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Erwachsensein für Anfänger: Was die Schule euch nicht beibringt

Erwachsensein für Anfänger: Was die Schule euch nicht beibringt
Foto: iStockphoto.com/RichVintage

Mietverträge und Versicherungen statt Gedichtanalysen: Viele Dinge lernt man nicht in der Schule – sondern erst danach. MADS bereitet euch darauf vor.


„Ich brauche Hilfe“, sage ich verzweifelt in mein Handy – den Blick auf das vor mir ausgebreitete Zettelchaos gerichtet. Stundenlang hatte ich im Internet über Steuererklärungen und Versicherungen recherchiert und war am Ende vor allem eins: überfordert. Schließlich musste ich es dann doch tun, beim Finanzamt anrufen und fragen, wie das denn mit den Steuern so funktioniert. Die Erkenntnis des Tages: Erwachsensein nervt.

Hat dieses Erwachsensein noch nicht ganz verstanden: MADS-Autorin Nina (23).

Nein, ich schaffe das alleine – wie oft habe ich meinen Eltern diesen Satz unwirsch entgegnet, wenn sie mir ihre Unterstützung anboten? Auf jeden Fall zu oft. Denn spätestens mit dem Auszug hatte ich einen Entschluss gefasst: selbstständiger zu werden und mich Problemen alleine zu stellen. Tja, ganz so einfach ist dieses Erwachsensein aber eben doch nicht. Das fängt bereits an dem Punkt an, wenn der hysterische „Papa, da ist eine Spinne“-Schrei nichts mehr nützt, und mündet im Haare-raufen über Rechnungen. Klar, als Studentin konnte ich mich lange Zeit noch um einen Großteil der lästigen bürokratischen Aufgaben drücken. Doch sobald der Nebenjob die 450-Euro-Marke knackt oder 25 Kerzen auf dem Geburtstagskuchen brennen, heißt es: Ab jetzt häufen sich Kosten und Papierkram.

Tschüss, Familienversicherung

Nur durch eigene Recherche erfuhr ich, dass ich nicht länger in der Familienversicherung bleiben konnte. Stattdessen muss ich mehr als 100 Euro für Kranken- und Pflegeversicherung zahlen – und seit diesem Jahr kommen dann auch noch die fiesen Steuern hinzu. Herrje!

Während ich als Kind mit kleiner Küche und Werkzeugkasten meinen Eltern nacheiferte, vermisse ich heute das naive Unwissen über die vielen Dinge, über die man sich als Erwachsene Gedanken machen muss – und Papas Mut im Kampf gegen Ungeziefer. Mittlerweile konnte ich die Angst vor Spinnen zwar ablegen, doch auf die zahlreichen Hürden des Alltags fühle ich mich noch immer nicht vorbereitet.

So vergaß ich nach meinem Auszug, bei den Stadtwerken das Wasser anzumelden und brannte mir gleich bei meinem ersten Bügelversuch ein Loch in meine Lieblingsbluse. Noch ärgerlicher: Weil ich nicht wusste, dass ich Teile der Studienkosten später per Steuererklärung absetzen kann, landeten viele nützliche Belege einfach im Müll. Keine Rechtfertigungen über spätes Nachhausekommen und so viele Kekse essen, wie ich will: Ja, als Erwachsene kann ich viele Dinge tun, die ich als Kind nicht konnte (oder auch nicht, denn zu viele Kekse bereiten wirklich Bauchschmerzen). Von den nervigen Alltagshürden wusste ich allerdings lange Zeit nichts. Statt ausschließlich Gedichte zu analysieren oder Kurvendiskussionen durchzuführen, hätte ich in der Schule deshalb wirklich gerne mehr über so praktische Dinge wie Buchhaltung, Steuern und Schuldenfallen gelernt.

Von Nina Hoffmann


Mit diesen Tipps klappt es mit dem Erwachsenwerden

Mietvertrag checken

Nein, so ein Mietvertrag ist kein Hexenwerk. Hier ein paar Grundregeln: Der Vertrag muss unter anderem die Anschrift des Vermieters, die Wohnungsgröße, Miethöhe und sogenannte Nebenkosten enthalten. Das sind laufende Betriebskosten – zum Beispiel für Wasser, Heizung, Müllabfuhr oder den Hausmeister. Wichtig ist, genau nachzulesen, welche Nebenkosten bereits vom Vermieter übernommen werden und welche nicht. Sonst besteht die Gefahr, Strom, Gas oder Wasser nicht anzumelden und automatisch in einen extrem teuren Standardvertrag zu rutschen. Einige Vermieter verlangen zusätzlich eine Kaution – die darf drei Monatskaltmieten nicht überschreiten.

Überblick behalten

Wer sein Geld im Blick behalten will, sollte regelmäßig Buch führen. Gerade am Anfang ist es wichtig zu wissen, wie die monatliche Bilanz ausfällt – sonst landet das Konto ungewollt im Minus. Das heißt, Ausgaben und Einnahmen sollten etwa am Ende jeder Woche notiert werden. Ob per App oder klassisch im Notizheft, bleibt jedem selbst überlassen.

Der Nebenjob

Flyer verteilen, Fahrradklingeln verkaufen oder kellnern – wer einen Nebenjob ausübt, sollte wissen, wie lange er arbeiten und wie viel er verdienen darf. Für gewöhnlich gilt: Bis zu 20 Arbeitsstunden die Woche, sind neben einem Studium erlaubt. Wer mehr arbeitet, gilt für gewöhnlich als Arbeitnehmer und kann sich nicht mehr studentisch versichern. Bei einem Verdienst von maximal 450 Euro monatlich müssen weder Steuern noch Sozialabgaben geleistet werden.

Vorteile für Studenten

Sobald der Verdienst über den Grundfreibetrag fällt, müssen Steuern gezahlt werden. 2020 liegt der Betrag bei 9 408 Euro. Wichtig für Studierende: Viele Kosten für das Studium können auch Jahre später noch bei der Steuer abgesetzt werden. So zum Beispiel Umzugskosten, Semesterbeiträge und Ausgaben für Lernmaterialien wie Bücher, Hefte und Papier. Belege sollten deshalb sicher aufbewahrt werden.

Versicherung

Bis zum 23. Lebensjahr kannst du in einer gesetzlichen Familienversicherung über deine Eltern krankenversichert sein – aber nur, solange du selbst noch nicht arbeitest. Wenn du eine unbezahlte Ausbildung machst oder studierst, darfst du bis zum 25. Lebensjahr in der Familienkrankenversicherungversicherung bleiben. Verdienst du – beispielsweise als Student – mehr als 450 Euro im Monat bei deinem Nebenjob und arbeitest mehr als 20 Stunden die Woche, musst du eine eigene Krankenversicherung abschließen. Eine studentische Krankenversicherung liegt bei den meisten Versicherungen bei etwa 100 Euro monatlich.

Schluss mit dem Chaos

Wo ist eigentlich der Brief vom Finanzamt hin? Und wo sind meine Praktikumszeugnisse? Um solche Fragen zu vermeiden, sollten wichtige Dokumente, Briefe und Schreiben regelmäßig abgeheftet werden. Gut sortierte Ordner können panische Suchmomente vermeiden.

Nie hungrig einkaufen

Spätestens, sobald du allein oder in einer WG wohnst, musst du dein Essen selbst einkaufen. Und das sollte man nie, wirklich nie mit leerem Magen machen – außer, du willst deine Arme beim Schleppen von Tüten voller unbefriedigender Snacks trainieren.

Kaufe gebraucht

Vor allem bei Möbeln lohnt es sich, auf Online-Portalen wie eBay-Kleinanzeigen oder Flohmärkten nach gebrauchten Stücken zu schauen. Das ist nicht nur nachhaltiger und günstiger: Wer schon einmal einen PAX-Ikea-Schrank aufgebaut hat, der weiß, wie viel Lebenszeit und gequetschte Finger einem bereits aufgebaute Möbel ersparen.

Bester Technik-Tipp

Innehalten. Durchatmen. Ausschalten. Anschalten. Löst etwa 85 Prozent aller IT-Probleme

Alte Freunde halten

Auch wenn du dich nach der Schule veränderst und sie sich auch, bemüh dich um alte Freundschaften. Nicht um alle, aber um ein oder zwei. Denn diese Personen werden diejenigen sein, die die besten Witze auf deine Kosten machen können und auf deren Freundschaft du in zehn Jahren am stolzesten sein wirst.

Wenn es mal nicht läuft

Manche Tage sind zum Scheitern verurteilt: im Schlafanzug aus der Wohnung ausgesperrt, Handy verloren, Klausur verpasst, die Chefin enttäuscht – heute ist einfach nichts mehr zu retten. Manchmal hilft eben all der aufputschende Kaffee, die beruhigende Yoga-Sitzung oder auch der Lern-Podcast nicht. In solchen Momenten ist es hilfreich, einfach ehrlich zu sich zu sein. Versuche, deine Situation und deine Fehler zu akzeptieren und tröste dich damit, dass der nächste Tag nur besser werden kann.

Von Jacqueline Hadasch, Nina Hoffmann, Nadine Wolter


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