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Oscar oder Goldene Himbeere? Das sind unsere Hass-Filme

Oscar oder Goldene Himbeere? Das sind unsere Hass-Filme
Foto: Unsplash/GR Stocks

Hollywoods Filmschaffende hoffen am Sonntag auf Auszeichnungen bei den Oscars. Die MADS-Redaktion stellt vor, welche Streifen der vergangenen Jahre dagegen eher den Negativ-Preis Goldene Himbeere („Razzie“) verdienen. Mit dabei: ein Action-Franchise, ein Marvel-Film und eine Romanze mit Timothée Chalamet.


Der Gucci-Flop

Mein größter Hass-Film? Definitiv „House of Gucci“ (2021). Der Film erzählt die Geschichte der berühmten Modedesigner-Familie. Genauer gesagt handelt er vom Leben des jungen Maurizio Gucci, der als Erbe der Familienmarke plötzlich Inhaber eines millionenschweren Modeimperiums ist. Doch Reichtum ist gefährlich. Status, Macht und Geld locken Patrizia Reggiani an. Eine junge Frau mit Verstand und Geltungssucht.

Die Idee zum Film verspricht Spannung, Drama, Liebe, Rachsucht und Mord. Stattdessen liefert Regisseur Ridley Scott eine langwierige und vor allem langweilige Handlung. Was erzählt wird, sind die Geschehnisse rund um den lebendigen Maurizio. Viel spannender wären jedoch die Umstände seines Todes – und was danach folgt.

  • Klischees: ★★
  • Langeweile: ★★★★
  • Vorhersehbare Plottwists: ★★★★★
  • Cringe-Faktor: ★★

Um die Geschichte einer tragischen Ehe zu verfilmen, bräuchte es weder wahre Begebenheiten noch die Geschichte der Familie Gucci. Das, was Fragen aufwirft, interessant und spannend ist, verschenkt der Film in den Schlussminuten, kurz vor Beginn des Abspanns. Der Fokus des Films ist damit recht fragwürdig. Der einzige nennenswerte Lichtblick des Films ist Lady Gaga. Die Rolle der Patrizia füllt sie gut aus und wird der Strenge, Willensstärke, aber auch lieblichen Seite des Charakters gerecht.

Von Jule Trödel

Problematische Beziehung im hübschen Setting

Eine Coming-of-Age-Liebesgeschichte zwischen zwei Männern zu einer Zeit, in der solche Beziehungen sehr gefährlich sein konnten: Dafür feiern Fans den Film „Call Me By Your Name“ (2017). Das traumhafte italienische Setting soll anscheinend davon ablenken, wie problematisch die Beziehung zwischen Elio und Oliver ist.

Natürlich geht es ums Ausprobieren, um eine Sommerromanze, aber das muss nicht zwischen einem 17-Jährigen und dem Mittzwanziger-Assistenten seines Vaters stattfinden. Beziehungen mit großem Altersunterschied sind ohnehin ein negatives Klischee bei LGBT-Beziehungen. Sieben Jahre wirken erst mal nicht ausschlaggebend, aber sie sind es eben doch, wenn einer minderjährig ist. Hinzu kommt, dass Oliver zu Hause eine Verlobte hat.

  • Klischees: ★★★
  • Langeweile: ★★
  • Vorhersehbare Plottwists: ★
  • Cringe-Faktor: ★★★★

Auch die leeren Dialoge erschweren den Filmgenuss. Die mögen direkt aus der Buchvorlage übernommen worden sein, seltsam klingen sie trotzdem. Auch der Titel wirkt mir zu gewollt. Doch das Internet liebt es. Oder es liebt einfach nur Elio-Darsteller Timothée Chalamet. Verständlich, aber der Film hat mich mit einem bitteren Gedanken zurückgelassen: Wenn Oliver vor seinen Problemen schon ins Ausland abhaut, dann soll er da wenigstens nichts mit den Kindern seines Chefs anfangen.

Von Annika Eichstädt

Krimi ohne Überraschungen

Zugegeben: Meine Hoffnungen waren groß, als ich kürzlich Karten für die neue „Tod auf dem Nil“-Verfilmung kaufte. Nach dem Vorgänger „Mord im Orientexpress“ (2017) erwartete ich ein ähnlich spannendes Spektakel voller unerwarteter Wendungen. Zu früh gefreut.

Die Handlung war von Beginn an sehr vorhersehbar, daher blieb der Überraschungseffekt bei der Auflösung – wenn man es denn überhaupt so nennen will – völlig aus. Als Detektiv Poirot schließlich das Verbrechen in typischer Agatha-Christie-Manier aufklärte, war bereits so viel irreversibler Schaden angerichtet worden, dass zumindest mich die Erklärung kaum noch interessierte.

  • Klischees: ★★★★★
  • Langeweile: ★★★★
  • Vorhersehbare Plottwists: ★★★★
  • Cringe-Faktor: ★★

Hinzu kamen einige Sequenzen, deren Bedeutung für den Film ich bis heute nicht nachvollzogen habe. Besonders verwirrend ist eine recht lange Kriegsszene, die wohl die Backstory des Protagonisten erklären soll. Allerdings hat diese im weiteren Verlauf des Films keine nennenswerte Bedeutung, die die Länge der Szene gerechtfertigt hätte. Auch der äußerst prominente Cast konnte leider nichts mehr reißen, da die Charaktere eher flach und stereotyp anlegt waren, gerade die Frauenrollen – armes Dienstmädchen, reiche Erbin, verlassene Geliebte. Nach „Mord im Orientexpress“ war „Tod auf dem Nil“ einfach nur enttäuschend.

Von Julia Levkovich

Überambitionierte Rettungsmissionen

Die „The Fast and The Furious“-Filme sind keine cineastischen Meisterwerke, so viel steht seit Beginn der Reihe fest. Trotzdem konnte ich den ersten Filmen etwas abgewinnen: Stunts, Autorennen und moralische Zwiespalte zwischen Freundschaft und Verpflichtungen schaffen gute, wenn auch seichte Unterhaltung. Die Handlungen blieben in einem klaren Rahmen und wirkten dadurch wenigstens halbwegs realistisch.

Mit jeder neuen Auflage machen sich die Mitwirkenden der Reihe jedoch immer lächerlicher. Auf einmal geht es nicht mehr um illegale Rennen und Lkw-Überfälle, sondern um die Rettung der gesamten Menschheit. Wenn diese dann auch noch davon abhängt, wie schnell das Auto der Hauptcharaktere ist und wie oft während eines Films das Wort „Familie“ untergebracht werden kann, kann ich das Franchise einfach nicht mehr ernst nehmen.

  • Klischees: ★★★★
  • Langeweile: ★★★
  • Vorhersehbare Plottwists: ★★★★
  • Cringe-Faktor: ★★★★

Außerdem sterben ständig zentrale Figuren und sind dann doch wieder im nächsten Film dabei, weil sie ihren Tod nur vorgetäuscht haben. Das beraubt die Filme jeglicher Glaubwürdigkeit und erweckt den Eindruck, nur Fanservice zu betreiben. Nach den ersten drei bis vier Filmen hätte man es auch einfach gut sein lassen können, anstatt alle paar Jahre einen wiedergekäuten Abklatsch des Vorgängers zu produzieren.

Von Tim Klein

Klischees und Verharmlosung

Teenie-Dramen voller Klischees und schrecklicher Fremdscham-Momente gibt es in der Filmwelt nicht selten. „The Kissing Booth“ (2018) treibt es jedoch auf die Spitze. Elle und Lee sind beste Freunde seit der Kindheit – und haben auch ungefähr in dem Alter eine Liste mit Regeln zu ihrer Freundschaft erstellt. Eine davon lautet, dass Lees ältere Bruder Noah für Elle tabu ist. Doch genau diese Regel bricht die Teenagerin natürlich.

Manchmal möchte ich mir einfach eine leichte, schöne Romanze anschauen. So kam ich schnell auf „The Kissing Booth“ – und wurde leider ziemlich enttäuscht. Platte Dialoge mit Sätzen, die man schon hundertfach gehört hat, eine vorhersehbare Handlung und vor allem unzählige Klischees bestimmen den Film.

  • Klischees: ★★★★★
  • Langeweile: ★★
  • Vorhersehbare Plottwists: ★★★★
  • Cringe-Faktor: ★★★★★

Die drei OMG-Girls, ein versuchter „Mean Girls“-Abklatsch, zählen dabei noch zu den harmloseren Klischees. Viel schlimmer ist, wie sehr der Film Noahs Charakter und seine toxische Beziehung zu Elle romantisiert. Er ist übergriffig und kontrollierend – und sollte dem eher jungen Zielpublikum des Netflix-Films definitiv nicht als begehrenswertes Boyfriend-Material präsentiert werden. Wieso „The Kissing Booth“ erfolgreich genug für zwei weitere Teile war, erschließt sich mir nicht.

Von Tara Yakar

Tiefpunkt für Marvel

Die größte Enttäuschung im vergangenen Filmjahr war für mich „Eternals“. Der Film erzählt die Geschichte einer neuen Gruppe von Superhelden im Marvel Cinematic Universe. Meine Hoffnung war anfangs groß. Richard Madden, Angelina Jolie, Salma Hayek, Kit Harrington und Bill Skarsgård spielen mit – was für ein Cast. Und dann übernahm auch noch Chloé Zhao die Regie, die erst Anfang 2021 für „Nomadland“ unter anderem die Oscars für besten Film und beste Regie erhalten hatte. Wer wäre da nicht aufgeregt?

Doch was ich dann zu sehen bekam, wirkte leider wie eine lächerliche Parodie. Statt gewohnter Avengers-Action und individuellen Figurenentwicklungen bot der Film zehn lahme Möchtegernhelden, die in leeren Phrasen redeten und wohl selbst nicht ganz wussten, in welche Richtung der Film gehen soll. Auch die Gegner – Kreaturen mit dem Namen Deviants, die nach Lust und Laune auf die Erde kamen – konnte man nicht wirklich ernst nehmen.

  • Klischees: ★★
  • Langeweile: ★★★★★
  • Vorhersehbare Plottwists: ★★★★
  • Cringe-Faktor: ★★★★★

Seinen Tiefpunkt erreichte der Film schließlich in einer Post-Credit-Sequenz, die in Sachen CGI nicht mehr zu unterbieten ist. Ich wusste nicht, ob ich darüber lachen oder weinen sollte. „Eternals“ kann daher mit keinem anderen Marvel-Film mithalten – sehr schade, denn das Potenzial war vorhanden.

Von Alexandra Schaller

Enttäuschende Fortsetzung

​Er ist witzig, zeigt einzigartige Gadgets und bricht mit den Klischees des Geheimagenten-Genres: Das ist „Kingsman: The Secret Service“. 2017 erschien die Fortsetzung, „Kingsman: The Golden Circle“ – und die kann leider so gar nicht mit dem Vorgänger mithalten. 

Durch die Vernichtung des Hauptquartiers der Kingsmen, wenden sich diese an ihre US-amerikanischen Kollegen, die Statesmen. Während die Kingsmen stets als elegante Gentlemen auftreten, sehen die amerikanischen Agenten mit stereotyper Farmerkleidung, Whiskey und völlig überzogene Peitschen eher wie ein paar dahergelaufene Cowboys aus dem Wilden Westen aus. 

Außerdem waren die Motive der Antagonistin Poppy Adams schwer nachvollziehbar. Sie zeigt nur wenig Charakter im Vergleich zum Bösewicht Richmond Valentine aus dem ersten Teil, der mich mit einer gelungen Kombination aus Comedy und schurkenhafter Finesse in seinen Bann zog.

  • Klischees: ★★★★
  • Langeweile: ★★★
  • Vorhersehbare Plottwists: ★★★★★
  • Cringe-Faktor: ★★

Doch das Schlimmste kommt zum Schluss – und eigentlich auch schon auf dem Filmplakat. Achtung Spoiler: Der verstorbene Mentor des Hauptcharakters Eggs ist auf billige Art und Weise wieder zurück ins Leben berufen worden. Eine neue Agentenapparatur, und kurzerhand ist er wieder am Leben. So verliert die „Kingsman“-Reihe ihre konsequente und elegante Erzählweise.

Von Fynn Petzka


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Über den Autor/die Autorin:

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