifel hätte. Sie regen dazu an, Dinge zu hinterfragen und neu zu überdenken.

Würdest Du Dich nochmal für denselben Weg entscheiden?

Ja, auf jeden Fall! Bisher machen mir Forschung und Lehre unheimlich Spaß. Die Leute am Lehrstuhl sind nett und es ist eine schöne Atmosphäre. Das Gute ist, dass solche Wege niemals endgültig sind. Selbst wenn ich nach der Promotion feststellen sollte, dass ich zwar eine schöne Zeit hatte, aber nicht mein Leben lang forschen möchte, gibt es noch viele andere Perspektiven.

Wie sehen Deine Pläne für die nächste Zeit aus?

Natürlich erst einmal die Promotion fertigmachen. Es ist wichtig, kleinschrittig zu denken. Ich würde das aber eher als Träume bezeichnen und nicht als Pläne. Wenn ich fest planen würde, eine Habilitation anzuschließen und das klappt am Ende nicht, wäre die Enttäuschung groß. Deswegen träume ich erst mal davon, weiter in der Wissenschaft zu bleiben und plane, meine Promotion bis 2021 abzuschließen.

Was ist Dein Tipp für Leute, die mit dem Gedanken spielen, ihren Doktor zu machen?

Macht Euch keinen Druck! Und: Man braucht ein sehr hohes Maß an intrinsischer Motivation. Der Wille zu promovieren muss immer von einem selbst kommen. Außerdem sollte man sich frühzeitig um Informationen und Bewerbungen kümmern, wenn man keine Stelle bekommt und auf ein Stipendium angewiesen ist.

Wer sich weiter über das Thema Promotion informieren möchte, findet zum Beispiel auf der Seite des Graduiertenzentrums der CAU hilfreiche Hinweise.

Von Maline Kotetzki

Über den Autor/die Autorin:

MADS-Team

Unter diesem Namen sammeln wir Beiträge von Gastautoren, Autorenkollektiven oder freien Mitarbeiter bei MADS. Die Namen des jeweiligen Autors oder der jeweiligen Autorin stehen dann immer unter dem einzelnen Beitrag.

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