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Lernen mit Social Media: Wie Benjamin Hadrigan zum Klassenbesten wurde

Lernen mit Social Media: Wie Benjamin Hadrigan zum Klassenbesten wurde
Foto: Lukas Beck

#Lernsieg dank Social Media: Der 17-jährige Benjamin Hadrigan aus Wien hält Instagram, Snapchat und WhatsApp für die besseren Lehrer – und hat darüber nun auch ein Buch geschrieben.


Benjamin, du hast lange schlechte Noten bekommen und bezeichnest die Regelschule als Folterinstrument – was stört dich so daran?

In der Schule heißt es oft: „Lernt bitte den Stoff bis nächste Woche und dann überprüfen wir das“. Aber aus meiner Erfahrung zeigt niemand den Schülern, wie sie richtig lernen. Kein Lehrer spricht über Lerntechniken, über die verschiedenen Lerntypen – es gibt kommunikative, visuelle, auditive. Niemand zeigt ihnen, wie sie diesen Marathon laufen können. Das ist das eine. Und der andere Wahnsinn ist eben, dass die Schule nicht digitalisiert ist.

Das soll ja nun zumindest in Deutschland mit dem Digitalpakt besser werden: Schulen bekommen innerhalb der nächsten fünf Jahre fünf Milliarden Euro für digitale Technik.

Die Grundidee, in Schulen zu investieren, ist gut. Aber meiner Meinung nach wird das Geld falsch investiert – in Computer und Beamer. Eigentlich geht es hier nicht um die Digitalisierung der Schüler, sondern der Lehrer. Die Schüler sind doch durch ihre Smartphones schon alle digitalisiert – und die Zukunft des Lernens hat nichts mit Computern zu tun. Sinnvoll wären Social-Media-Schulungen für die Lehrer, damit sie der digitale Zug nicht überrollt. Unser Schulsystem hat sich seit dem 18. Jahrhundert kaum verändert: Noch immer sitzen oft 30 Schüler in einem Raum und bekommen Frontalunterricht. Aber die Welt hat sich verändert – und darauf müssen die Schulen reagieren, auch mit anderen Lernsystemen.

Dein Lösungsansatz sind soziale Medien wie Instagram, WhatsApp und Snapchat – warum?

Beim Lernen geht es immer um Kommunikation, entweder mit sich selbst oder in einer Lerngruppe. Je einfacher diese Kommunikation ist, desto leichter und schneller kann man auch lernen. Soziale Medien wie Instagram eignen sich perfekt für eine solch vereinfachte Kommunikation. Ein Foto mit kurzem Text –  mit dieser simplen Struktur lässt sich Lernstoff sehr gut aufbereiten und speichern.

Ist das nicht wahnsinnig viel Arbeit?

Nein, weil das Aufbereiten ja schon zum Lernprozess gehört. Das sehe ich auch bei meinen Nachhilfeschülern: Die meisten von ihnen hassen die Schule und wollen nicht lernen – aber mit Social Media macht es ihnen dann doch Spaß, das finden sie spannend.

Welche Plattform eignet sich denn für was?

Auf Instagram lassen sich Lerninhalte in kurze Texteinheiten, Videos und Audiofiles aufteilen, in denen Schüler den Stoff sich selbst oder anderen vortragen. Ähnlich wie mit den analogen Karteikarten. Das gilt auch für Fotos von Grafiken oder Mind-Maps, die ein Themengebiet visuell erschließen. Snapchat dient dem Überprüfen des Wissens wie bei einem Quiz, wobei das Ausarbeiten der Fragen selbst zum Lernprozess gehört. Stimmt eine Antwort, geht der Daumen hoch. Mit WhatsApp kann man die Lernprozesse innerhalb einer Gruppe von Schülern organisieren – es ist eine Art digitale Sekretärin. Am besten nutzt man also alle drei Plattformen.

Wenn ich so viel Zeit dort mit dem Lernen verbringe, vergeht dann nicht die Lust, Social Media privat zu nutzen?

Es gibt da eine klare Regel: Wer mit Social Media lernt, muss dafür neue Accounts erstellen. Man darf nicht mit dem privaten Account lernen, da gibt es zu viel Ablenkung. Das ist, als würde man sich mitten in ein Einkaufszentrum setzen zum Lernen. Wenn man das aber klar separiert, geht es.

Manche fürchten, durch die Digitalisierung werde Bildung entmenschlicht.

Das sehe ich anders. Das Handy ist inzwischen wie ein Körperteil von uns – jeder Schüler hat eins und verbringt damit sehr viel Zeit. Nutzen wir doch diese Ressource und bringen ihnen bei, wie sie das für etwas Positives nutzen können. Das Lernen verlagert sich hin zu mehr virtuellen Klassenräumen. Ich organisiere mich selber, bin effizienter und habe viel mehr Zeit, mich mit Freunden zu treffen.

Wie sähe für dich dann die ideale Schule aus?

Sie wäre nicht mehr zwingend an physische Klassenräume gebunden, Schüler könnten auch von Zuhause aus lernen, allein oder mit zwei, drei Freunden – im eigenen Tempo, und sie könnten sich die Inhalte so oft wie nötig anschauen. Lehrer würden ihren Lehrstoff auf einer Schul-Homepage hochladen und wären trotzdem über Social Media mit ihren Schülern verbunden. Sozialkompetenz und Verantwortungsbewusstsein bleiben also auch weiterhin wichtig. Ich wünsche mir mehr Selbstbestimmung für Schüler und ein Lernen, das sich an ihren Bedürfnissen orientiert.

Interview: Amelie Rook

Zur Person: Benjamin Hadrigan (17) aus Wien schrieb in der Schule schlechte Noten – bis er irgendwann Social Media als Lernhilfe für sich entdeckte. Daraus entwickelte er ein Lernsystem, das er als Nachhilfelehrer auch anderen Schülern beibrachte. Mit 15 fing er parallel zur Schule ein Studium in Wirtschaftsrecht an und gründete sein eigenes Unternehmen, das Modelabel „Betterman Sports“. Über sein Lernsystem hat er nun ein Buch geschrieben: „#Lernsieg – Erfolgreich lernen mit Snapchat, Instagram und WhatsApp“ ist am 23. März bei edition a erschienen. Es kostet 20 Euro.


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