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„Fridays for Future“: Hunderttausende Schüler unterwegs

„Fridays for Future“: Hunderttausende Schüler unterwegs
Foto:  Henrik Montgomery/TT News Agency/AP/dpa

Mehr als 2000 Klimaproteste in über 120 Ländern: Weltweit traten Schüler heute für den Klimaschutz in den Streik. In Deutschland gab es an etwa 200 Orten Demonstrationen.


Protestwelle für mehr Klimaschutz: Hunderttausende Jugendliche haben am Freitag weltweit für einen radikalen Kurswechsel hin zu mehr Klimaschutz demonstriert. Kundgebungen unter dem Motto „Fridays For Future“ gab es in europäischen Metropolen wie Rom, Wien, Warschau, London und auch in Dutzenden deutschen Städten. Unter anderem in Berlin, Köln, Dresden und Stuttgart zogen Tausende Schüler, Studenten und Unterstützer mit Plakaten durch die Straßen. Rund um den Globus waren mehr als 2000 Kundgebungen und Schülerstreiks in mehr als 120 Staaten angekündigt, hierzulande rund 200.

Die Kernforderungen: ein schnelles Aus für die klimaschädliche Verbrennung von Kohle, Öl und Gas, keine Subventionen mehr für diese „dreckigen“ Energieträger, mehr Investitionen in erneuerbare Energien aus Windkraft und Sonne.

Auch in Dutzenden deutschen Städten gingen Jugendliche und ihre Unterstützer auf die Straße statt zur Schule – die Veranstalter schätzen ihre Zahl bundesweit auf rund 300 000. Allein in Berlin nahmen laut Polizei 15 000 bis 20 000 Menschen teil. Die Veranstalter sprachen von rund 25 000 Teilnehmern. Auch in Köln und München waren nach Polizeiangaben jeweils mehr als Zehntausend auf den Beinen.

Auf Plakaten bei Protesten in Deutschland hieß es unter anderem: „Wir lernen nicht für eine zerstörte Zukunft“ oder „Fehlstunden verkraften wir, Klimawandel nicht“. Andere hatten Schilder dabei mit Aufschriften wie „Die Dinos dachten auch, sie hätten Zeit“ und „Wäre die Welt eine Autofirma, hättet ihr sie längst gerettet“.

In Neuseeland, wo die ersten Proteste weltweit anliefen, sagte Koordinatorin Sophie Handford (18): „Wir sind die, die diese Erde erben werden. Wir verdienen es, darüber mitreden zu dürfen, welche Art von Zukunft wir haben werden.“

Viel Zuspruch

Die Schülerproteste der „Fridays for Future“-Bewegung bekommen aus der Bevölkerung überwiegend Zuspruch. Das geht aus dem aktuellen ZDF-„Politbarometer“ hervor. Nach der am Freitag veröffentlichten Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen finden 67 Prozent der Befragten die Demonstrationen der Schüler gut, auch wenn sie in der Unterrichtszeit stattfinden. 32 Prozent sprechen sich dagegen aus. Lediglich die Anhänger der AfD sind mit 67 Prozent mehrheitlich gegen den Protest.

Auch die Politik will nun handeln: Nach einem Koalitionsausschuss am Donnerstagabend in Berlin hat die SPD-Partei- und Fraktionsvorsitzende Andrea Nahles den „Klimaschutz zur Chefsache“ erklärt – die Regierungsparteien CDU, CSU und SPD wollen ein Klimakabinett bilden und die rechtlich verbindliche Umsetzung der Klimaschutzziele für das Jahr 2030 vorbereiten. Nahles versicherte, Klimagesetze würden die Politik der Bundesregierung in diesem Jahr „sehr stark prägen“.

Die Proteste im Überblick

Fotos: dpa

Auch in Rom strömten Tausende Schüler zu den Kaiserforen und forderten lauthals einen Wechsel in der Klimapolitik. Dabei skandierten sie vor der historischen Kulisse und bei strahlendem Sonnenschein Sprüche wie „Wir haben nur einen Planeten“ oder „Wir sind der Wandel“. In Indien beteiligten sich insgesamt einige hundert Schüler in der Hauptstadt Neu Delhi und weiteren Städten. In Gurugram, einem Vorort von Neu Delhi, trug ein Mädchen einen Kittel, auf dem „Ich will nicht ersticken“ stand. Neu Delhi und Gurugram (früher Gurgaon) gehören laut Zahlen der Weltgesundheitsorganisation WHO zu den 13 Städten mit der schlimmsten Feinstaubbelastung weltweit – alle 13 liegen in Nordindien.


Mehr zu den Demos in deutschen Städten:


Symbolfigur der Protestwelle ist die 16-jährige schwedische Schülerin Greta Thunberg, die seit vielen Wochen freitags für den Kampf gegen den Klimawandel demonstriert, statt zur Schule zu gehen. Sie ist inzwischen zu einer Ikone für Klimaschützer rund um die Welt geworden. In vielen Städten hielten Demonstranten Schilder mit dem Spruch „Make the world Greta again“ in die Höhe – angelehnt an den Wahlkampfslogan von US-Präsident Donald Trump „Make America great again“ (Macht Amerika wieder groß).

In einem Beitrag im britischen „Guardian“ schrieb Thunberg zusammen mit anderen jugendlichen Organisatoren der Initiative „Fridays For Future“: „Diese Bewegung musste kommen, wir hatten keine Wahl.“ Das „etwas sehr falsch läuft“ hätten ihnen die jüngsten Wald- und Buschbrände etwa in Schweden und den USA sowie die Überschwemmungen und Dürreperioden in Australien und Deutschland gezeigt. Die Erderhitzung nannten sie die „größte Gefahr, der die Menschheit jemals gegenüber stand“.

Unterstützung bekommt die ursprünglich von jungen Leuten initiierte Bewegung auch aus anderen Generationen. So haben rund 20 000 Wissenschaftler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz eine Stellungnahme unterzeichnet, um dem Anliegen der Klimabewegung Nachdruck zu verleihen. Auch Eltern stellen sich mit „Parents for Future“ an die Seite der Jugendlichen. Sie bitten unter anderem darum, auf Schulverweise oder andere disziplinarischen Maßnahmen zu verzichten, wenn Schüler für Proteste dem Unterricht fernbleiben.

Wollen Klimaschutz-Kids nur den Mathe-Stunden entkommen?

In der Politik werden die Schüler aber auch von einigen kritisiert. Nach Ansicht des CDU-Bundestagsabgeordneten Philipp Amthor sollten die Proteste erst nach dem Unterrichtsende beginnen. „Politisches Interesse der Schüler finde ich immer gut. Dem können sie aber auch in ihrer Freizeit nachgehen“, sagte der 26-Jährige der „Heilbronner Stimme“. „Bei der Wahl zwischen Unterricht und Klimademos in der Schulzeit entscheiden sich viele für Klimademos. Bei der Wahl zwischen Playstation und Klimademos am Nachmittag sieht es dann bei manchen aber schon anders aus.“


Für die Erde: Fridays For Future. 
Bild: Sophie Gnest

Das ist „Fridays for Future“: „Fridays for Future“ ist eine internationale Schüler- und Studentenbewegung, die sich für den Klimaschutz einsetzt. Seit mehreren Wochen gehen junge Menschen weltweit freitags auf die Straße, anstatt die Schule oder die Universität zu besuchen. Sie fordern von ihrer jeweiligen Regierung eine bessere Klimapolitik und „einen echten Klimaschutz“, wie die Bewegung auf ihrer deutschen Webseite erklärt. Die Schüler wollen mit dem Fernbleiben vom Unterricht ausdrücken, dass der Schulbesuch sinnlos werde, wenn die Politik beim Kampf gegen den Klimawandel keine entscheidenden Schritte unternehme.

Lest auch hier: „Darum schwänze ich für den Klimaschutz die Schule“

Vergangene Woche hatte nach Kanzlerin Angela Merkel (CDU) auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Schülerproteste begrüßt. Viele der Erwachsenen hätten noch nicht gemerkt, „dass es fünf vor zwölf ist“, sagte Steinmeier in Neumünster zu Schülern einer „Fridays For Future“-Mahnwache. Es gehe nicht nur um Schutz des Klimas, sondern auch um den Schutz der Weltmeere. Er sagte: „Wir brauchen junge Menschen wie euch, die sich einmischen.“

Video: „Es ist ein Privileg, sich zu engagieren“

Wie schlimm steht es wirklich um die Erde?

Die Zeit drängt: Schon jetzt hat sich die Erde nach Befunden des Weltklimarats IPCC gegenüber der vorindustriellen Zeit um etwa ein Grad erwärmt, in Deutschland sogar noch etwas stärker. Die Jahre 2015 bis 2018 waren nach Analysen der Weltwetterorganisation die vier wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen im 19. Jahrhundert. Geht es weiter wie bisher, ist Ende dieses Jahrhunderts die Welt wohl gut drei Grad wärmer. Zu den fatalen Folgen gehören mehr Hitzewellen, längere Dürren sowie mehr Stürme, Starkregen und Hochwasser. Um den Trend zu stoppen, muss der Ausstoß von Treibhausgasen etwa aus der Verbrennung von Kohle und Öl oder aus der Tierhaltung stark reduziert werden.

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mit Material von dpa

Über den Autor/die Autorin:

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