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Den Kunden aufs Dach steigen – so läuft die Zimmererausbildung

Den Kunden aufs Dach steigen – so läuft die Zimmererausbildung
Foto:  Buck/privat

Heute arbeiten Fabian Buck und Rene Werner auf einer Baustelle in Pelzerhaken. Sie schalen ein Flachdach ab und bedecken die Gaube mit Holzplatten. Die Zimmerer machen ihren Beruf mit Leib und Seele. Ihr Metier sind in erster Linie Dächer. Die beiden jungen Männer haben nach drei Jahren Ausbildung bei der Firma Gollan im August ihre Gesellenprüfung gemacht. Beide haben ihren praktischen Teil mit der Note Eins abgeschlossen.

„Das kommt nicht so häufig vor in einem Jahrgang, dass mehrere so gut abschneiden“, sagt Fabian Buck mit Stolz. Der 23-Jährige aus Malente erzählt: „Wir haben einen Plan von einem Dachmodell bekommen, den wir umsetzen mussten. Also eine Skizze erstellen, die Hölzer vorbereiten und das Ganze zusammenbauen. Es wurde zum Beispiel darauf geachtet, wie sauber wir zeichnen, ob wir die Maße einhalten, ob die Schnitte mit der Säge exakt sind.“ Rene Werner ergänzt: „Für uns war das relativ easy. Wir durften im Betrieb viel üben und waren deshalb gut vorbereitet.“

13 Ausbildungsberufe

Gollan bildet in 13 handwerklich-gewerblichen und kaufmännischen Ausbildungsberufen sowie drei dualen Studiengängen aus, derzeit 55 Azubis. Unter den Zimmerer-Auszubildenden aus Ostholsteins Betrieben habe es einen guten Zusammenhalt gegeben.

„Wir haben uns gegenseitig geholfen, zusammen gegrillt und nach der Freisprechung gemeinsam gefeiert“, erzählt Werner. Das vermissen die beiden schon ein bisschen, „jetzt geht doch jeder mehr seinen eigenen Weg“, sagt Werner. Zwischen Weihnachten und Neujahr sei aber ein Klassentreffen geplant. „Wir waren ein guter Jahrgang“, sagt der junge Mann aus Schönwalde am Bungsberg.

Empathie und ein offenes Ohr

Wenn doch mal der Schuh drückte, waren die Kollegen in der Zimmerei immer ansprechbar. Und auch Annekathrin Schmidt, Assistentin des Geschäftsführers und zuständig für den Nachwuchs bei Gollan, habe immer ein offenes Ohr gehabt. „Zu ihr kann man auch mit privaten Problem kommen, sie ist so was wie eine zweite Mutti für die Azubis“, sagt Werner.

„Viele Azubis haben schon früh konkrete Vorstellungen davon, was sie noch vermittelt bekommen möchten und welche Aufgaben sie begeistern“, sagt Schmidt. Sie fährt auch in die Berufsschulen und Ausbildungsstätten, um bei Problemen zu klären und zu vermitteln. „Manchmal sind es auch private und sehr persönliche Dinge, Sterbefälle im Familien- und Freundeskreis oder Probleme zu Hause“, erzählt die 50-Jährige. Die Gespräche seien nicht immer leicht, aber wichtig. Verständnis, Empathie, ein offenes Ohr und Trost seien dann gefragt. Schmidt ist gern mit jungen Menschen zusammen. „Ich lerne von ihnen und lasse mich inspirieren.“

Auch außerhalb der Baustelle Abwechslung

Rene Werner mag an seinem Job, dass kein Tag wie der andere ist. „Wir sind Allrounder, wir bauen Dächer, Carports, Terrassen, immer an einem anderen Ort und bei jedem Wetter.“ Auch außerhalb der Baustellen steht der 20-Jährige auf Abwechslung. Er ist bei der Feuerwehr und bei der Landjugend aktiv, fährt mit seinem Oldtimer-Mofa herum, macht Sport und unternimmt Ausflüge mit Freunden.

Wenn Fabian Buck Feierabend oder Wochenende hat, spielt er Schlagzeug im Malenter Spielmannszug oder Handball. An der Zimmerer-Arbeit gefällt ihm, „dass man am Ende des Tages sieht, was man geschafft hat und anderen Leuten mit seiner Arbeit eine Freude macht.“ Und: „Man braucht eben auch Köpfchen.“ Außerdem mag er den Nervenkitzel, wenn in luftiger Höhe gearbeitet wird.

Ziel: Meisterschule

Jetzt, nach Ende ihrer Ausbildung, arbeiten die beiden Gesellen auf verschiedenen Baustellen. „Je nachdem wo unser Chef uns hinschickt.“ Wenn die Schlechtwetterzeit beginnt, haben sie auch mal mit Innenausbau zu tun, stellen Trockenbauwände auf oder laden Material für die nächste Baustelle vor.

Ihr Plan für das nächste Jahr steht: „Wir wollen ab August auf die Meisterschule in Lüneburg gehen. So können wir schnell an das anknüpfen, was wir in den letzten Jahren gelernt haben“, sagt Buck. Und auch nach dem Meistertitel planen beide, sich weiterzubilden, um beispielsweise einmal Gutachten erstellen zu können. Besonders gern würden die beiden einmal ein richtig altes Fachwerkhaus sanieren.

Kollegen und Freunde

Buck und Werner sind inzwischen nicht nur Kollegen, sondern durch die gemeinsame Lehrzeit auch Freunde geworden. „Wir würden irgendwann gern eine eigene Firma zusammen gründen, am liebsten in Schleswig-Holstein“, verrät Buck. Ihm gefällt der Gedanke, sein eigener Chef zu sein. „Dann könnte man Projekte von Anfang bis Ende betreuen, vom ersten Kundengespräch an.“

Erstmal machen die beiden – oft gemeinsam – die Baustellen an der Küste unsicher. Es gibt noch viel zu lernen. Dabei kommt der Spaß nie zu kurz. „Man kann so viel rumprobieren und mit den Kollegen ist es oft sehr lustig“, sagt Buck. Dann steigen die zwei wieder aufs Dach.

Nina Gottschalk


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