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In der Corona-Pandemie: Was kommt nach dem Schulabschluss?

In der Corona-Pandemie: Was kommt nach dem Schulabschluss?
Foto: Unsplash.com

Vielen Jugendlichen ist wegen Corona langweilig, andere sind einsam und manche suchen unter erschwerten Bedingungen einen Job. Im Interview erläutert die Professorin Nora Gaupp vom Deutschen Jugendinstitut, vor welchen Herausforderungen junge Leute wegen Corona stehen.


Studium oder Ausbildung? Ausziehen oder bei den Eltern wohnen bleiben? Nach dem Schulabschluss kommen für Tausende junge Menschen wegen der Corona-Pandemie zu den üblichen Unsicherheiten neue Probleme hinzu. Musik studieren oder doch lieber eine sichere Ausbildung machen? Die Psychologin und Professorin Nora Gaupp vom Deutschen Jugendinstitut in München erklärt, mit welchen Schwierigkeiten Jugendliche zurechtkommen müssen.

Frau Gaupp, vor welchen Herausforderungen stehen Jugendliche eigentlich zurzeit?

Am Ende der Schullaufbahn müssen die Jugendlichen Entscheidungen für ihre Zukunft treffen. Viele erleben in dieser Situation Unsicherheiten: Passt die Ausbildung zu mir? Habe ich die richtige Hochschule gewählt? Darf ich mir noch ein Jahr Auszeit leisten? Das sind nur einige der Fragen, denen Jugendliche und junge Erwachsene gegenüberstehen. In der Corona Pandemie kommen noch weitere Fragen hinzu: Suchen die Firmen überhaupt Auszubildende? Wie läuft ein Bewerbungsgespräch über Video? Kann ich mich überhaupt für einen Ausbildungsbetrieb oder ein Studienfach entscheiden, wenn ich vorher nicht die Chance habe, ein Praktikum in diesem Berufsfeld zu machen? Je nachdem, wie gut junge Menschen in Freundschaften und ihre Familie eingebettet sind und ob sie wissen, wo sie sich professionelle Information und Beratung organisieren können, bewältigen sie diese Fragen mehr oder weniger leicht.

Wie schwer ist denn die Jobsuche unter Corona-Bedingungen wirklich?

Für Jobs neben der Schule, Ausbildung oder Studium sieht es im Moment nicht so gut aus, da sie durch die Pandemie weggefallen sind. Bei einer Ausbildung oder einem Studium ist die Branche ganz entscheidend. So gibt es Berufsfelder, in denen trotz oder auch gerade wegen Corona dringend Arbeitskräfte gesucht werden, wie zum Beispiel in der Alten- und Krankenpflege, in der Kindertagesbetreuung oder auch in der Verwaltung. In anderen Bereichen sind die Aussichten derzeit schwieriger, etwa im Tourismus oder in der Kultur- und Veranstaltungsbranche. Wie sich die Corona Pandemie langfristig auf den Arbeitsmarkt in Deutschland auswirken wird, werden wir allerdings erst in ein paar Jahren im Rückblick wirklich sagen können.

Und wie wirkt sich die Pandemie auf die Zukunft der Jugendlichen aus? Welche langfristigen Folgen können auftreten?

Im Moment ist es zu früh, um eine eindeutige Antwort zu geben. Zurzeit ist immer wieder von der „Generation Corona“ zu lesen, die im Vergleich zu früheren Jahrgängen geringere Chancen für ihr weiteres Leben hätte. Ich halte jedoch wenig von pauschalisierenden Zuschreibungen, denn wir sehen, dass die Pandemie junge Menschen in unterschiedlicher Weise und unterschiedlichem Ausmaß trifft. Wie auch schon in der Zeit vor Corona verfügen finanziell und sozial gut gestellte junge Menschen über mehr Ressourcen, mit solchen Krisensituationen umzugehen. Was wir aktuell sehen, sind momentane Belastungen und Sorgen um die Zukunft. Viele junge Menschen machen sich Sorgen um ihren Schul-, Ausbildungs- oder Studienabschluss oder blicken ganz generell mit Sorgen in ihre Zukunft. Auch fühlen sich einige Jugendlichen durch die verringerten sozialen Kontakte einsam, sind weniger zufrieden mit dem Kontakt zu Freunden und fühlen sich in ihren Hobbys und Interessen eingeschränkt.

Manchen Jugendlichen ist langweilig, andere sind überfordert mit der aktuellen Situation: Welche Tipps können Sie ihnen geben?

Die Jugendphase ist die Zeit im Leben, in der Freunde und andere Bezugspersonen ganz besonders wichtig sind. Zusammen mit Gleichaltrigen probieren sich Jugendliche aus, entwickeln ihre eigenen Interessen und Positionen weiter, erleben Zugehörigkeit und Unterstützung, schmieden Zukunftspläne und sind „einfach jung“. Corona bedeutete für viele eine Einschränkung sozialer Unterstützung durch Freundinnen und Freunde. Daher kann ich jungen Menschen nur raten, den Kontakt mit ihren Freunden weiter zu pflegen und aufrechtzuerhalten, sei es digital oder im direkten persönlichen Kontakt. Und wie die Jugendforschung zeigt, sind junge Menschen sehr versiert darin, ihre Freundschaften parallel online und offline zu leben. Diese Fähigkeit ist nun so gefragt wie nie.

Von Ann-Kathrin Wucherpfennig


Über den Autor/die Autorin:

MADS-Team

Unter diesem Namen sammeln wir Beiträge von Gastautoren, Autorenkollektiven oder freien Mitarbeiter bei MADS. Die Namen des jeweiligen Autors oder der jeweiligen Autorin stehen dann immer unter dem einzelnen Beitrag.

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