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„Allein sind wir allein.“ Das verbirgt sich hinter Böhmermanns Countdown

„Allein sind wir allein.“ Das verbirgt sich hinter Böhmermanns Countdown
Foto: dpa

Der Satiriker Jan Böhmermann hat ein Rätsel gestellt: Er setzte auf Twitter eine Botschaft ab, die nur aus der Adresse einer Internetseite besteht: dotheyknowitseurope.eu (Wissen sie, dass es Europa ist?). Doch schon vor Ende des Countdowns brach die Seite zusammen. Dahinter verbirgt sich: ein Song.


Am Ende wurde es ein Song: Satiriker Jan Böhmermann hat Kollegen für eine ganze Reihe europäischen Länder für ein gemeinsames Lied zur Europawahl zusammen-, nun ja, -getrommelt. Unter dem Supergroup-Namen „Comedians for world peace“ trällerten sie ein melodramatisches Satire-Liedchen zur Europawahl.

Ein Hauch von Grand Prix zieht sich durch den Song. Jedes Land zählt seine Vorzüge oder Klischees auf. „Knödel, Porsche und Dackel –Hitler, Spargel, Klinsmann, Tor“ beginnt Böhmermann, und zum Schluss kommen die Briten und singen: „Wir bauten mal ein großes Empire, jetzt nur noch Dyson’s hand dryer, wir kommen bestimmt gut alleine klar.“ Der Refrain lautet: „Allein sind wir allein“ – und zusammen ist es irgendwie besser.

Nur die Schweizer sind mal wieder anderer Meinung: „Wir nehmen von allen das Beste, und danken euch sehr.“ Und am Ende kommen die Armenier und fordern die Erweiterung: „Berlin und Paris, Rom und Amsterdam, da fehlt doch nur noch Eriwan.“

Band Aid 1984

Der Name des Songs bezog sich auf den bekanntesten aller Benefiz-Songs anlässlich der Hungersnot in Äthiopien 1984. „Do they know it’s Christmas?“ (Wissen sie, dass Weihnachten ist?) hieß der Song, den Bob Geldof für das All-Star-Hilfsprojekt „Band Aid“ schrieb. Jan Böhmermann sieht Europa also anscheinend in der nähe einer humanitären Katastrophe.

Falsche Fährten nach Ibiza

Böhmermann hatte ein „kleines Special“ für die nächste Ausgabe des „Neo Magazin Royale“ angekündigt. Er hatte geschickt Andeutungen gestreut, dass es sich um neue Informationen zur Ibiza-FPÖ-Affäre handeln könnte. Sein Sender ZDF hatte zwar dementiert, aber die Spekulationen gingen weiter. „Das „Special“ wird im Rahmen der Show sowie Online stattfinden und hat nichts mit Herrn Strache zu tun“, teilte das ZDF für die Sendung am Donnerstag mit.

Der Countdown sollte am Mittwoch um 20.15 Uhr enden. Doch schon bevor es soweit war, ging nichts mehr. Die Seite war down. Offensichtlich versuchten einfach zu viele Menschen auf einmal, auf die Seite zu gelangen – und zu erfahren, was Böhmermann da wieder ausgeheckt hat.

Der finale Countdown

„Neo Magazin Royale“-Moderator Böhmermann hatte am Montag auf seinem Account einen Hinweis auf seine Sendung getwittert und danach die Ankündigung „Diese Woche haben wir sogar ein kleines Special vorbereitet!!!“ Kurz darauf folgte ein weiterer Tweet mit einem Link zur Seite dotheyknowitseurope.eu („Wissen sie, dass es Europa ist?“). Eine weitere Adresse der Seite lautet comediansforworldpeace.eu ( „Comedians für den Weltfrieden“). Beim Öffnen erschien ein Countdownfeld: Dort wurde die Zeit Sekunde für Sekunde rückwärts gezählt, bis zu dem Zeitpunkt, an dem es am Mittwochabend die Seite freigeschaltet wurde.

Comedians for World Peace: Do they know it’s Europe?

Mehrere Twitter-User fanden heraus, dass sich im Quellcode der Seite das Wort „Ibiza“ versteckt. Ein weiterer Hinweis auf eine Verstrickung Böhmermanns in die Strache-Affäre? Der Hinweis, der auch eine Finte sein könnte, befindet sich versteckt im Quellcode der Seite.

Jan Böhmermann und das Strache-Video

Satiriker und Grimme-Preisträger Jan Böhmermann kannte das brisante Strache-Video bereits vor der Veröffentlichung, wie sein Manager Peter Burtz bereits am Wochenende bestätigte. Das Video zeigt, wie Strache einer vermeintlichen russischen Oligarchin 2017 auf Ibiza öffentliche Aufträge in Aussicht stellte, wenn sie seiner Partei zum Wahlerfolg verhelfe.

Böhmermann hatte im April gesagt, dass er „mit ein paar FPÖ-Geschäftsfreunden in einer russischen Oligarchen-Villa auf Ibiza rumhänge“ – offensichtlich eine Anspielung auf die Aufnahmen. Das ZDF schloss gegenüber der „Bild“-Zeitung eine Beteiligung Böhmermanns oder seiner Produktionsfirma an der Herstellung des Videos aus.

Die „Zeit“ schreibt in ihrer aktuellen Ausgabe, dass die Urheber des Ibiza-Videos dafür „eine siebenstellige Summe“ verlangt hatten. Auch Böhmermann sei das Material gegen Geld angeboten worden. Das widerspricht den Angaben seines Managers. Mit der Angelegenheit vertraute Personen versicherten indes dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND), dass diese Darstellung unkorrekt sei.

Böhmermanns Vergangenheit: Erdogan und Varoufakis

Böhmermann hatte 2016 mit einem „Schmähgedicht“ auf den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan Schlagzeilen gemacht, das diplomatische Verstimmungen auslöste. Im selben Jahr bekam er den Grimmepreis für seinen „Varoufake“-Beitrag im „Neo Magazin Royale“, einen satirischen Beitrag über den früheren griechischen Finanzminister Giannis Varoufakis.

Von Jan Sternberg und Dana Schülbe/RND


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