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Nie wieder Schule – Kevin und Flo sagen, wie sich das anfühlt

Nie wieder Schule – Kevin und Flo sagen, wie sich das anfühlt
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Kevin ist jetzt ein bisschen „angefressen“. Gerade kam der 17-Jährige aus der mündlichen Chemieprüfung in der Schule am See in Satow. Das Thema hieß Verbrennungsprozesse. „Oh, ist das herrlich!“, hat er gerufen, als er hinaus in die Sonne des Schulhofes trat und noch nicht seine Note wusste. Geschafft. Die Anspannung fiel ab. Nun sitzt er neben seiner Freundin Florentina. Sie lächelt. Auch weil sie sich noch über ihre Zwei in der Chemieprüfung freut.

Kevin sagt, alles sei in Ordnung. Sein Gesicht sagt etwas anderes. Er hätte gern eine Zwei bekommen. Aber es wurde eine Drei. Trotzdem hat er sich von der Vorzensur Vier auf die Abschlussnote Drei gearbeitet. „Alles in Ordnung“, versucht er Haltung zu bewahren.

Fast 11 000 Jugendliche verlassen die Schule

4700 junge Leute in MV haben nun die Prüfungen für die mittlere Reife hinter sich, 6100 haben das Abitur in der Tasche. Die Umstände der letzten Schultage sind in diesem Jahr dank der Corona-Krise ungewöhnlich.

„Wir mussten uns allein auf die Prüfungen vorbereiten“, berichtet Florentina. Die 16-Jährige wird von allen nur Flo genannt. Es gab Konsultationen mit den Fachlehrern. „Das Homeschooling fand ich nicht einfach – hoffentlich ist das kein Modell für die Zukunft“ überlegt sie laut. „An der Schule lernt man schließlich auch soziale Dinge, wie Respekt, Ausdauer oder Pünktlichkeit.“

Abschluss mit Wehmut und Freude

Nun ist die Schule Geschichte. Sang und klanglos geht für die Schulabgänger diese Etappe ihres Lebens zu Ende. Kein letzter, verrückter Schultag, keine Abschlussfeier, kein Ball. Kevin zuckt mit den Schultern. „Eine Feier wäre schön gewesen, aber nun muss man es so hinnehmen“, sagt der ehemalige Klassensprecher und stellvertretende Schülersprecher (Lieblingsfach Philosophie). Der Schule möchte er verbunden bleiben. „Ich überlege, ob ich in den Schulverein gehe und mich dort engagiere.“

Flo, die stellvertretende Klassensprecherin – „ich bin die Mutti für alle gewesen“ –, sagt, dass sie sich auf die neue Zeit freue. „Schule habe ich ja lange genug gehabt“, scherzt sie. „Ich erwarte in Zukunft kein Zuckerschlecken, aber man lebt sich bestimmt schnell ins Arbeitsleben ein.“ Etwas Wehmut gibt es dennoch. „Wir verlassen eine sehr gute Schule, in der die Lehrer immer auf einen zugegangen sind“, berichtet Flo. „Ich werde wohl den Schulalltag, Freunde und auch die Lehrer vermissen“, ergänzt Kevin.

Für Lehrer ist der Abschied nicht leicht

Detlef Galda, einer der Satower Lehrer, sagt, es sei ein schwerer Schritt, wenn man die Schüler loslasse. „Das ist eine komische, auch doofe Situation: Jahrelang hat man an ihnen herumgefeilt und nun gehen sie weg“, sinniert der erfahrene Pädagoge, der seit 32 Jahren im Schuldienst ist. „Es ist zwar gut, dass die jungen Leute irgendwann wegschwimmen, aber sie sind ja keine Durchlaufprodukte, sondern Kinder, die uns am Herzen liegen.“

Kevin wird Altenpfleger, Flo Zahnarzthelferin

Kevin beginnt Ende August eine Ausbildung zum Pflegefachmann, besser bekannt unter dem Begriff Altenpfleger. Flo wird zahnmedizinische Fachangestellte, ergo Zahnarzthelferin. Beide kennen sich seit der siebten Klasse, seit zwei Jahren sind sie zusammen. „Kevin ist ehrgeizig, zuverlässig, hilfsbereit – und ein Optimist“, sagt Flo. Lachend berichtet sie, dass Kevin gern Schlager höre. „Die richtig schlimmen Alt-Schlager!“ Kevin bestätigt: „Zum Beispiel Roger Whittaker, Andrea Berg, Marianne Rosenberg.“ Flo bevorzugt dagegen die Songs der aktuellen Charts.

Letze Sommerferien: Wir bleiben hier

In ihren letzten Schulferien bleiben sie im Land. Kevin wird die Schafe auf seinem Hof, die Katzen, die Karnickel und den Hund versorgen. Oder mit dem Rasenmähertrecker herumtuckern und dabei viel nachdenken „über alles, was ich sehe und erlebe“. Dann ist er noch Kamerad bei der Feuerwehr. „Ich helfe eben gern anderen Menschen.“

Flo fotografiert oft Landschaften. Manchmal zeichnet sie – ihre Lieblingsfächer waren Kunst und Englisch. Oder sie radelt in den Ferien mit ihrer Zwillingsschwester durch die Natur. Mal schauen, was sonst noch so nach zehn Jahren Schule passiert. Doch morgen wird Flo aber erst einmal 17 Jahre alt.

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Von Klaus Amberger

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