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Medienkompetenz für Grundschüler: Greifswalder Wissenschaftlerin entwickelt App

Medienkompetenz für Grundschüler: Greifswalder Wissenschaftlerin entwickelt App
Foto: Fotos: Irene Burow, Patrick Geßner / Repro: Arno Zill

Selbst Grundschüler sind heutzutage häufig schon online. Dafür brauchen sie Medienkompetenz. Doch genau diese wird aktuell noch zu wenig an den Schulen gelehrt. Professorin Ines Sura von der Uni Greifswald und die Techniker Krankenkasse haben eine digitale Lösung dafür.

Es ist schon lange kein Geheimnis mehr: Beinahe jeder Grundschüler ist auch regelmäßig online unterwegs: Videos ansehen, Games spielen, mit Klassenkameraden chatten, ja, und nun auch ab und zu Videokonferenzen besuchen. Die digitalen Medien bestimmen auch und zunehmend den Zeitgeist der Jüngsten. Das hat sich durch die Pandemiebedingungen und Homeschooling noch verstärkt.

„Die Mehrheit der Kinder bekommen ein Smartphone am Ende der vierten Klasse“, sagt Prof. Ines Sura, Juniorprofessorin für Medienpädagogik und Medienbildung am Institut Erziehungswissenschaft an der Universität Greifswald. „Ein Smartphone ist durchaus zu begrüßen, da Kinder die Technik gut als Lernwerkzeug einsetzen können – nicht nur als Spielzeug“, sagt die 34-jährige Wissenschaftlerin.

„Abgesehen davon, haben die Kinder mittlerweile auch nicht mehr die Wahl – sie sind auf digitale Angebote angewiesen.“ So wie 90 Prozent der Berufe nicht mehr umhinkommen, mehr oder weniger das Digitale zu verinnerlichen.

Zu wenig Medienbildung an Grundschulen

Einer ihrer Forschungsschwerpunkte ist die Medienbildung in der Grundschule. „Wir fangen aber schon in den Kindergärten mit der Forschung an.“ Die Spanne reicht bis zu Angeboten für weiterführende Schulen. Der Grund für die wissenschaftliche Unterfütterung des Gedankens der Medienbildung ergibt sich unter anderem aus einem Mangel.Lesen Sie auch

„Für Grundschulen gibt es noch zu wenige Angebote in der Medienbildung“, sagt Prof. Ines Sura. „Dieser Bereich ist derzeit noch unterbeleuchtet.“ Obwohl ja gerade die sehr jungen Schüler täglich Erfahrungen mit den „neuen Medien“ sammeln.

Thema Gesundheit spielt eine Rolle

Die Professorin verantwortet nun inhaltlich ein Projekt, das speziell auf Grundschüler zugeschnitten ist: Medien-Planet – eine kostenfreie App. Diese Software bietet beispielsweise kindgerechte Erzählungen oder ein Medientagebuch, mit dessen Hilfe sich der Nachwuchs eine Übersicht über seinen Medienkonsum erstellen kann.

Ebenso gibt es Schnittstellen mit dem Aspekt der Gesundheit, „weil Medien- und Gesundheitsbildung Schnittstellen haben.“ Etwa wenn es um gesundes Essen geht oder um die Auswirkungen von Bewegungsarmut, falls man beispielsweise zu oft und zu lange aufs Smartphone starrt.

Nebenbei gibt’s Basiswissen

„Wichtig ist bei der App, dass sie keinen Druck aufbaut, sondern leicht und kindgerecht daherkommt.“ So können Kinder mit der App Videos schneiden und produzieren, was erfahrungsgemäß viele interessiert. Zumal die Kinder oft schon mit kleinen Filmen auf sämtlichen Kanälen vertraut sind. „Es gibt zum Beispiel vorgefertigte Videoschnipsel auf der App – die Lücken werden dann von den Schülern gefüllt“, erläutert die Uni-Professorin. Der Vorteil: Nebenbei lernen die Grundschüler, was es mit dem Recht am eigenen Bild auf sich hat, sie erhalten Funktionswissen oder schulen sich in Filmästhetik.

Ziel: Positiver Gegenentwurf

Potenziellen Kritiken hält sie entgegen, das Kinder mitnichten „digitale Zombies“ seien, die nur am Bildschirm hingen. „Uns ist es wichtig, einen positiven Gegenentwurf anzubieten, der auch die Angst von Eltern, dass Kinder nur noch am Handy hängen, nehmen soll.“ Man könne nicht früh genug beginnen, Kinder bei ihren digitalen Entdeckertouren zu begleiten, da sogar schon Dreijährige mit Apps spielten. Prof. Ines Sura versucht, es auf den Punkt zu bringen: „Mit der App können Kinder anhand etablierter didaktischer Methoden spielerisch ihren eigenen Medienumgang auf Mobilgeräten reflektieren. Die App dient der Förderung ihrer Mediengesundheit.“

„Ich bin froh, dass es eine kostenfreie App ist, die noch lange nicht fertig ist und mit weiteren Themen ergänzt wird, beispielsweise mit dem Thema Gaming.“ Denn oft gebe es für Grundschüler lediglich „Tools“, die Geld kosten.

Krankenkasse möchte Kinder stärken

Dass die App kostenfrei zu haben ist, liegt an der Beteiligung der Techniker Krankenkasse (TK). Das Engagement der TK resultiert aus der Erkenntnis, „dass mit der Vermittlung von Medienkompetenz frühzeitig begonnen werden sollte“, sagt Manon Austenat-Wied, Leiterin der Landesvertretung der TK in MV.

Leiterin der TK-Landesvertretung Mecklenburg-Vorpommern: Manon Austenat-Wied. Foto: Margit Wild

Bereits seit Jahren kooperiert sie mit den Medienexperten der Universität Greifswald. Aus dieser Zusammenarbeit ist die digitale Plattform Medien-Universum entstanden, zu der Medien-Planet gehört. „Fundierte Medienkompetenz stärkt die Kinder für die Herausforderungen, denen sie sich in einer zunehmend mediatisierten Gesellschaft stellen müssen, um handlungsfähig zu sein“, sagt Manon Austenat-Wied.

Prof. Ines Sura betont: „Wir wollen die Kinder altersgerecht ansprechen und haben uns für einen speziellen Rahmen entschieden – das Weltall.“ Das Universum seit ideal, „da es zeitlos ist und die Fantasie anregt“. Lustige und sympathische Außerirdische – die Dorkies – sorgten dafür, dass die Inhalte kindgerecht vermittelt werden. „Außerdem wird das Projekt unterstützt vom Kika-Fernsehmoderator André Gatzke, der durch die App führt“, berichtet Prof. Ines Sura.

Die App kann kostenlos in gängigen App-Stores heruntergeladen werden.

MedienPlanet-App trainiert Medienverhalten

Die App MedienPlanet gehört zur MedienUniversum-Plattform der TK und ist ein Kooperationsprojekt der TK und des Medienzentrum Greifswald. Mithilfe dieser kostenfreien App gestalten Grundschüler durch lustige und interaktive Übungen ihre eigenen Lernwege selbst. Begleitet werden die jungen Nutzer von neugieren Aliens (Dorkies genannt) auf einem fiktiven Medienplaneten. Moderiert wird die App von dem bekannten Kika-Moderator André Gatzke, den die Aliens auf ihr Raumschiff entführt haben.

Die MedienPlanet-App bietet Kindern unter anderem die Möglichkeit, ihre Medienverhalten mit einem schlichten Tagebuch zu dokumentieren. Des Weitern gibt es einen Video-Baukasten oder ein Ernährungstagebuch.

Die MedienUniversum-Plattform ist online zu finden unter: www.medienuniversum.info/de. Auf dieser Plattform können sich Grundschulpädagogen registrieren und das Portal kostenfrei nutzen.

Die Techniker Krankenkasse ist die größte Krankenkasse in Deutschland. In MV sind 197 000 Menschen bei der TK versichert, bundesweit sind es gut 10,8 Millionen.

Von Klaus Amberger

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