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Gefangen im Netz – was tun?

Gefangen im Netz – was tun?
Foto: Klaus Amberger

Medien-Scouts sind Schüler, die Schüler über die Risiken im Internet aufklären und bei Problemen helfen. 450 gibt es im Nordosten. Jetzt wurde beraten, wie man sie auch unter Corona-Bedingungen schult.

Was tun, wenn ich online gemobbt werde? Was, wenn ich auf eine seltsame Nachricht im Netz geantwortet habe oder wie verhalte ich mich, um möglichst wenige persönliche Daten digital preiszugeben? 

Andreas Neymeyr und Collin Weiser sind Medien-Scouts. Späher, Aufklärer, Pfadfinder für den digitalen „Kram“, der die meisten Menschen umgibt. Die beiden 14-Jährigen gehen in die 9. Klasse der Don-Bosco-Schule in Rostock. „Vor einem Jahr wurden wir ein ganzes Wochenende lang geschult“, berichtet Andreas. Nun gehören sie zu dem fünfköpfigen Scout-Team der Schule. Regelmäßig treffen sich die jungen Leute, planen, diskutieren, entwerfen Ideen, wie Workshops und Vorträge für ihresgleichen, um die sogenannte Medienkompetenz ihrer Mitschüler zu stärken und um ihnen auch in heiklen Situationen und bei bohrenden Fragen guten Rat zu geben.

Rostocker Bundeskonferenz pusht die Ausbildung

Wie die Aus- und Weiterbildung ebenjener Scouts unter den derzeitigen Corona-Unbilden am besten funktioniert, welche digitalen Werkzeuge dafür gerade geeignet sind, darüber tauschten sich vor wenigen Tagen gut 45 Frauen und Männer aus 14 Bundesländern bei der 3. Bundes-Ausbilder-Konferenz Medien aus. Eine Konferenz, die normalerweise in Rostock stattfindet und nun als Online-Treff organisiert werden musste. 

„Sich auf diese Weise zu treffen, ist besser, als sich gar nicht zusammenzusetzen“, sagt die Initiatorin des Camps, die Rostocker Anwältin Gesa Stückmann. „Denn wenn man allein in seiner Kammer sitzt, kommt man nicht auf so gute Ideen, als wenn man sich in größerer Runde austauscht und gemeinsam Gedanken entwickelt.“

Auch Senioren sollen profitieren

Zu den Ideen gehören beispielsweise hybride Formen von Schulungen der Scouts. „Das heißt, dass man einerseits gerade jetzt die Scouts verstärkt über Online-Kanäle fit macht und andererseits vor Ort mit den jungen Leuten spricht“, sagt Helge Tiedemann, Medienpädagoge aus Hamburg. Nur digitale Schulungen würden nicht funktionieren, die Schüler bräuchten auch Praxisbezüge. Eine andere Idee, von der Tiedemann berichtet, ist, dass die Scouts auch an Grundschulen, in Kindergärten und Seniorenzentren gehen, wo Themen wie Cybermobbing, Datenschutz oder Urheberrecht erörtert werden.

Scouts haben mehr Wirkung als Erwachsene

Medienkompetenz und digitale Selbstbestimmtheit sind Fähigkeiten, mit denen der Wandel in der Bildungs-, Arbeits-, aber auch in der Lebenswelt, mitgestaltet werden kann. Auch deshalb sei das Engagement der Scouts so wertvoll, sagt Antje Kaiser, Referentin für Datenschutz und Bildung beim Datenschutz MV in Schwerin. „Wenn Schüler ihren Mitschülern die Risiken im Internet erklären, kommt das viel besser an, als wenn Erwachsene das tun“, sagt sie. Probleme würden an die Scouts schneller herangetragen werden als etwa an die Lehrer oder Eltern. Altersgenossen könnten viel besser helfen, weil sie ein ähnliches Nutzungsverhalten haben.

Apropos Eltern. Helge Tiedemann plädiert dafür, künftig auch sogenannte Eltern-Lotsen zu schulen, da Mütter und Väter andere, aber auch direktere Zugriffsmöglichkeiten haben als ihre Sprösslinge. „Begleiten statt verbieten, lautet die Formel“, sagt der Pädagoge. Auf diese Weise wachse das Verständnis für die Sorgen der Eltern vor digitalen „Überraschungen“.

Für Techniker-Krankenkasse ist Hilfe Prävention

Andreas und Collin kennen die häufigsten Fehler beim Surfen durch den digitalen Dschungel. „Die Passwörter sind zu leicht gewählt und für Hacker schnell zu knacken, Fotos werden hochgeladen, die für Fakes genutzt werden, persönliche Daten werden oft zu bedenkenlos preisgegeben“, sagt Medien-Scout Andreas. Manon Austenat-Wied, Leiterin der Landesvertretung der Techniker Krankenkasse (TK), die die Konferenz unterstützt, sagt: „Das Leben von Kindern und Jugendlichen hat sich mit der Corona-Pandemie weiter in den digitalen Raum verlagert. Medienkompetenz ist mehr denn je Lebenskompetenz. Wir werden uns weiterhin konsequent mit den Partnern im Land für eine bessere Medienbildung einsetzen.“ Unter dem Aspekt der Vorsorge könne nicht früh genug mit der Medienbildung begonnen werden.

„Jeder macht mal einen Fehler, wenn er online unterwegs ist“, sagt Collin. „Ein weiterer Fehler ist es aber, wenn man sich dann nicht um Hilfe bemüht“, sagt Andreas. Etwa bei einem Medien-Scout. 450 gibt es an den Schulen in MV.

Info: ​medienscouts-mv.de

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Klaus Amberger

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